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Auf dem Cover fletscht eine Schlange ihre Zähne, ein Typ mit Hockeymaske und dicker Wumme tritt in Aktion, dazu düst im Hintergrund ein Flugzeug über den Horizont. Cobra Gang – dieser Titel kitzelt dann noch die letzten Sinne im Körper der Trivialfilmfreunde. Und wie man den Film haben muß!
Dabei ist es heute sogar weniger eine Mogelpackung, als es mit dem alten Atlanta Tape gewesen sein kann. Immerhin, von der CMV DVD prangt schon das warnende Motto in großen Lettern. In der Trash Collection kann man einfach alles vorfinden, was billig ist. Manchmal zündet es, manchmal zündet es nicht. Mexikanische Actionfilme mit stilistischer Nähe zur Telenovela gehören zu den Herausforderungen für die Hirnhornhaut, die Videomasochisten über die Jahre ausgebildet haben. Auch die Werke von Ted V. Mikels und Fred Olen Ray haben aber ihre Freunde, warum soll es nicht mit den Gebrüdern Almada klappen, die in Mexiko mit ihren dicken Schnautzbart-Brummern recht beliebte Schauspieler zu sein scheinen?

Wie man sich am Herkunftsland schon herleiten kann, werden Cobras in Cobra Gang keine Rolle spielen. Dafür werden Klapperschlangen zum Spielzeug eines Drogenbarons.
Die Exposition kommt wahrlich schick daher. Es erinnert direkt an die Ästhetisierung eines Giallos, wie die Kamera Detailaufnahmen einer Bande inspiziert, die sich auf ein Attentat vorbereitet. Schwarze Lederhandschuhe und jede Menge Feuerwaffen sollen Instrumente für einen blutrünstigen Anschlag auf eine Bar werden, bei dem die Bande einfach alle Besucher niederstreckt. Was die gründliche Herangehensweise an einen Mord darstellt, bei dem das Opfer aufgrund einer Gesichtsoperation für die Schützen nicht erkennbar sein wird, gerät zu einem Stolperstein für einen Rancher, der sich genüßlich vollaufen lassen will, während sein Bruder einen Pferdeanhänger abliefert.

Mit aufgenommener Waffe steht der Arme doof da, als die Polizei anrückt. Persönliche Gründe sorgen dafür, daß sich das Mißverständnis nicht aus der Welt schaffen lässt. Leider rückt auf diese Weise nun auch die Spannung in den Hintergrund. Ist das Konstrukt nicht ohnehin schon fadenscheinig, so bietet Cobra Gang ein kitschiges Geflecht aus verrückten Familienverhältnissen, bei denen die eine Frau mit Kind unter dem Herzen bei einem anderen Mann unterkommt, als sie den Kindsvater für verschollen hält. Der Tochter hat das natürlich niemand erklärt und so ist weder ihre Beziehung erwünscht, noch können die unterschiedlichen Parteien friedlich miteinander auskommen.

Während sich die Mafia auch noch ihre Nebenplots sichert, begeistert Cobra Gang schließlich erst wieder durch einen spektakulären Gefängnisausbruch, bei dem die tollkühnen Almada Brüder noch einmal überspielen dürfen, daß sie an sich schon die eher gesetzteren Altstars sind. Dies bringt am Ende eine gewisse Behäbigkeit mit sich, wenn ein rotgetränkter Shootout für eine finale Klärung der Differenzen sorgen soll.
Da geht es schon beinhart zu, wie die erhärteten Fronten aufeinander treffen. Gewissermaßen ist es ja sogar positiv anzusehen, wenn diese Konflikte von einer Handlung gestützt ausgetragen werden und Cobra Gang auf diese Weise von dem Verdacht befreit wird, als schiere Exploitation zu funktionieren. Ob man das gelten lassen kann, muß wohl jeder selbst mit sich ausmachen. Es wird wohl doch einige Zeitgenossen geben, die nervös den Finger auf die Vorspultaste legen, um dem zum Himmel stinkenden Beziehungsgeplänkel zu entgehen.

Es mag die ansonsten ganz passable deutsche Synchro sein, die mit knurrigem Timbre erfreulich angenehm in den Ohren tönt, aber vielleicht die Inhalte des Streits nicht ausreichend zu vermitteln weiß. Wer sich in der Videothek diese Kassette gegriffen hat, wird tendenziell eher zum Ausspruch “Die Action muß stimmen!” geneigt sein, als daß er Wert auf eine geglückte Inszenierung von Familiendramen legt, die man spannender schon bei Fernsehformaten wie Verklag mich doch! erleben kann. Wenn es in Cobra Gang also doch nur darum ging, die Actionszenen zu verknüpfen, erklärt sich natürlich, warum auf eine komplexe Figurenzeichnung verzichtet worden ist. Niemand aber erklärt, warum diese Spielszenen dann den Hauptteil des Films ausmachen.

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