Nach Undisputed II schossen meine Erwartungen an Isaac Florentine und den überzeugenden "Russendarsteller" Scott Adkins enorm in die Höhe. Die Befürchtungen waren relativ hoch, dass der dritte Teil von der Qualität her nicht an den Vorgänger anknüpfen könnte. Glücklicherweise wurde ich eines Besseren belehrt!
Uri Boyka hat die Schmach nicht vergessen, die ihm im Ring von seinem Konkurrenten Iceman zugefügt wurde. Noch sind die Knochenbrüche nicht verheilt, noch muss er mit Putzeimer humpelnd durch die Gänge im Knast in Sibirien schlurfen: Hier zählt nur das Gesetz des Stärkeren – und Boyka ist das schwächste Glied in der Nahrungskette, umgeben von Killern und Vergewaltigern. Er hält den Ball flach. Bis in einem Turnier der beste Ultimate-Knastfighter der Welt ermittelt werden soll. Dem Sieger winkt die Freiheit. Während die Kampfmaschinen aus aller Herren Länder eingeflogen werden, trainiert Boyka mit übermenschlichem Willen. Nichts und niemand kann sich ihm in den Weg stellen: Seine Stunde ist gekommen. Gebrochene Körper sind garantiert.
Für die Story gibt es schon mal einen dicken Pluspunkt, denn anders als bei der Bloodsport-Reihe oder anderen Genrevertretern, baut dieser Teil auf seinem Vorgänger auf, knüpft also nahtlos an dessen Story an. Dieses Mal darf man die Kämpfe aus "Boyka"'s Blickwinkel betrachten, während im zweiten Teil wohl eher Michael Jai White die erste Geige spielen durfte. Es nicht unbedingt schlecht, dass sich Florentine hier darauf besonnen hat, den wortkargen Russen ins Rampenlicht zu stellen, ganz im Gegenteil, die Story aus dieser Sichtweise betrachten zu dürfen sorgt für Abwechslung und zeigt "Boyka" auch mal von seiner etwas "menschlicheren" Seite. Leider muss ich sagen, dass es mir hier irgendwie nicht hundertprozentig gefallen will, dass Adkins in seiner Performance mehr Menschlichkeit zeigt und gegen Ende sogar mal ein Lachen von der Stange lässt. So richtig passen will das nicht!
Dafür sind die Fights natürlich wieder in der ersten Liga anzusiedeln, wenngleich diesmal einige weniger durchtrainierte Typen, allen voran der überzogen wirkende Kolumbianer, der sich dauernd mit Drogen vollpumpt und wie ein Affe durch die Gegend hüpft, ran dürfen. Es ist ja nicht wirklich schlimm, wenn nicht jeder Kämpfer aussieht wie Adkins oder White im Vorgänger, aber wenn man schon in den Fortsetzungen bislang "Steigerungen" im Aussehen der Kämpfer (von Rhames zu Jai White; von Snipes zu Adkins) vorgenommen hat, sollte man im Prequel fortfahren. Ich weiß, dass Jai White anstelle von Rhames genommen wurde, aber dennoch ist die Auswahl der Kämpfer in Undisputed III eher grenzwertig.
Und auch hier hat Florentine wieder einmal den "Final Fight" mit besonders gut choreografierten Kampfszenen ausgestattet, in denen Adkins mächtig Gas geben darf. Wo die meisten der vorangegangenen Kämpfe in Undisputed III noch relativ mau ausgefallen sind, wird dem Zuschauer, welcher schon voller Vorfreude ist, ein Schmankerl auf dem Silbertablett serviert. Eine Steigerung des Endkampfes von Undisputed II ist deutlich erkennbar und sorgt für doppelten Spaß. Dennoch hätte ich mir hier einen ebenbürtigeren Gegner für "Boyka" gewünscht als diesen schmierigen, kolumbianischen Drogenfreak.
Über das Ende des Films, ich möchte hier nicht unnötig spoilern, lässt sich sicherlich streiten, denn wirklich gefallen oder passen tut es nicht - vor allem nicht zu einem "Uri Boyka"!
Nichtsdestotrotz kann das etwas fragwürdige Ende nicht darüber hinwegtäuschen, dass Florentine den Kampfsport-Fans genau das liefert, was sie von ihm erwarten, nämlich knüppelharte Hau-drauf-Action in schön dreckiger Umgebung. Eine Schippe drauflegen konnte er leider nicht, denn dafür sind einige der Kämpfe einfach zu unspektakulär und zu kurz ausgefallen. Das Finale entschädigt aber wieder für den einen oder anderen Fehltritt und lässt auf einen vierten Kracher hoffen! Zwar ein wenig schlechter als der Vorgänger, trotzdem ein mehr als gelungener Genrevertreter! Adkins hat sich somit (neben Michael Jai White) zu meinem Favoriten im Kampfsport-Genre gemausert. Bitte mehr davon, Herr Adkins!
8/10