Als leidlicher Kenner von Martial-Arts-B-Movies der 80er/90er bin ich immer von zwei Tatsachen ausgegangen:
- van Damme ist in Sachen Film-Martial-Arts (nichtasiatisch) das Mass aller Dinge (mit dem humorlosen Rossschwanz-Träger Seagal und seinem effizient-spröden Kampfstil wurd' ich nie richtig warm), und
- heutzutage werden solche Filme gar nicht mehr gedreht,
Mit dieser Annahme (und vielen Erinnerungen) liess es sich eigentlich ganz gut leben ...
... bis ich bei YouTube auf eine Kampfszene aus "Undisputed 2" (aus dem Jahre 2006) gestossen und auf die Welt gekommen bin, aber sowas von ...
Kampfstil Mixed Martial Arts, will heissen: alles erlaubt, wilde Schlägereien bis hin zu scheinbar schwerkraftloser Akrobatik (aber kein Slapstick), formal eine rasante Mischung aus Slow und Fast (!) Motion sowie mit pumpendem Hip-Hop-Soundtrack ... und schnell war mir klar, dass dagegen die Kämpfe aus den Klassikern wie Schulhofkloppereien wirken ...
Zudem wurde mit dem Antagonisten aus "Undisputed 2", dem russischen Knastchampion Boyka, gespielt von Scott Adkins, nicht weniger als eine neue Martial-Arts-Ikone geschaffen ("I'm the most complete fighter in the world!", fetten Russki-Azent bitte dazu denken..)
Wenig verwunderlich, dass dieser nun im 3. Teil zum Protagonisten und (Anti-)Helden aufgestiegen ist. Überraschend dagegen, dass dieser 3. Teil unter den Fans sogar noch einen leicht besseren Ruf als der Vorgänger geniesst (normalerweise ist bei Film-Reihen, v.a. im Direct-To-DVD-Bereich, die Qualität ja eher abnehmend.....)
In "Undisputed 3" muss sich Boyka nach seiner Bein-Verletzung aus dem letzten Teil im wahrsten Sinne des Wortes "zurückkämpfen" und nimmt im Gefängnis an einem internationalen Fight-Wettbewerb statt. Die "Mutter aller Kampfsport-Turnier-Filme", "Bloodsport", lässt natürlich grüssen ...
Der Film wirkt 'ne Spur trashiger/billiger als sein Vorgänger, was sicher auch auf die Absenz des respektablen B-Mimen Michael Jai White zurückzuführen ist (auch wenn dieser in Teil 2 nicht gerade den sympathischsten Charakter gespielt hat). Sein Ersatz als Alibi-Black-Man, der Vierkant-Schädel Mykel Shannon Jenkins als Boxer Turbo, ist zwar durchaus sympathisch, kommt aber über das Niveau eines durchschnittlichen Sidekicks nicht hinaus.
Da Boyka vorliegend im Mittelpunkt steht und ihm deutlich mehr Zeit gewidmet wird (sowie durch seine ihn schwächende Verletzung), wird sein Charakter zwangsläufig vielseitiger und auch menschlicher dargestellt, ist also nicht mehr die emotionslose und schier unbesiegbare Kampfmaschine, was einem gefallen mag oder nicht ...
Die Stärke des Films ist sicher die (grössere) Vielfalt der Kämpfer und Kampfstile. Allerdings schöpft er hier, wohl budgetbedingt, sein Potential nicht völlig aus. Zum einen sind die Kämpfe zwar weiterhin spektakulär, vermögen aber im Vergleich zum Vorgänger nicht NOCH eine Schippe draufzulegen (was aber auch schwer möglich gewesen wäre..)
Zum anderen werden zwar alle Kämpfe in voller Länge gezeigt (8 Fighter aus verschiedenen Nationen in einem K.O.-System), doch geht diese Begrenzung auch auf Kosten der Vielfalt und erreicht so nicht ganz das amüsant-trashige Jekami-Freak-Potpourri wie bei "Bloodsport". Zudem ist der mir bislang völlig unbekannte Chilene Marko Zaror in der Rolle des "Ober-Bösewichts" zwar durchaus ein fähiger Kämpfer, hat aber weder Ausstrahlung noch Eigenheiten, die ihn (in langer Tradition) zu einem wirklich memorablen Antagonisten (und würdigen Boyka-Gegner) machen würden.
Des Weiteren bekommt man natürlich die ganzen ausm Knastfilm-Genre bekannten Versatzstücke geliefert, rund um Steine Klopfen, Streitereien, Bestrafungen, etc., platziert im üblichen trostlosen Osteuropa-Setting (wobei das bei einer Knast-Szenerie ja keine schlechte Kulisse bildet..) sowie mit den üblichen unansehnlichen Einheimischen-Visagen (hier aber immerhin mit dem Pontius-Darsteller aus "Die Passion Christi" als Gefängnisdirektor - was'n Karriere-Verlauf ..!)
Fazit: Vielfältige Kämpfe in zeitgemäss-trashigem Osteuropa-Umfeld, diesmal mit der Kult-Figur Boyka im Zentrum des Geschehens. Nicht der ganz grosse nächste Wurf, aber eine würdige Fortsetzung der "Undisputed"-Reihe, etwas abwechslungs- und actionreicher als der Vorgänger, und zugleich ein spektakuläreres, aber weniger spassiges "Bloodsport"-Update.
Und "Undisputed 4" ist bereits angekündigt ...