Ich halte es für angebracht, den Film im Kontext seines Genres etwas näher zu betrachten. Wolfman ist ein Remake des Universal-Klassikers Der Wolfsmensch aus dem Jahre 1941. Heute gilt dieser Film als Klassiker, doch zum Zeitpunkt seiner Entstehung war die große Zeit des Universal-Horrorfilms bereits beendet. Die großen Erfolge feierte das Studio Anfang bis Mitte der 30er Jahre mit Filmen wie Frankenstein, Dracula, Der Unsichtbare oder Die Mumie. Der Nachzügler Der Wolfsmensch erreichte diese Klasse bei weitem nicht mehr. Der nächste bemerkswerte Beitrag in diesem Genre war die Hammerproduktion Der Fluch von Siniestro aus dem Jahre 1961, der meiner Ansicht nach der wahre Klassiker des Genre war und ist. Wiederum Jahre später entstanden in kurzer Abfolge Das Tier, Wolfen und American Werewolf, die mit den bis heute besten Tricks aufwarten konnten und zu den besten Filmen der Gattung gehören. Spektakulär waren die Tricks auch im mystisch-märchenhaft angehauchten Werk Die Zeit der Wölfe von 1984, wenngleich die Story mit dem Werwolfgenre nicht mehr viel gemein hatte. 1985 verirrte sich der Werwolf dann in die Werwolf-Highschoolkomödie Teen Wolf, die die Thematik von der humorvollen Seite betrachtete. 1986 versuchte man sich an der Stephen King Erzählung Der Werwolf von Tarker Mills, der aber nicht mehr als eine harmlose Spukgeschichte ohne nennenswerte Höhepunkte war. Allmählich wurde es ruhig um den Mythos Werwolf bis man sich 1994 seiner erinnerte und mit Wolf ein zwar ein prominent besetzter Werwolffilm entstand, der aber weniger Horror und mehr Drama und Romantik beinhaltete. Aus heutiger Sicht ein eher misslungener Versuch, das Genre wiederzubeleben. Nach einigen mehr oder minder mittelprächtigen weiteren Auflügen ins Genre wie etwa Ginger Snaps oder der Underworld Saga entstand 2005 mit Verflucht ein Tiefpunkt des Genre, der teilweise mehr an eine Seifenoper als an einen ernstzunehmenden Beitrag erinnerte. Und nun also Wolfman, der sich zumindest im ersten Drittel stark am Original von 1941 anlehnt. Der Film ist eine Reminiszenz an das alte Horrorkino und atmosphärisch durchaus gelungen. Hierin unterscheidet er sich auch fundamental von Knallchargen wie Van Helsing, die reine Effektorgien waren und keinerlei nostalgische Gefühle aufkommen ließen. Die Anlehnung an das Original ist aber zugleich Fluch und Segen des Films, denn er kann dem Genre absolut nichts Neues hinzufügen und so bleibt der Eindruck einer altbekannten Story, die durch einige Splattereffekte aufgefrischt wurde. Der Film ist relativ kurzweilig, mitunter auch recht spannend, sicherlich aber auch recht vorhersehbar. Benicio del Toro überzeugt, während die anderen Protagonisten mehr und minder auf Autopilot schalten. Der Höhepunkt der Films, der Zweikampf der beiden Protagonisten, dürfte nicht unbedingt als einer der erinnungswürdigen Momente des Films gelten und ist eher enttäuschend geraten. Die Bilder vom London des ausgehenden 19. Jahrhunderts sind hingegen ausgesprochen gut gelungen. Insgesamt ein ansehnlicher altmodischer Horrorfilm, der aber in den Genregrenzen sehr stark verhaftet bleibt und deshalb keinerlei Überraschungen bietet. Vielleicht hätte ein Tim Burton etwas mehr aus der Story herausholen können, wenn er den Film inszeniert hätte. 7/10