Routiniert - das beschreibt am ehesten, was mir Wolfman gezeigt hat. Mit all seinen positiven aber auch allen negativen Gewürzen.
Zunächst zum positivsten Gewürz: die visuelle Inszenierung
Der Film sieht gut aus - vor allem in den Außenszenen. Schön dunkel, viel Nebel, relativ wenig Farbe. Auch das Setdesign kann überzeugen. Die recht blutigen Effekte fand ich sehenswert und zum Genre passend. Auch die Szenen in London sind ansprechend inszeniert. Die Masken sind gelungen - eine Mischung aus Wolfsmensch und Werwolf - wobei ich die von Hopkins nicht so cool fand wie die von del Toro. Die Soundeffekte wirkten bedrohlich, vor allem das Knurren, weniger das Geheule, das war in An American Werewolf in London um einiges geiler. Insgesamt wirkt der Film wie eine moderne Auflage des alten Klassikers - nur schneller, blutiger und aufwändiger gestaltet.
Nun zu den weniger schmackhaften Gewürzen:
Routiniert bedeutet bei Wolfman aber leider auch ohne jede frische Idee. Das Drehbuch hat sich zu sehr auf die visuelle Inszenierung verlassen. So kam es mir jedenfalls vor. Keine Idee versucht das Genre zu variieren, zu erweitern oder zu verändern. Das muss zwar nicht sein, aber auch sonst bietet das Drehbuch zu wenig Futter. Die Dialoge sind recht flach, die Geschichte ist sehr vorhersehbar und die Figuren sind oberflächlich gezeichnet. Der eine leidet, der andere ist böse und die dritte versucht zu lieben. Fertig. Das Korsett der Charaktere und der Dramaturgie ist einfach zu eng geschnürt, was zum nächsten Problem führt: die Schauspielerei. Del Toro (der einen erfolgreichen Schauspieler mimt!!!) guckt immer gleich, Hopkins wirkt (wenn auch sehr schön arschlöschig) lustlos, Blunt zu sehr im Frauenmuster gefangen und Weaving darf als Inspector zu wenig seine Kunst einbringen. Dabei ist er der einzige Lichtblick im ganzen Ensemble. Auf der oben gelobten visuellen Inszenierung gibt es aber auch Schwächen: Die Verwandlungsszenen fand ich viel zu kurz. Zu häufig werden sie durch Schnitte unterbrochen. Da hätte Rick Baker (Effekte in An American Werewolf in London) sicher mehr rausholen können. Auch der Schnitt und die Kamera wirken wenig ambitioniert. Enttäuscht war ich vom Score. Danny Elfmann wirkt wie die meisten an diesem Film beteiligten unmotiviert. Wenn man genau hinhört, erkennt man leicht variierte Motive aus Bram Stoker's Dracula. Und Coppolas Film schien sowieso Pate gestanden zu haben für Wolfman. Irgendwie hatte ich den Eindruck, in del Toro den leidenden Dracula zu erkennen, der seine Geliebte nicht verdammen, sondern vor dem Monster in sich beschützen möchte. Blunt erinnerte zumindest optisch doch sehr stark an Winona Ryders Darstellung der Mina Harker. Am deutlichsten wird die Ähnlichkeit zu Bram Stoker's Dracula in der Schlussszene. Die scheint fast 1:1 aus Coppolas Film geklaut zu sein, sowohl was die Positionierung der Schauspieler als auch einige Kameraeinstellungen angeht.
Die Einfallslosigkeit zeigt sich auch darin, wie Lawrence als Mensch bemerkt, dass nach der Werwolfattacke etwas in ihm vorgeht: Ein paar Alpträume, ein komisches Geräusch und ein helles Licht im See/Fluss (?) - auweia. Am deutlichsten wird dies aber in der Szene, in der sich Vater und Sohn bekämpfen. Der Vater-Sohn-Konflikt wird fast völlig verschenkt. Papa Talbot erklärt, dass er als Biest leben und wohl auch sterben möchte, sein Sohn wehrt sich gegen die Verwandlung. Trotzdem wird der Vater-Sohn-Konflikt in einem Effektfeuerwerk zweier sich bekämpfender Wolfsmänner aufgelöst. Schade.
Und wie wenig Mühe sich die Macher gemacht haben, zeigt sich auch in einem doofen Logikfehler. In der Kinoversion fordert Gwen Lawrence per Brief auf, nachhause zu kommen, um seinen Bruder zu suchen. Im Director's Cut sucht sie Lawrence persönlich auf. In beiden Versionen entschuldigt sich Gwen später am See/Fluss bei Lawrence, den Brief geschrieben zu haben. Knurr.
Fazit: Trotz der reichhaltigen Schwächen und der doch eher wenigen Pluspunkte macht mir diese Version mehr Spaß als das Original. Die Bilder sind toller, der Film ist schneller und blutiger. Trotzdem bleibt am Ende ein relativ fader Aufguss, den man sich trotzdem gerne anschauen kann. Und es gibt Hoffnung: Denn am Ende wird Inspector Abberline vom Wolfman angefallen und verletzt. Und er hat den Stock mit dem Wolfskopf in der Hand und schaut zum Mond hoch. Wäre doch super, Hugo Weaving im nächsten Teil als Wolfman zu erleben.
5/10