Schwimmen zwei Leute im Meer, ist das Boot weg. Kommt ein Hai vorbei!
Soviel Plot muß sein.
Kann auch reichen.
Ich kenn noch einen: Sitzen drei Leute in der Nacht in einer Skiliftgondel auf halbem Weg den Berg hoch, dann ist Feierabend.
Kommt ein Wolfsrudel vorbei.
Och nee, den kenn ich schon...
Okay, nichts gegen eine flotte Blaupause eines anderen Films oder den tapferen Versuch, aus einer einzigen, scheinbar ausweglosen Situation das Maximum an Abgründigkeit und Spannung herauszukitzeln, aber wo andere pfiffig einen knackigen Thriller runterkurbeln, scheint Adam Green wieder mal nur seine begrenzte Filmkenntnis zu bemühen, um dieses Worst-Case-Szenario bis zur Lächerlichkeit mit immer neuen Verschlimmerungen zuzurotzen.
Green, der dem Slashergenre ja schon bemüht fröhlich den Gnadenstoß mittels seiner cineastischen Sumpfsuppe "Hatchet" geben wollte, ist wahrhaftig nicht gerade der Talentierteste seines Fachs, aber er hat eben eine Menge Kumpels und eine solide Freundschaft zu Ex-Jason Kane Hodder aufgebaut, so daß er seine Filme doch recht frisch und vor allem gerüchtereich zusammen geklöppelt bekommt.
Und ja, "Frozen" ist ein wenig besser als der (oder inzwischen die) "Hatchet"-Film(e), allerdings fehlt bis zur Suspensemeisterschaft noch ein gehöriges Stück. Vor allem wenn es ans Drehbuch geht.
Da gilt nämlich immer noch die alte Faustregel, daß du deinen Figuren, wenn du sie schon in eine relativ ausweglose Situation bringen willst, immer noch genügend scheinbare Möglichkeiten zur Flucht offen läßt, an denen sie dann scheitern oder die sich überraschend zerschlagen. Der zentrale Fehler, den du machen kannst, ist, zu wenig Möglichkeiten vorzuweisen, um 90 Minuten irgendwie voll zu bekommen.
Und damit sitzen wir auch schon im Loch oder noch besser in der zugigen Gondel, doch bis es soweit war, ist schon eine flotte halbe Stunde des Films um und diese 30 Minuten muß man dazu nutzen, unsere drei Charaktere kennenzulernen (zwei Kumpels und ein fesch Mädel), wie sie rumdiskutieren, ihre verflossenen Beziehungen rekapitulieren, Quark machen, eine holde Maid angraben (ohne daß das später noch einen Bezug zum Film hätte) und interessefrei versuchen, den Skiliftinstructor zu bestechen. Top Höhepunkt für einfallsreiche Drehbuchautoren ist dann noch die Diskussion über die schlimmsten Todesarten, die man sich vorstellen kann und da kommt doch tatsächlich einer mit einer Star-Wars-Referenz, der Grube des Sarlak. Höhöhöhö...
Und wenn man dann in luftiger Höhe sitzt und das Licht ausgeschaltet wird, dann geht die wilde Diskussion los, schön regelmäßig unterbrochen von Selbstvorwürfen, stillen Gebeten und Heulkrämpfen, Signore Hodder schaut mal im Schneepflug vorbei, woraufhin man sich deppert vieler eventueller Hilfsmittel erledigt, der Gefrierbrand setzt den jungen Leuten zu, die natürlich schon ihrer Skibrillen und Handschuhe verlustig gegangen sind und dann hüppt der Erste aus der Gondel, um sich übelst die Gräten zu zerschellen, worauf natürlich binnen Sekunden ein hungriges Wolfsrudel aus dem nahen Tann stürmt.
Heißt auf deutsch: alle benehmen sich so enorm dämlich und unproduktiv, daß das Publikum diese Stapelung an Unwahrscheinlichkeiten (keiner hat ein Handy, die Skipiste ist in der Woche geschlossen und macht erst in fünf Tagen wieder auf) nur mit hämischem Gelächter reagieren darf.
Natürlich passiert dann in der Folge noch so einiges und manches davon ist auch wirklich gut gelungen oder gibt einem einen gewissen bedenklichen Kick (vor allem, wenn nächtens die Hand an der Sicherheitsstange anfriert), aber zwischendurch herrscht immer viel Diskussionsbedarf und die Siechidylle zweier lustiger Gefrierbeutel in luftiger Höhe.
Der Film ist, sofern es den nicht zu anspruchsvollen Genrefan betrifft, recht linear erzählt, abgesehen von den vielen abgründigen Einfällen durchaus nicht unrealistisch und manchmal ausgezeichnet grimmig, wobei auch nicht mit physischem Einsatz (Blut, Matsch) gespart wird. Technisch ist er sogar ganz ausgezeichnet gemacht, wäre da nicht, vor allem in der ersten Hälfte soviel unnützer und langweiliger Leerlauf rund um Figuren, bei denen uns eh nur der Überlebenskampf und nicht die Vorgeschichte interessiert. Irgendwann ist dann auch mal Schluß und einen Kommentar zum Geschehen erspart man uns wohl, weil einfach keiner da war (denn die Leutz waren weißgott keine Arschlöcher, die es verdient hätten zu sterben), doch auch wenn bei Mr.Green ein Qualitätsanspruch festzustellen ist und "Frozen" bei Freaks durchaus gute Videothekenchancen hat, ist das nur ein weiterer, von der Ausgangssituation abgesehen, abgenutzter Klischeehaufen voller nervender Elemente.
Da muß der "Frostbite" noch deutlich reifen. (4/10)