"Eiskalter Kaffee"
Mit dem letzen Sessel nochmals nach oben fahren um die Piste ganz für sich allein zu haben, ist der Traum vieler Hobbyskifahrer. Für die drei Freunde Joe, Dan und Parker geht der Wunsch nach kurzem Betteln beim Liftpersonal in Erfüllung, zumindest bis zu dem Punkt an dem sie plötzlich in schwindelerregender Höhe stehen bleiben. Als sich auch nach einer halbe Stunde nichts bewegt und keine Menschenseele auf der verlassenen Piste blicken lässt, beginnt sich der alpine Traum zum frostigen Albtraum zu wenden ...
Regisseur Adam Green schafft es mit wenigen Pinselstrichen eine Situation zu erschaffen, die nahe genug an der vorstellbaren Realität ist, um zumindest ein flaues Gefühl in der Magengegend zu erzeugen. Zugegeben, ganz so ausgefallen und clever wie es den Anschein hat, ist diese Ausgangssituation nicht. Im Thriller- und/oder Horror-Genre ist die Einöde, Wildnis bzw. generell irgendein menschenverlassener Ort ein gängiges und häufig kolportiertes Motiv des Spannungsaufbaus. Der vermeintlich friedliche Schnee ist dabei besonders wirksam, schließlich sind zugeschneite Gebiete nur schwer zugänglich und stellen bereits durch einen potentiellen Erfrierungstod eine enorme Bedrohung dar.
Dass Green es trotz dieser bewährten Zutaten dennoch gelingt seine filmische Suppe ordentlich zu versalzen, spricht nicht gerade für seine inszenatorischen Fähigkeiten. Frozen ist ein überraschend spannungsarmer Horrorthriller, der Genre-untypisch geschwätzig daherkommt und trotz seiner kurzen Laufzeit von knapp 90 Minuten phasenweise regelrecht einschläfernde Wirkung zeigt. Dabei kann die Kameraarbeit durchaus überzeugen. Sowohl die Szenen in dem zur Todesfalle mutierenden Sessellift, wie auch die Aufnahmen der verlassenen Berglandschaft zeugen von handwerklichem Geschick und Gespür für Atmosphäre. Schade drum.
Das Problem ist in erster Linie - wie so häufig - im zugrundeliegenden Skript zu suchen. Die erschreckende Ideenarmut des Drehbuchs bringt die ohnehin nicht gerade komplexe Handlung an einigen Stellen zum vollständigen Stillstand.
Schon die erste halbe Stunde beschäftigt sich lediglich mit der Einführung der drei Unglücksraben und fördert dabei wenig Interessantes geschweige den Relevantes zu Tage. Als die drei (aus Zuschauersicht) endlich im Lift stecken bleiben haben wir lediglich erfahren, dass die beiden alten Schulfreunde Joe und Dan sich streiten, weil einer es gewagt hat, seine neue Freundin (Parker) auf den etablierten Männertrip einzuladen. Dass dieses zwischenmenschliche Konfliktpotential im weiteren Handlungsverlauf völlig ungenützt verpufft, ist eine der größten Planlosigkeiten des Autors und macht die damit völlig verschenkten ersten 30 Minuten noch ärgerlicher.
Aber auch nach dem eigentlichen Filmbeginn wird es nicht viel besser. Außer dem im Resultat vorhersehbaren Ausstieg eines der drei aus der eisigen Sesselfalle sowie einem Rudel wilder Wölfe, hat die immerhin noch eine knappe Stunde währende Geschichte keinerlei Höhepunkte oder gar überraschende Entwicklungen zu bieten. Die Zeit wird vielmehr mit völlig belanglosen Dialogen zwischen dem sitzen gebliebenen Duo vergeudet, anstatt das Potential der verfahrenen Situation in irgendeiner Form zu nutzen.
Bei so viel dramaturgischem Leerlauf vermögen es auch die ein zwei moderat eingestreuten Splatterszenen nicht mehr, den malträtierten Zuschauer aus dem Winterschlaf zu reißen. Lediglich gegen Ende kommt etwas Bewegung in die Handlung und damit zumindest ansatzweise ein wenig Spannung auf. Zu diesem Zeitpunkt hat aber selbst der wohlwollendste Genrefreund vermutlich längst abgeschaltet, sei es geistig, oder wörtlich, in dem er seinen Player bereits von dem drögen Silberling erlöst hat.
Am Ende bleibt ein handwerklich solider, dramaturgisch und plottechnisch allerdings erschreckend schwacher Genrebeitrag, der weder das Etikett „Horror", noch die Bezeichnung „Thriller" verdient. Langweilig, geschwätzig, vorhersehbar und letztlich gänzlich überflüssig, ist Frozen einer dieser Filme, bei denen man sich wünscht, sie im Regal seiner Stammvideothek übersehen zu haben.