Review

Survival-Filme oder besser gesagt, "Wie-komme-ich-in-diese-bescheuerte-Situation?Und-wie-komm-ich-da-wieder-lebend-raus"-Filme gibt es ja nicht viele, der mit wenig Budget gedrehte "Open Water" dürfte jedem im Gedächtnis hängen geblieben sein. Regisseur Adam Green, der mir schon mal mächtig einen Abend versaute mit seinem strunzdoofen "Hatchet 2" wagt sich nun an dieses Thema an und siedelt es auf eine Ski-Piste um. Besser gesagt auf den Lift, der in der Nacht mitten in der Walachei hängenbleibt.

Green lässt sich erstmal mächtig Zeit, seine drei Charaktere vorzustellen: Das Pärchen Dan (Kevin Zegers) und Parker (Emma Bell) und Dan´s bester Freund Joe (Shawn Ashmore), die sich mal wieder einen Snowboard-Tag auf dem Berg gönnen. Ja, ihr habt richtig gelesen - die Schnalle heißt Parker, und Regisseur Green vermittelt in der ersten halben Stunde nicht viel, außer dass Dan und Joe sich seit der Kindheit kennen, Dan über seine Freundin gerne Witze über ihren Namen macht, dass Parker anstatt zu Snowboarden lieber auf den Arsch fällt und den obligatorischen Stillstand des Liftes während des Tages...
Der Puls geht schon hoch, ach nee, das kann ja nicht sein, da ja der ganze Lift voller Leute ist.
Zusammengefasst: Das Intro hätte man um etwa die Hälfte der Laufzeit straffen können.
Trotzdem wollen unsere drei Li-La-Laune-Bärchen  in der Dunkelheit kurz vor Schluss nocheinmal hochfahren und die Abfahrt genießen. Und da beginnt das Verhängnis.

Abgesehen davon auf welche (idiotische)  Art und Weise der "Aus-Schalter" des Liftes betätigt wird, hängen alle drei mitten in der Pampas fest.

Da wird der Zuschauer endlich wach. Aber man denkt sich schon selber: Was gibt es für große Möglichkeiten? Runterspringen, über das Seil klettern? Immerhin ist es Sonntag und der Betrieb öffnet erst  fünf Tage später wieder am nächsten Wochenende.

Ja, und genau das ist ein Teil, bei dem es bei "Frozen" krankt. Adam Green juckt es nicht die Bohne der Geschichte mehr Möglichkeiten und Handlungsfreiraum zu lassen, als die Ideen, die einem zuerst ins Hirn schießen - und scheinbar auch die einzigen bleiben. Das einzige, was hier noch interessant erscheint, ist, dass die Natur und ihre Lebewesen dem Trio ein Strich durch die Rechnung machen wollen.
So aufgeblustert der Anfang, so zäh zieht sich auch die Stunde des Überlebens: Anstatt zu handeln wird hier gequakt wie auf ´nem Schülertreffen nach zwanzigjährigem Wiedersehen - gemischt mit Dialogen, die auch bei den Anonymen stattfinden dürften. Frostbeulen bekommen die Guten auch, aber wen wundert es? Schließlich zieht man es vor, den Parker nur soweit hochzuziehen, dass man wenigstens noch den Ausschnitt der Schnippse sieht, anstatt mal den Reißverschluss bis zum Anschlag zu treiben (Das ist so ein typischer Parker den man präparieren kann, dass man ungefähr so ne Sicht wie ein Ninja hat).

Naja, außer den Lalala-Dialogen und den Aussetzern im Hirn bietet "Frozen" zwischendurch wirklich gelunge Kost von der Stange, dass man zumindest mal nicht von einem Totalausfall reden kann. Die Kamera fängt nette Szenen ein und hier und da schmerzt es schon ganz deftig beim Zusehen (Wer kennt es nicht? Im Winter mit der Zunge an einer Eisenstange lecken?).
Auch minimalistische Splatter-Szenen und kleine (ganz kleine) Spannungsbögen hindern den Zuschauer beim Einschlafen.


Zum Leihen in der Theke kann man ihn gebrauchen, für mehr aber auch nicht. Einmal Ansehen, danach schön heiß baden und die Haare föhnen und den Artikel wieder mit Knurrem im Gesicht zurück in die Videothek bringen.

4/10

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