Genauso geht´s. PM Entertainment bringt mit "Night of Terror" einen echten Kracher im B-Actiongenre auf den Markt. Joseph Merhi ist in der Regie doch sichtlich talentierter als Produzent und Mitinhaber Richard Pepin. Nach "Speed Rage" ist dies die Zweite und richtig gute Zusammenarbeit zwischen Hauptdarsteller Gary Daniels und der Actionschmiede PM. Ich will nicht zu weit vorgreifen, doch mit noch ein bisschen mehr Budget hätte man durchaus einen Kinofilm daraus machen. Hier ist es kein Wunder warum sich das reiche Videolabel Warner für den Actionfilm interessierte. Neben der ungekürzten und indizierten Fassung, wurde auch eine stark gekürzte FSK 16 Fassung veröffentlicht. Langsam wäre es aber mal Zeit für eine DVD, denn dieser Streifen würde gut in jede Actionsammlung passen.
Gerade an Weihnachten brechen in Los Angeles starke Rassenunruhen aus. Genau in diese blutigen Konflikte gerät Anna Lisa Gray (Paige Rowland), die Tochter des britischen Botschafters. Bald erhält der Botschafter eine erste Lösegeldforderung. Sofort ruft er seinen besten Agenten, Shane Alcott (Gary Daniels), zu sich. Alcott soll das Lösegeld mitten in der Konfliktzone abliefern und zwar alleine und unbewaffnet. Sein bester Kumpel und Partner Williams (Sugar Ray Leonard) setzt ihn mit dem Hubschrauber über dem Krisengebiet ab. Schon bald muss sich Alcott zahlreicher Angriffe erwehren, zudem steckt hinter der Entführung wesentlich mehr, als zuerst vermutet. Drahtzieher der ganzen Aktion ist nämlich ein alter Bekannter (Patrick Kilpatrick) von Alcott. Der will sich an ihm rächen und bald hat Alcott eine ganze Armee am Hals. Mit Anna versucht er aus der gefährlichen Zone zu entkommen.
PM präsentiert uns hier mal ein völlig anderes Szenario. Es herrschen Rassenunruhen, gar Kriege in den Strassen von Los Angeles. Die Kulisse sieht dementsprechend wüst aus. Überall sind Feuer, massenhaft Explosionen, kaputte Autos, angeschlagene Häuser, es sieht wirklich wie auf dem Schlachtfeld aus. Hätte man hier noch ein bisschen mehr Budget gehabt, wäre der Look wirklich perfekt gewesen. Es sind kleinere Fopas enthalten, zum Beispiel der brennende Helikopter. Man sieht deutlich die CGI Flammen und auch ein paar Flugszenen wirken unecht, aber bei weitem nicht alle. An manchen Orten sieht es dann wieder zu aufgeräumt und ordentlich aus, obwohl dort die Kämpfe getobt haben. Daher hat man eine Actionszene kurzerhand auf den Schrotplatz verlegt, um das Flair zu wahren. Trotzdem bleibt die Kulisse für ein B-Movie sehr originell und sieht zudem recht real aus. Der Score von Jim Halfpenny hat viel Abwechslung zu bieten und untermalt die Ruhigeren, sowie actionreichen Momente sehr gut.
Die Story ist mal wieder etwas flach geraten, reicht aber aus um die zahlreichen Actionszenen gut miteinander zu verbinden. Aber man hätte auch Szenen streichen können, zum Beispiel den Anfang mit dem spontanen Babysitting, doch damit will man dem Held mal wieder eine sehr menschliche Seite abgewinnen. Auch die obligatorische Lovestory ist gegeben. Alcott hatte nämlich einmal eine geheime Romanze mit der Tochter des britischen Botschafters laufen, vielleicht wäre es peppiger geworden, wenn sich die Beiden während der Flucht erst kennengelernt hätten. Aber beide Varianten entsprechen nur den gängigen Klischees. Immerhin wartet Merhi doch noch mit ein paar Überraschungen auf. Zuerst denkt man eine Bande würde hinter der Entführung stecken, doch dem ist nicht so. Auch das wahre Motiv der Übeltäter, ist außer Rache, noch ein Anderes. Überraschend fällt auch der Spannungpegel aus. Hochspannung sollte man hier nicht erwarten, Jeder von uns weiss wie es ausgeht. Aber auch sympatische Charaktere werden geopfert.
Über die Action gibt es nichts zu meckern. Die Menge und Verteilung geht in Ordnung und ganz besonders die Qualität ist sehr hoch. Daniels muss sich hier im Minutentakt mit ganzen Gegnerhorden prügeln und dabei sein ganzes Können an den Tag legen, um die Duelle zu bestehen. Seine Kicks, Moves und Kampfkombinationen sind dabei vom Feinsten und wissen jedem Actionfan zu gefallen. In ganzen Dutzenden werden die Jäger hier abgefertigt. In etwas geringerer Anzahl sind die Shootouts vorhanden, welche auch sehr spektakulär inszeniert sind. Man ballert beidhändig durch die Gegend, viele blutige Einschüsse sind vorhanden, obendrauf hat Merhi das Ganze noch mit Zeitlupen versehen. Er ist zwar kein John Woo, aber seine Inszenierung lässt hier auch keine Wünsche offen, genauso wie die Stuntkoordination von Spiro Rozatos. Ganz besonders die Motorradstunts sind vom Feinsten. Wenn Daniels die Biker von den Mühlen kickt und die dann noch brutal gegen eine Wand, Auto, oder durch eine Glasscheibe preschen, dann hat das schon Anschauungswert. Die Explosionen sind handgemacht und oft bildschirmfüllend, nur bei der Zerstörung des Hubis hat man ein bisschen mit dem Computer nachgeholfen, was aber mit den sehr billigen CGI Effekten der heutigen B-Actionmovies nicht zu vergleichen ist, denn es sieht immer noch wesentlich hochwertiger aus.
Vielleicht könnte man noch aussetzen, dass der Fiesling am Schluss zu schnell und einfach ins Gras beisst, aber selbst beim Finale im Parkhaus ist noch gute Action angesagt.
Das Stichwort "gut" trifft auch auf die Darsteller zu, obwohl man Garay Daniels hier bestimmt nicht wegen seiner Mimik oder Gestik mag, sondern wegen seines Könnens in den Actionszenen. Dagegen sieht Sugar Ray Leonard doch erheblich blasser aus, wobei er immer noch ein Sympathieträger ist. Wen ich immer gerne als Schurke sehe, ist Patrick Kilpatrick. Er machte schon vielen Helden das Leben schwer. Hier verkörpert er auch wieder einen gnadenlosen Fiesling. CHarles Napier hat noch eine Nebenrolle als Deveney erhalten.
B-Action wie ich sie mag. Rasant, explosiv, brutal und mit vielen Nahkämpfen versehen. Dank der originellen Kulisse kann man über die zu übersichtliche Story hinweg sehen. Für Actionliebhaber wie mich ein Muss.