"You and me, Nobody baby but you and me."
- Penny and The Quarters
Wie kann man Blue Valentine wohl am besten beschreiben?! Ich denke "erschreckend eiskalt realistisch und emotionslos" trifft es am besten.
Das mag auf den ersten Blick abschreckend und nicht gerade empfehlenswert wirken, ist es aber nicht.
Mein Interesse an dem Film wurde durch Hauptdarstellerin Michelle Williams geweckt. Ich habe mir im Vorfeld zahlreiche Interviews mit den Darstellern und dem Regisseur angesehen und war fasziniert von der Entstehungsgeschichte. Auch die Tatsache, dass die beiden Hauptdarsteller einen Monat zusammen in einer Wohnung gewohnt haben um eine emotionale Grundlage zueinander zu bekommen ist äußerst interessant.
So bin ich mit hohen Erwartungen an den Film herangegangen und habe eigentlich einen sehr emotionalen und (für den Zuschauer) tränenreichen Film erwartet. Nichts davon habe ich bekommen... aber das ist auch nicht schlimm, da dass was ich bekam ebenso gut und vielleicht sogar noch besser war!
Die Geschichte wechselt zwischen Gegenwart, in der Cindy und Dean mit den alltäglichen Problemen zu kämpfen haben, und der Vergangenheit bzw. der Kennenlern-Geschichte der Beiden. Die Wechsel sind nahtlos, so dass man in manchen Situationen erst kurz überlegen muss in welcher Zeit man sich gerade befindet. Dies dürfte allerdings so gewollt sein, da die jeweiligen Gegenstücke auch immer so gut aufeinander abgestimmt sind, dass sich ein schöner Fluss den ganzen Film hindurch ergibt.
Wie schon erwähnt bin ich ursprünglich von viel Emotionen ausgegangen, die zwar schon vorhanden sind, sich aber nicht vollends entfalten, da einem zu den Höhen bzw. Tiefen der Beziehung immer ein passendes Gegenstück serviert wird, was einen sofort wieder in eine andere Richtung katapultiert.
Ich hatte die meiste Zeit während des Films ein eher "kaltes" Gefühl, was ebenfalls so gewollt sein dürfte, da sich dadurch die Stimmung der erkalteten emotionslosen Beziehung von Cindy und Dean auf den Zuschauer überträgt und man so wie auch die Charaktere in der Situation gefangen ist. Die Erinnerungen an die gemeinsame schöne Zeit der Hauptcharaktere lässt einen mit den Figuren in der Vergangenheit schwelgen, jedoch hat man als Zuschauer genauso wie Cindy und Dean das Hintergrundwissen, dass im Moment eben einfach gar nichts in Ordnung ist! Selten ist man mit den Charakteren eines Films so auf einer Wellenlänge und in der Situation, wie in diesem Fall. Hier vollbringt Regisseur Derek Cianfrance meiner Meinung nach eine Meisterleistung!
Die beiden Hauptdarsteller machen ebenfalls einen hervorragenden Job. Die Oscarnominierung für Michelle Williams als beste Hauptdarstellerin ist definitiv gerechtfertigt, wobei auch Ryan Gosling mit einer Nominierung hätte geehrt werden sollen. Da ich den Film leider nur auf deutsch sehen konnte bin ich schon sehr auf die Heimkinoauswertung gespannt, die meinen Eindruck sicherlich noch verstärken wird.
Einleitend habe ich bereits erwähnt, dass die Darsteller vor den Dreharbeiten für die Szenen der Gegenwart einen Monat zusammen in einer Wohnung gelebt haben, um eine bessere Grundlage für die im Film verstrichenen Jahre zu bekommen. Ich denke dass diese Erfahrung für die Dreharbeiten enorm wichtig war, da es im Verlauf des Films so einige Szenen gibt, die schon beim Zusehen unangenehm sind... da will ich gar nicht wissen wie das bei den Dreharbeiten war.
Die Makeup-Abteilung hat im Fall von Ryan Gosling auch ganze Arbeit geleistet. In der Vergangenheit jugendlich frisch, ist er in der Gegenwart realistisch gealtert mit weit nach hinten verschobenem Haaransatz. Ist zwar nur eine Kleinigkeit, macht den Film allerdings umso glaubhafter.
Die Musik von Grizzly Bear ist passend, hält sich aber meistens doch eher im Hintergrund, was für den Film vermutlich auch das Beste ist. Für den Zuschauer treten eher die musikalischen Beiträge in den Vordergrund, die direkt mit der Beziehung von Cindy und Dean zu tun haben, wie zum Beispiel das schön schräg von Ryan Gosling zum Besten gegebene "You always hurt the ones you love" oder das Liebesthema "You and me" von Penny & the Quarters.
Zusammenfassend ist der Film einfach angenehm "unangenehm realistisch". Hier wird nicht wie in den üblichen Hollywood Produktionen mit Kitsch um sich geworfen, sondern das Leben so gezeigt, wie es manchmal eben leider ist. Im Realismus der Emotionslosigkeit der beiden Charaktere zueinander befindet sich eine Anziehungskraft dem Zuschauer gegenüber, die mir in der Form noch nicht untergekommen ist. Das hier kein typisches Hollywood Happy End zu erwarten ist verrät keinesfalls zu viel und alles Andere würde dem Film auch nicht gerecht werden.
Der Film ist eine ganz klare Empfehlung für alle, die nicht nur an den gängigen Hollywood Liebesgeschichten interessiert sind, sondern auch hin und wieder schonungslos den Spiegel der Realität vorgehalten bekommen wollen.
Der Film ist in dem was er erreichen und zeigen will perfekt.
10 von 10