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Wieder ein überaus interessanter Thriller aus Frankreich.
Der Industrielle Stanislas Graff (Yvan Attal, "The Snake"/"Le Serpent") ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied einer größeren Firma, ist verheiratet und hat zwei Töchter, geht schon mal fremd und ist auch im Spielcasino kein Unbekannter. Derart wohlhabend ist er natürlich ein geeignetes Angriffsziel für eine Entführung, diese folgt dann auch nach wenigen Minuten, so dass man in der kurzen Einführungszeit relativ wenig  über den Entführten erfahren konnte.
Die Entführer fordern 50 Millionen, zwingen Stanislas einen emotionalen Brief an seine Frau zu verfassen und legen, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, einen abgeschnittenen Finger des Entführten der Lösegeldforderung bei. Da die Firma nicht bereit ist, das Lösegeld aus dem Firmenvermögen zu bezahlen, ist die Familie gezwungen, die Forderung aus dem Privatvermögen aufzubringen, welches jedoch überraschenderweise nicht mehr als 20 Millionen beträgt. Ein Vergleichsangebot an die Entführer wird von diesen abgelehnt, woraufhin die Firma bereit ist, das Geld leihweise vorzustrecken. Eine Lösegeldübergabe scheitert jedoch mehrmals durch eigenmächtiges Eingreifen des Polizeiapparates. Zeitgleich werden immer mehr skandalöse Enthüllungen über den Entführten in der Presse breitgetreten und je länger die Entführung andauert, desto mehr hat man den Eindruck, dass es allen Beteiligten in der „Außenwelt“ am liebsten wäre, der Entführte würde niemals zurückkommen.
Hat Stanislas tatsächlich soviele Spielschulden, wie ihm unterstellt wird? Geht es um eine feindliche Firmenübernahme? Hat der Entführte womöglich die eigene Entführung vorgetäuscht um seine Spielschulden begleichen zu können? Alles Möglichkeiten, die einem im Laufe des Films in den Sinn kommen. Das Ganze mündet in einer Auflösung, die einerseits unglaublicher nicht sein könnte, auf der anderen Seite dermaßen unspektakulär dargeboten wird, dass einem erst beim Abspann die gesamte Tragweite der Ereignisse klar wird. Schwärzer geht’s nimmer!
Fazit: Hervorragendes Thriller-Drama, welches eine Entführung und deren Folgen nüchtern und analytisch seziert, viel über menschliches (Fehl-)Verhalten und die Macht der Medien erzählt und gleichzeitig knallhartes Unternehmertum portraitiert, wo ganz klar finanzielle Interessen über menschliches Leben gestellt werden. Erschreckend und ernüchternd. 9/10 

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