Der Vorstandsvorsitzende eines grossen französischen Konzerns mit mehr als 150000 Mitarbeitern und Familienvater Stanislas Graff (Yvan Attall, "The Snake") wird am hellichten Tag entführt und seine brutalen Entführer fordern 50 Millionen Euro Lösegeld. Dies wird dadurch untermauert, dass ein Brief mit seinem Finger an seine Frau geschickt wird. Die Polizei wird eingeschaltet und es beginnt einen nervenzerreibendes Spiel um mehrere Lösegeldübergaben und das Leben des Gefangenen.
Wir haben es hier mit einem exzellenten französichen Thriller zu tun, sehr hochwertige schauspielerische Leistungen gepaart mit einer guten Story erzeugen so ein sehr dichtes Drama dass einen packt und aufwühlt. Dabei ist das Ganze so realistisch gestaltet, so nachvollziehbar, dass es schon fast dokumentarisch wirkt. Insbesondere die Szenen mit den Entführern wirken so echt, dass man sich stets die Frage stellt wie man sich selbst in der Situation verhalten hätte.
Es folgen mehrere sehr clevere Lösegeldübergabeversuche die stets durch die Polizei "vermasselt" werden. Die Entführer gehen hierbei sehr professionell vor und stets denkt man dass die letzte Stunde des Entführten geschlagen hat. Ohne Details der Story verraten zu wollen fängt allerdings das eigentliche persönliche Drama nach Entlassung des Entführten in die Freiheit an. Sehr gefühlsarm von den gegenseitigen Emotionen her wird er in die Familie wieder aufgenommen. Man geht mit dem gegenseitigen Schmerz nicht offen um und so kommt es gleich zu grossen Spannungen. Gelöst wirkt er nur wenn er mit seinem Hund zusammen ist.
Sehr geschickt werden viele Fragen in bezug auf die übergeordneten Motive in den Raum gestellt und offen gelassen: War die Entführung gestellt um seine Schulden durch die Firma begleichen zu lassen ? Oder steckt die Firma dahinter die ihn wegen seiner privaten Skandale loswerden wollte ? Oder war es seine systematisch betrogene und tief gekränkte Frau ? Hat der Entführte am Ende eben selbst die Entführung inszeniert ? Dafür spricht, dass er indirekt mit den Entführern kooperiert indem er auch nicht in geringster Weise über einen Fluchtversuch nachdenkt oder sich entsprechend verhält. Fragen über Fragen, der Film lässt sie am Ende in starker Weise offen. Man ertappt sich dabei wie man nach Ausgang des Films mit den Mitsehern noch alle Varianten der Story am nächsten Tag durchdiskutiert, also ein gutes Zeichen für eine packende und gute Story.
Trotzdem hat der Film mit seinen 125 Minuten ein oder zwei Längen und man fragt sich warum die ein oder andere Storyschleife von Nöten ist. Ein bisschen mehr Verbindlichkeit bei der Auflösung der Story hätte man sich schon gewünscht. Das ganze soll nicht abwertend gemeint sein, es bedingt jedoch den Griff nur zur einer sehr guten und nicht einer Höchstnote. Deshalb vergebe ich eine sehr starke 7/10 mit einer klaren Tendenz zur 8/10. Prädikat: ABSOLUT SEHENSWERT !