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Mit "Percy Jackon - Diebe im Olymp" startet dieser Tage ein weiterer Film der nach einem Jugendroman mit phantastischen Elementen angelegt ist.
20th Century Fox wünscht sich wohl ihre eigene komerziell nutzbare Filmreihe, die in Richtung Warners Harry Potter abzielt.
Diesen Eindruck bekommt man nicht nur dadurch, dass mit Chris Columbus der Regiesseur der ersten beiden Potter Filme verpflichtet wurde, auch die Vorlage von Rick Riordan ist ein Jugendbuch (von dem inzwischen der 5. Band erschienen ist), das versucht antike Mythologie mit unserer Moderne zu verknüpfen.
In diesem Fall handelt es sich um die altgriechische Sagen- und Götterwelt, mit Zeus, Poseidon, der Unterwelt, der Hydra und anderen Wesen, die hier nutzbar gemacht wurde.

Handlung:
Percy Jackson ist ein normaler Teenager, der in New York die Schule besucht, und sich mit den üblichen Problemen der Pubertät herumschlägt. Ganz normal ist er alledings doch nicht, da er unter Legasthenie und einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung leidet, im Gegenzug jedoch auch länger unter Wasser bleiben kann als alle Mitschüler.
Da sich Probleme im Olymp zusammenbrauen, weil jemand Göttervater Zeus seinen Herrscherblitz gestohlen hat (was in Wolken mit Donner aber ohne Blitze resultiert), bekommt auch Percy bald zu spüren das viele Menschen um ihn herum nicht das sind was sie zu sein scheinen.
Nachdem der verwirrte Junge von einer Furie (getarnt als Aushilfsleherin) attakiert und von seinem besten Freund Grover sowie ihrem an den Rollstuhl gebundenen Lehrer (Pierce Brosnan) gerettet wurde, offenbart sich sein Leben als weit weniger langweilig, da sich Grover nicht nur als Satyr (ja, seine untere Hälfte ist Ziege) zu erkennen gibt, sondern Percy auch als Halbgott outet.
Ohne grossartige Erklärung lässt sich Percy von seiner Mutter und Grover nun in ein Auto verfrachten, welches die 3 schnellstmöglich raus aus New York bringen soll.
Als der Wagen dann von einem vier Meter grossen Minotaurus gerammt wird, erkennt nicht nur Percy das die ganze Geschichte gefährlicher ist, als angenommen.
Nachdem sich Percy, seine Mutter und Grover aus dem zerbeulten Autowrack gekämpft haben, erreichen sie auch schon das "Camp Half-Blood", in dem alle angehenden Helden und Halbgötter ihre Kräfte erproben und für ihren Lebenssinn trainieren können. Leider ist es Menschen untersagt dort einzutreten, was auch relativ gut durch eine Art unsichtbarem Feld in die Tat umgesetzt wird, was dazu führt das Percy´s Mutter nicht Zuflucht finden kann, und sich in den Fängen des Minotaurus in Glitzerstaub auflöst. Geschockt und verärgert über diese Wandlung, schnappt sich Percy den Kugelschreiber (der sich wunderbar in ein Schwert transformieren kann), den er von seinem Lehrer als Waffe bekommen hat, und erdolcht den Minotaurus.
Als er endlich das Camp der Tennie-Halbgötter betritt wird er auch schon von seinem ehemaligen Lehrer Chiron (immer noch Pierce Brosnan, nun jedoch mit dem Unterkörper eines Pferds = Zentaur) empfangen, der ihn erklärt warum die halbe Götterwelt hinter ihm her ist: Da durch unerklärliche Gesetzte kein Gott einem anderen etwas stehlen kann, kommen für den Diebstahl an Zeus mächtigster Waffe nur Halbgötter in Frage, und auf der Liste der Verdächtigen steht Percy Jackson auf Platz 1.
Weil Percy so entschlossen wie mutig ist (und seien wir ehrlich auch nichts besseres zu tun hat) macht er sich auf den Weg den wahren Dieb zu finden und den Herrscherblitz zurückzubringen.
Damit der arme Junge nicht ganz allein ist, und die Reise für den Zuschauer auch interessanter wird, begleiten ihn Grover und Annabeth Chase (ebenfalls Halbgöttin und Tocher der Athene).
Und weil die Spur in Richtung Hades führt machen die 3 sich auf einen Weg in Richtung Unterwelt zu finden...

Kritik:
Erst einmal muss man bei "Percy Jackson - Diebe im Olymp" (übrigens eine saudämliche Übersetzung, denn es gibt nur einen Dieb) bedenken das die Story auf einem Kinder/Jugendbuch basiert.
Das ein Film nur so gut wie sein Buch sein kann, dürfte in den meisten Fällen zutreffen. Bei "Percy Jackson & the Olympians: The Lightning Thief" handelt es sich um ein Buch, das Rick Riordan ursprünglich als Gute-Nacht-Geschichte für seinen Sohn (der ebenfalls unter Legasthenie leidet) entwickelt hat.
Die Idee die griechische Sagen-und Götterwelt in unsere Zeit zu übertragen ist phantasievoll und bietet auch einiges Potenzial.
An diesem Punkt jedoch scheitert der Film, denn wie wir von vielen Blockbustern wissen sind aufwendige Spezial Effects kein Vehikel für eine zu kurz gekommene Handlung. Der Film hat vor allem 2 große Makel: erstenes die Vereinfachung und Abflachung der ohnehin nicht äusserst komplizierten Geschichte des Buches, und zweitens das "aufpeppen" des Filmes mit aktuellen Versatzstücken.

Kommen wir auf den ersten Punkt zu sprechen.
Spätestens wenn Percy Jackson das "Camp Half-Blood" erreicht, ist dem Zuschauer klar wie die Geschichte weiter bzw. zu Ende geht. Der Film weicht hier auch stark vom Buch ab, z.B. taucht Ares gar nicht erst auf, genauso wie der vergiftete Skorpion.
Sobald Percy, Grover und Annabeth auf der Suche nach den 3 Perlen sind, die sie brauchen um die Unterwelt wieder verlassen zu können, hat man das Gefühl das die Aufgaben nur so kurz dramaturgisch inszeniert werden, um ausreichend Special Effects zu verbraten, und dann weiter zu hetzten.
An keinem Punkt glaubt man das Percy und seine Freunde ernsthafte Schwierigkeiten haben ihre Aufgabe zu erfüllen. So wirken auch Medusa (Uma Thurman), die Hydra und Hades verschenkt, da sie alle nur den Alibicharakter erfüllen unsere Helden ein Stück weit aufzuhalten, ohne Ihnen gefährlich zu werden.
Der zweite Makel wird den heutigen Teenagern wahrscheinlich weniger auf die Nerven gehen, als manch altgedienten Cineasten. Filme die durch das einbauen besonders "stylischer" Elemente versuchen den Zeitgeist voll zu erwischen, tun dies meist um a) einen Mangel zu kaschieren und b) um noch besser angepasst vom Publikum aufgenommen zu werden.
Als Beispiel sei die Szene mit der Medusa genannt: Der Mythologie zufolge besiegte Perseus die Medusa unter anderem dadurch  das er sie nicht direkt ansah (sonst wäre er schnell versteinert) sondern sich ihr nähern konnte indem er ihr Spiegelbild durch seinen Schild betrachtete. Was für Perseus sein Schild ist für Percy die spiegelnde Rückseite seines iPods.
Tja, Product Placement praktikabel in die Story eingebunden.
Eine andere nervige Szene ist der Besuch bei den Lotosessern, wo weder auf die Musik von Lady GaGa noch auf die übertriebene Inzenierung eines "Fast & the Furious" würdigem Sportflitzers verzichtet wird (und warum haben die eigentlich alle schon den Füherschein?).

Dennoch muss man sagen das Percy Jackson Spass machen kann. Vor allem ist es ein Film der auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnitten ist, mit "Call of Duty" iPod und aktueller Chartsmusik. Meine Hoffnung an dieser Stelle ist es hier bei dem ein oder anderen das Interesse an der äusserst vielfältigen und interssanten griechischen Mythologie zu wecken, die der Film nur bruchstückhaft anreisst.
Die Schauspieler geben eine akzeptable Leistung ab, auch wenn Brandon T. Jackson (Grover) als der Spass-Satyr manchmal nervt, und die gespielte Zickigkeit von Alexandria Daddario (Annabeth) übertrieben scheint; in Nebenrollen wirken Schauspieler wie Kevin McKidd, Sean Bean, Pierce Brosnan zwar nicht oscarreif, erfüllen jedoch den Zweck ihrer Figuren durchaus sehenswert. Die Spezialeffekte sind gut gemacht, und fügen sich passend in die Story ein.

Wem könnte der Film gefallen?
Produziert wurde "Percy Jackson - Diebe im Olymp" eindeutig für die Generation der 12-18 Jährigen.
Ältere Fantasyfreunde können durchaus auch ihren Spass haben, und wenn es nur das Aufdecken der Verweise auf die griechische Mythologie ist, allerdings sollte hier nicht zu viel erwartet werden.

Falls der zweite Roman "Percy Jackson - Im Bann des Zyklopen" auch noch verfilmt werden sollte, hoffe ich auf eine weniger glatte (und nicht ganz so vorhersehbare) Storyentwicklung, und etwas mehr Charakterliche Tiefe der Figuren.

6 von 10 Punkten

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