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Wie das eben so ist, wenn man lange im Knast war: Man wundert sich, was da draußen in der Welt inzwischen alles passiert ist. Acht Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Viele Dinge sind in die Luft geflogen, viele Baddies wurden ans Kreuz genagelt und viele Typen, die sich zuerst nicht riechen konnten, haben sich zu besten Kumpels zusammengerauft, seit Nick Nolte und Eddie Murphy in „Nur 48 Stunden“ als gutes Beispiel vorangingen. De Niro/Grodin, Schwarzenegger/Belushi, Penn/Duvall, Stallone/Russell, Hanks/Aykroyd, Hanks/ein Hund und natürlich Gibson/Glover hatten die Formel zwischenzeitlich auf Herz und Nieren geprüft. Variiert wurde sie allerdings, wenn überhaupt, nur innerhalb eines konservativ gesteckten Rahmens. Der eigentliche Fortschritt der Buddy-Action lag darin, dass sie letztlich in den Mainstream getragen und von einem größeren Publikum goutiert wurde. Walter Hill war währenddessen nie ganz aus dem Spiel, sondern legte selbst frische Kohlen ins Feuer (unter anderem mit der oben genannten Schwarzenegger-Belushi-Paarung), auch Murphy („Beverly Hills Cop“) und Nolte („Ausgelöscht“, wieder unter Walter Hill) waren weiter gut beschäftigt und trugen ihren Teil dazu bei, dass die Leute immer öfter unbequeme Typen sehen wollten, die mit anderen unbequemen Typen in einen Fall für harte Kerle verwickelt wurden.

Nun ist es ja so, dass „Nur 48 Stunden“ noch in einem Klima entstand, in dem man sich um eine wie auch immer geartete Etikette kaum scheren musste. Standen die beiden Zankäpfel mit Blondschopf und schwarzem Kraushaar während ihres Einsatzes ohnehin schon bis zu den Knien im Müll der Hinterzimmer San Franciscos, ließ ihr loses Mundwerk den Schmutz mindestens auf Hüftpegel steigen. Sexistische und rassistische Bomben ließen Nolte und Murphy gleichermaßen im Wechseltakt platzen, als würden sie beidhändig mit zwei Colts aufeinander und auf ihre Gegner ballern. Wo kein Kläger, da kein Richter, könnte man anmerken. Jetzt, da nach dem Erfolg von „Lethal Weapon“ & Co. wieder alle Augen auf die Prototypen gerichtet sind, dürfen sie ihren wilden Impulsen da weiter ungehindert freien Lauf lassen?

Eigentlich muss die Antwort „ja“ lauten, da das Erfolgsrezept schließlich schon beim ersten Mal darin lag, eben nicht mit dem Zeitgeist zu gehen, sondern ihm zu trotzen. Als Eddie Murphy persönlich mit einer selbst verfassten Story seinen Regisseur aus alten Tagen zu überzeugen versuchte, den Posten für eine Fortsetzung wieder zu übernehmen, ging es ihm folglich auch gerade darum, den Back-to-the-Roots-Ansatz zu bewerben, wobei sich die Notwendigkeit dazu auch aus der neuen Marktlage ergab, die den Ton maßgeblich verändert hatte. Murphy war inzwischen ein echter Filmstar, so dass die Rekonstruktion des ursprünglichen Dreiecks Hill – Murphy – Nolte auch ein gewisses kommerzielles Risiko barg. Frei von der Leber weg dreht es sich da nicht mehr so einfach.

Hill, der sich bei aller Skepsis gegenüber dem Projekt letztlich überreden ließ, scheint zum Auftakt jedenfalls genau das richtige Maß zu finden, um einerseits für die Rückkehr der alten Trademarks zu sorgen und sie andererseits frisch wirken zu lassen. Wieder ist es ein Shot auf menschenleeres amerikanisches Land, genauer gesagt auf den Wüstensand vor einer rustikalen Truckerkneipe, über dem die Opening Credits eingeblendet werden. Auf Anhieb spürt man gewaltige Sergio-Leone-Schwingungen, die sich in der Magengrube mit anschwellender Spannungskurve aufbauen, als sich ein paar düstere Rockergestalten dem Schuppen nähern wie einst die Revolvermänner in der Eröffnung von „Spiel mir das Lied vom Tod“. Blicke werden getauscht und Signale versendet, die darauf hindeuten, dass die Situation bald eskalieren wird. Und in der Tat, kaum platzt ein Polizeiwagen in die Szenerie, tönen Schüsse aus den Boxen, Scheiben werden zerschmettert und es fliegen Körper durch die Luft, während flehende Klagelaute das Spektakel musikalisch begleiten.

Was für ein Auftakt. Klassische Western-Motive, verpackt in moderne Action-Ästhetik, die der leicht muffigen Action aus dem ersten Teil schon in den ersten Minuten zeigt, wo der Hammer hängt. Nebenher wird die Eröffnung noch genutzt, um einen der Rocker (Andrew Divoff) als Richard Ganz vorzustellen… und somit eine Verbindung zum Original zu legen, denn er ist der auf Rache sinnende Bruder des Villains Albert Ganz (James Remar) aus Teil 1. Das ist aber nur das erste Puzzleteil einer viel komplexeren Spur, die letztlich zu einem ominösen Drogenbaron namens „Iceman“ führen soll.

Einigermaßen routiniert löst der Regisseur auch noch die Aufgabe, die damals friedlich auseinander gegangenen Partner ein weiteres Mal mit rauen Bandagen aneinander zu ketten, aber dann wird es kompliziert. Handlangern sowie Handlangern von Handlangern wird immer wieder Screentime eingeräumt, um den Weg zum unsichtbaren Ziel wie bei einer Schnitzeljagd zu verlängern. Letztlich eine wenig raffinierte Methode, um erneut diverse Underground-Locations nach Straßencop-Art auseinanderzunehmen und neue Spuren zu sichern. Um die zwielichtigen Gestalten, die letztlich immer nur Mittelsmänner bei der Staffelübergabe sind, schert man sich aber nie genug, als dass man die Konfrontationen mit Spannung verfolgen würde. Die deutlich aufgestockte und verbesserte Stunt- und Pyro-Arbeit, die inzwischen spektakuläre Karambolagen, bildfüllende Explosionen und massenhaft zu Bruch gehendes Glas im Repertoire hat, kann nicht den Verlust der minimalistischen Intensität kompensieren, den das gehetzte Sequel zu verdauen hat.

Denn Nolte und Murphy tun zwar ihr Bestes, um sich im Eifer des Gefechts nach allen Regeln der Rhetorik gegenseitig anzupflaumen und romantische Gefühle von früher aufzuwärmen, sie wirken dabei aber stets gehemmt. Nicht nur, weil sie nicht mehr die ganz üblen Geschütze auffahren (dürfen?), die heute jedem Sittenwächter die Schamesröte ins Gesicht treiben würden, sondern weil sie schlichtweg kaum mehr Zeit haben, sich miteinander zu beschäftigen. Permanent ändert sich die Fährte und es gilt zu reagieren, anstatt das Sprachzentrum kreativ zu fordern.

Dass die Story eher unangenehm kompliziert als angenehm komplex wirkt, mag auch daran liegen, dass das Drehbuch mit Plotholes gespickt ist, die nur behelfsmäßig anhand unsauberer Übergänge gekittet werden. In diesem Zusammenhang fällt auch die unausgewogene Balance in der Besetzung auf, mit der vermeintlich wichtige Nebendarsteller aus dem ersten Teil (Annette O’Toole, Frank McRae) einfach wegrationalisiert werden, um weniger interessanten Neuzugängen Raum zu schaffen. Das hat auch damit zu tun, dass das Skript ursprünglich auf eine Laufzeit von 140 Minuten ausgelegt war, die von Paramount schließlich auf kompakte 95 Minuten heruntergekürzt wurde, indem ganze Nebenplots und diverse erklärende Brückensequenzen einfach gestrichen wurden. Ob man Paramount diesen Schritt allerdings vorwerfen sollte oder nicht vielleicht doch eher dem unnötig verschachtelten Erstentwurf, der mehr als zwei Stunden benötigt, um zum Punkt zu kommen, sei mal dahingestellt. Der erste Teil ist schließlich der beste Nachweis, dass man für einen funktionierenden Film dieser Sorte nicht unbedingt mehr als eineinhalb Stunden Zeit benötigt.

An anderer Stelle wiederum nimmt sich Hill den eigenen Vorgänger viel zu wörtlich zum Vorbild. Mit jeder weiteren Minute gerät die Fortsetzung zur simplen Imitation des Originals, ganz ohne den raffinierten Twist des Neuen, der zumindest im Prolog noch durchscheint. Murphy krächzt wieder Songs nach, die er auf dem Walkman hört (neben The Police diesmal auch James Brown), Nolte hadert wieder mit seiner aufbrausenden Art und am laufenden Band werden Rattennester ausgeräuchert. Fast entschuldigend werden die bekannten Markenzeichen in den Film gestreut, damit man weiß, dass es sich um einen 48-Stunden-Film handelt und nicht um einen beliebigen Cop-Actioner, in dem Nolte und Murphy mitspielen.

Das überambitionierte Drehbuch und die anfangs straffe Regie, die dann leider schnell die Zügel schleifen lässt, sind die größten Schwachpunkte von „Und wieder 48 Stunden“. In Sachen Action und Schauwerte macht die Fortsetzung genau das, was man von ihr verlangt. Letztlich ist sie aber auch ein wenig Opfer der ausgelaufenen 80er Jahre. Wo das Original als Prototyp für immer seinen Platz in der Geschichte des Actionfilms sicher hat, da sitzt die Fortsetzung dem Irrglauben auf, sie könne nie zu spät kommen, weil sie sich auf das älteste aller Genres beruft, das in jeder Ära Gültigkeit hat. Falsch gedacht. Mit „Lethal Weapon“ erschien 1987 nämlich nicht nur die neue Referenz im Buddy-Actionfilm, sondern 1989 mit „Lethal Weapon 2“ auch das Musterbeispiel, wie man eine solche Fortsetzung wirklich aufziehen muss: Reich an Tempo und Action, vor allem aber an Darsteller-Chemie. Für den gestandenen Revolverhelden Walter Hill gilt diesmal leider: Zu spät gezogen, Fremder.

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