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Immer wenn sich eine Gruppe junger Menschen, die sich darauf freut, ein ausgelassenes Wochenende bei Alkohol und Sex in der Einsamkeit der Wälder zu verbringen, dem letzten einsam gelegenen Stützpunkt nähert, um dort nach Benzin, Alkohol oder dem rechten Weg zu fragen, sieht der Kenner sogenannter "Backwood-Slasher" schon das Unheil kommen. Doch anstatt möglichst schnell das Weite zu suchen, laufen knapp geschürzte College-Girls vor großporigen, fettbackigen Hinterwäldlern Parade, und sportlich, gut aussehende Jungs machen einen auf cool, während die Einheimischen schon ihre abgeschnittenen Schrotflinten nachladen und die Axt an den Türen ihrer Pick-Ups befestigen.

Dabei ist eine solche Vorgehensweise doch völlig unlogisch, denn wenn es sich bei der Gruppe von Studenten um angesagte Winner-Typen handeln sollte, was durch deren Optik noch unterstrichen wird, müssten sie schon längst Erfahrung darin haben, welchen Gestalten man besser aus dem Weg gehen sollte. Genau diesen Gedanken hatte auch Regisseur Eli Craig, als er gemeinsam mit Morgan Jurgenson das Drehbuch ersann. Kein halbwegs intelligenter College-Boy glaubt noch daran, das der Typ mit der Sense, der sich ihrem Auto nähert, harmlose Absichten hat, weshalb die Gruppe um den smarten, selbstbewussten Chad (Jesse Moss) und die hübsche Allison (Katrina Bowden) genau das macht, was wahrscheinlich jeder in dieser Situation täte - sie haut ab.

"Tucker & Dale vs Evil" rechnet also mit den Erfahrungen einer mit "Backwood-Slashern" aufgewachsenen Generation, die schon an der Einrichtung einer Waldhütte erkennt, dass dort nur Serienmörder hausen können, die genau weiß, dass Motorsägen ausschließlich zur Abtrennung von Körpergliedern genutzt werden und das es sich bei dem schlecht angezogenen Hinterwäldler nur um einen geifernden, mordlüsternen Freak handeln kann. Während die klassischen Filme des Genres noch darauf bauten, dass die Ankömmlinge glauben, freundlich aufgenommen zu werden, dreht Craig diesen Gedanken einfach um, indem er die jungen Städter hinter jeder Absonderlichkeit schon das Grauen vermuten lässt.

Um die Absurdität dahinter noch zu steigern, fährt der Film mit den beiden Hillbillys Tucker (Allan Tudyk) und Dale (Tyler Labine) zwei besonders freundliche Zeitgenossen auf, die sich nur ein schönes Wochenende machen wollen. Das sie nicht die Hellsten sind, vergisst man schnell angesichts ihrer Herzensgüte, weshalb auch die ungeschickte Annäherung Dales an die sehr hübsche Allison (Katrina Bowden) verzeihlich ist. Craig spielt hier geschickt mit der Erwartungshaltung der Zuschauer, denn völlig unabhängig vom Genre gilt eine Annäherung des dicklichen Vollbartträgers an die schlanke Blondine als Ding der Unmöglichkeit. Kein Wunder, dass Allison und ihre Freunde sein Werben nicht positiv aufnehmen, sondern mehr dahinter vermuten.

Deshalb ist es auch nicht erstaunlich, dass sie bei der zweiten Begegnung ähnlich schief liegen, als sie zusehen müssen, wie Dale und Tucker die bewusstlose Allison auf ihr Boot verfrachten und davon rudern. Sie können nicht wissen, dass Allison zuvor von einem Felsen in den See gestürzt war, aus dem sie die beiden Freunde retteten, aber sie kommen auch gar nicht erst auf die Idee, dass etwas harmloses dahinter stecken könnte. Zusätzlich von Chad (Jesse Moss) angetrieben, der noch sauer ist, dass Allison seine wenig sensiblen Annäherungsversuche abgelehnt hatte, machen sie sich auf die Suche nach den vermeintlichen Mördern, um diese zu beseitigen und Allison zu befreien.

Ohne zu ahnen, dass man ihnen auf die Pelle rückt, gehen Dale und Tucker am nächsten Morgen ihren harmlosen Beschäftigungen nach, während Allison noch schläft. So kümmert sich Tucker um das Holz, indem er es mit der Motorsäge zuschneidet und dann in eine Heckselmaschine schmeißt. Als er dabei zufällig in einen Bienenschwarm gerät und wild mit der Motorsäge herumfuchtelnd durch die Gegend läuft, merkt er gar nicht, dass einer der College-Studenten aus Angst in einen spitzen Ast läuft, von dem er aufgespießt wird. Erst als plötzlich ein Anderer kopfüber in die Heckselmaschine springt, beginnt er sich zu wundern. Gemeinsam mit Dale zieht er den übrig gebliebenen Rumpf an den Beinen aus der Maschine, aber wie sollen sie dem Sheriff (Philipp Granger) diesen Anblick erklären, der gerade in diesem Moment vor ihnen auftaucht, nachdem er von den anderen panisch gewordenen Studenten herbei gerufen wurde?

In Craigs "Backwood-Slasher" - Parodie wird genauso schön gestorben, wie in den ernst gemeinten Vorbildern, nur dass es hier prinzipiell gar keine Bösewichte gibt. Leider verliert "Tucker & Dale vs Evil" in seinem Mittelteil etwas an Schwung, da die Idee der Umkehrung etwas zu häufig bemüht wird und Allison immer zeitlich geschickt in Ohnmacht fallen muss, um eine frühzeitige Aufklärung zu verhindern, denn sie weiß längst, dass die beiden Burschen ganz harmlos sind. Sehr amüsant sind dann wieder die Szenen, in denen es gelingt die Parteien im Stil einer Diskussionsrunde an einen Tisch zu setzen, mit Allison als um einen Ausgleich bemühte Diskussionleiterin. Doch kann es noch einen Frieden geben, angesichts der vielen Leichen, die draußen schon herum liegen?

"Tucker & Dale vs Evil" gewinnt seinen Unterhaltungswert nicht nur daraus, dass er mit den Klischees des Genres spielt und die Story gegen den Strich bürstet, sondern indem er gleichzeitig auch die Erwartungshaltungen der Fans nach hohem Blutzoll und variantenreichen Tötungsarten befriedigt. Doch so positiv es einerseits ist, dass die Macher dieses todernste Genre mal von der witzigen Seite angehen, so stört es andererseits ein wenig, dass nur zum Schluss etwas Spannung aufkommt, denn da kann es auch Craig nicht mehr lassen, noch ein wenig im üblichen Fahrwasser zu schwimmen.

Insgesamt eine gelungene Parodie auf das "Backwood-Slasher" Genre mit zwei sympathischen Hauptdarstellern und einer untypischen Blondine. Letztlich ist aber auch dieser Film nur für Fans des Genres geeignet, die die Absurdität hinter dem Geschehen erkennen und deshalb entsprechend Spaß daran haben können (7/10).

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