TUCKER AND DALE VS EVIL
CA 2010 / REGIE Eli Craig
Hillbilles und eine Gruppe verwöhnter Collegestudenten. Sommerurlaub, Alkohol, Drogen und Fleischeslust. Ja, der Backwood-Slasher macht auch in diesem Jahr keine Pause. Doch wer hat schon Lust, sich eine X-te Auflage des nunmehr toten Untergenres anzusehen? Dennoch schickte Regieneuling Eli Craig sein Baby, das auf den Namen "Tucker & Dale vs Evil" hört, beim letztjährigen Fantasy Filmfest ins Rennen und die Resonanz war schlussendlich enorm, dass nun ein deutscher Kinostart nächsten Monat im Hause steht.
Doch welche Unterschiede bestehen zwischen "Tucker & Dale vs. Evil" und den anderen Backwood-Horrofilmen? Es ist natürlich der Witz, der Humor, die Originalität und Liebe zum Chaos. Ihr lest richtig. Das Regiedebüt von Eli Craig ist eine Horrorkomödie, das sich der bekannten Genrekonstellationen annimmt, sie fantasievoll durch den Kakao zieht und ihre Klischees über den Haufen wirft. Aber wie? Das Wie ist ganz schnell erklärt, denn diesmal liegt das Augenmerk auf die etwas tollpatschigen, aber sehr liebenswürdigen Rednecks Tucker und Dale. Wie aus dem Horrorfilm bekannt werden sie von den wandelnden Klischees abgestempelt, obwohl sie nur ihr Ferienhaus auf Vordermann bringen und gemütlich ein Bier nach dem anderen trinken wollen.
Ein Badeunfall, an dem die beiden jedoch nicht ganz unschuldig sind, ist aber Auslöser einer ganzen Reihen von herrlich überspitzt dargestellten Szenen, in denen die Perspektiven unaufhörlich wechseln. Selbstmordkommandos, Fehldeutungen, vermeintliche Psychokiller und diverse Splattereinlagen ebnen den Weg in ein humoristisch blutiges Partykino, dem die Komik nur selten abhanden geht und an welchem Genrefreunde viel Freude haben werden. In "Tucker & Dale vs. Evil" prallen nämlich zwei so unterschiedliche Blickwinkel aufeinander, dass Eskalation vorprogrammiert ist. Dumme Teenager haben noch nie so viel Spaß gemacht. Slapstick in schöner Regelmäßigkeit, überzeugenden Pointen und die beiden (Anti)-Helden als Dauerbrenner.
Eli Craig hat mit seinem Regiedebüt bewiesen, dass das Backwood-Genre noch mit cleveren und detailverliebten Einfällen auftrumpfen kann. Dass dabei jegliche Bösartigkeit und jeglicher Ernst flöten geht, interessiert niemanden. Er kann sein Werk zwar nicht gänzlich vor kleinen Längen retten, aber Abwechslungsreichtum schießt diese Funsplatterware weit nach vorne unter den Horrorkomödien. Dieser Aspekt tröstet auch über das überraschend unspektakuläre Ende hinweg. Genrefans wird "Tucker & Dale vs. Evil" noch lange ein Begriff sein.
3.5/5