Backwoodhorror, das sind für gewöhnlich irgendwelche Städter, die sich in der Wildnis zu Handlungen hinreißen lassen, die sie nicht gewohnt oder für die sie nicht geeignet sind, um sich dann im finsteren Tann den degenerierten Urinstinkten von finsteren Hinterwäldlern ausgeliefert sehen. Was man spielerisch erforschen wollte, wird dann zur Lebensmaxime, denn die harten Jungs aus den halbzerfallenen Waldhütten ohne Schulbildung oder sittlichen Anstand nehmen dich wie es kommt (notfalls auch geräuchert) und sind meistens nur mittels Rückbesinnung auf die eigenen Neandertalerinstinkte zu stoppen.
"Tucker and Dale" geht die Chose mal von der humorvollen Seite an - obwohl das Subgenre seinen eigenen komischen Trashcharme ja immer im Werkzeugtäschen mit sich trägt - und spiegelt die altbekannte Figurenkonstellation. Wir haben also auf der einen Seite die nervtötende Zehnerschaft hormongebeutelter Collegentypen (und -ischen), die sich für gewöhnlich als Opfer anbieten und auf der anderen ein Duo von wenig hygienisch wirkenden und auch sonst vom menschlichen Umgang eher als unerprobt wirkenden "Jokels", die sich eine Trümmerbude auf der letzten Lichtung gemietet haben. Aber statt des üblichen Geschnetzeln wechselt die Rollenverteilung: die tumben Jungs sind eigentlich die Netten (oder intellektuell Naiven) und die Jugendlichen haben so viele Horrorfilme gesehen, daß sie sofort zur Gegenwehr blasen, als die üblichen Anzeichen für eine "Degeneriertenattacke" ruchbar werden. Wie sehr man die typischen Backwoodbilder verdrehen kann, macht den Hauptteil des Spasses von "Tucker and Dale vs. Evil" aus, denn während die Jungs und Mädels sich in der Gewißheit der typischen Horrorfilmregeln wähnen, verstehen Tucker und Dale das gutmütig alles falsch und machen mit ihren Versuchen, hilfreich zu sein (wie etwa das verunglückte "final girl" zu pflegen und zurückzugeben), alles nur noch schlimmer. Als Garnitur kommt dann noch das gewisse Ungeschick der jungen Leute dazu, sich bei Attacken zumeist selbst zu entleiben, während unsere Dämel fröhlich dabei sind, mittels diverser scharfer Werkzeuge (Messer, Axt, Kettensäge, Machete, Laubhäcksler) jede Menge Filmklischees erneut aufzubereiten und damit zunehmend Todesfallen für Beteiligte und Unbeteiligte möglich zu machen.
Die serienerprobten Alan Tudyk ("Firefly") und Taylor Lebine ("Reaper") haben als die titelgebenden Simpel einen Heidenspaß ain ihren Latzhosenrollen, während sie verzweifelt bemüht sind zu flirten, mit den Tücken der Technik klar zu kommen und generell am Leben zu bleiben, während die tollwütig wirkenden Teenager mit Mörderabsicht und Schiß ums Haus schleichen.
Natürlich darf bei so einer Konstellation (Hütte im Wald, die einmal einem Serienmörder gehört hat, was unsere Helden aber tunlichst nicht verstehen, obwohl die Taten an die Wand geklebt sind) eine Menge Blut und Matsch nicht fehlen und für die Gorefreunde hat der Film auch durchaus einiges im Angebot, ohne den Fehler zu begehen, alles darauf auszurichten. Genügend abgehackt, zerschnetzelt, verbrannt oder zerteilt wird aber trotzdem, was den Horrorfans mit Sicherheit einen lustigen Abend beschweren dürfte.
Gegen Ende geht dem Geschehen leider ein wenig die Luft aus, wenn die romantische Seite Dales immer stärker in den Vordergrund gerückt wird (einer der wenigen Gags, die sich relativ schnell totlaufen) und man alles auf einen Höhepunkt zuschneiden muß, der dann doch eher Standard, denn originelle Parodie ist. Eher mäßig zu bewerten ist auch ein Starter zu Filmbeginn, der nach den Ereignissen spielt und sowohl als Fortsetzungsandeutung dient, wie auch viel von der Überraschung des Filmverlaufs klaut, sofern man dem die nötige Aufmerksamkeit schenkt.
Trotzdem gelingt Eli Craig mit seinem titelgebenden Duo ein echter Treffer in Sachen Horrorkomödie, das man auch gern noch mal wiedersehen würde, weil so naiv und liebenswert gezeichnet. Für Fans ein Horroradventskalender zum Zitate-Entdecken mit diversen Albereien, ohne nötige dick aufgetragene Nerd-Cleverness, allerdings sollte man schon ein paar Horrorklassiker samt all ihren Wendungen und Klischees gesehen haben, um den Witz wirklich würdigen zu können.
Für alle, die schon "Severance" gut fanden, aber auf die ernsten Passagen verzichten können. Liebenswerte 7,5/10!