Sam Raimi machte sich durch seine kultige "Evil Dead" Trilogie einen Namen, auch sein "Darkman" darf als gelungen bezeichnet werden. Unerwartet betritt Raimi nun neues Terrain, sein "Schneller als der Tod" ist eine Anlehnung an frühere Western und lässt dabei kaum ein Klischee aus. In einigen Szenen nimmt dieses Werk beinahe comichafte Züge an, womit Raimi seinem eigentlichen Stil treu bleibt. Das etwas zu gängige Screenplay schrieb Simon Moore (Traffic - Die Macht des Kartells, Gullivers Reisen), während Hauptdarstellerin Sharon Stone (Basic Instinct, Total Recall) als Produzentin fungierte und dem jungen Leonardo DiCaprio (Titanic, Inception) so eine ausschlaggebende Rolle vermittelte. Trotz Staraufgebot floppte die 32 Millionen Dollar Produktion an den Kinokassen.
Im Wüstenkaff Redemption organisiert der reiche John Herod (Gene Hackman) jedes Jahr ein besonderes Duell. Zwei Männer stehen sich gegenüber, wer als letztes noch steht hat gewonnen. Dem Gewinner dieser Meisterschaft winkt eine große Summe Geld. So will es diesmal auch Herods eigener Sohn Kid (Leonardo DiCaprio) versuchen, seinen bisher ungeschlagenen Vater zu besiegen. Doch neben einem Kopfgeldjäger, diversen Killern und dem dazu gezwungenen Prediger Cort (Russell Crowe), nimmt auch die wortkarge Blondone Ellen (Sharon Stone) an dem Duell teil. Sie hat noch eine Rechnung mit Herod zu begleichen und ihr könnte es gelingen Redemption endlich aus Harods Würgegriff zu befreien.
Gerade Hauptfigur Ellen erinnert doch sehr an typische Westernhelden. Sie ist nicht nur sehr wortkarg, trinkt gerne mal einen zuviel und raucht Zigarillos, sondern sie setzt sich auch gerne mal für Schwächere ein. So beschützt sie die junge Tochter des Wirts Horace (Pat Hingle) vor einem Peversling und scheint sich auch sehr für den Prediger Cort zu interessieren. Der war mal ein Killer, genauso wie Harod, hat dem ganzen Morden aber abgeschworen und wird jetzt gezwungen an diesem Duell teilzunehmen. Auch bei Ellen lässt sich schnell ausmachen, was sie eigentlich nach Redemption treibt. Schon sehr früh beginnt Raimi dies in Rückblenden anzuschneiden. Dann wäre da noch der junge Kid, der um den Respekt seines Vaters kämpft und nur deshalb an diesem Wettbewerb teilnimmt. Letztendes entpuppt sich Harod schnell als Unsympath der übelsten Sorte, welcher Redemption mit Hilfe seiner Schützen in der Hand hat. Die Stadt gehört quasi ihm, doch die Leute versuchen ihn sogar mit bezahlten Killern den Garaus zu machen. Storytechnisch ringt Raimi dem Genre nicht mehr viel ab, da kommt es wirklich zu Gute, dass "Schneller als der Tod" in angenehm hohen Tempo zur Tat schreitet.
Man darf sich auf zahlreiche Duelle freuen, die Raimi nur selten ausarten lässt. In vielen Szenen verläuft das Geschehen für einen Raimi-Film sogar sehr zahm, denn einige Erschießungen finden nur im Off statt. Doch blutige Einschüsse, sowie übergroße Einschusslöcher im menschlichen Körper sind in gewissen Sequenzen vorhanden. Auch die Rückblende mit dem Tod von Ellens Vater ist recht intensiv gefilmt. Und wenn sich die Revolverhelden gegenüber stehen, ist immer diese knisternde Spannung zu spüren, obwohl man oft im Voraus sagen kann, wer das Duell nun gewinnt. Doch das absolute Nonplusultra ist die schicke Optik. Traumhafte Panorambilder von Sonnenuntergängen oder der endlosen Savanne. Raimi hat die richtige Linie zwischen neu- und altmodisch gefunden. Der Score von Alan Silvestri erledigt den Rest. Dies übertüncht ein wenig die typischen Charaktere und den vorhersehbaren verlauf der Story. Im Endeffekt stehen die toll gefilmten Duelle im Mittelpunkt und im Showdown darf es richtig rundgehen, wenn eine große Menge von Sprengstoff zum Einsatz kommt und es gilt Herods Schergen endlich das Fürchten zu lehren.
Sharon Stone agiert gewollt emotionslos und kommt damit nicht gegen einen herrlich fiesen Gene Hackman (Crimson Tide, Erbarmungslos) an. Russell Crowe (L.A. Confidential, Robin Hood) und der junge DiCaprio ringen sich eine ähnlich gute Leistung ab. Nebendarsteller wie Keith David, Lance Henriksen und Tobin Bell ergänzen die Riege sehr gut.
Eigentlich werden hier nur Klischees zu einem Plot verwurstet, aber Raimi hat das Ganze dermaßen schick in Szene gesetzt, dass man gerne darüber hinwegsieht. So darf man sich auf spannende und teilweise brutale Duelle freuen, auf die prominenten Darsteller ist absoluter Verlass. "Schneller als der Tod" ist also kein Überfilm, aber verdammt unterhaltsam allemal.