Review

Totenstarre und Daumendynamik


Was für ein Starvehikel! Wenn Sharon Stone als toughe Gunslingerin noch am wenigsten leuchtet und scheint (dafür war sie als Zugpferd und Produzentin umso kostbarer!), dann weiß man, was für einen rockigen, überzeichneten Neo-Western man hier vor sich hat! Sam Raimi noch deutlich im „Evil Dead“-Modus, dazu heutige Megastars wie Di Caprio oder Crowe, damals noch Mininummern, ein Gene Hackman in seiner Paraderolle, die wohl keiner je besser konnte und noch coole Genrepistoleros wie Keith David, Tobin Bell oder Lance Henriksen - wenn man „The Quick & the Dead“ aus heutiger Sicht anguckt, kommt man aus dem Staunen und Jubeln, den tollen Überraschungen und geilen Momenten kaum raus! Da gibt’s fast Szenenapplaus im Wohnzimmer. 

Einen launigeren Western aus den 90ern zu finden, wird schwer. Zwar etwas oberflächlich und Stone ist wie gesagt eine leichte Schwachstelle - aber im Grunde geht das runter wie sandiges Öl. Oder eben Bourbon. Wir folgen einer rachsuchenden Frau in ein Shootout-Turnier auf Leben und Tod - mitsamt bösen, guten, gierigen und auch sehr witzigen Charakteren aller Farben, Formen und Fiesheiten! Sharon Stone war damals noch das größte Zugpferd in diesem legendären Ensemble, sie sorgte verbissen für die Finanzierung, kämpfte für die noch ziemlich unbekannten Herren Di Caprio und Crowe, wollte auch unbedingt Raimi. Das muss man ihr zu Gute halten, selbst wenn ihre finale Performance dann wie gesagt etwas verblasst gegen die brachiale Konkurrenz. Aber da das Gesamtprodukt noch locker richtig überzeugt, ist das nur ein kleiner Makel. Eine Traumfrau bleibt sie damals wie heute und morgen und ewig eh. Raimis flotte Regie, die vielen charismatischen und sympathischen Stars und ihre oft irrwitzigen Figuren, der durchaus mal ausschlagende Härtegrad und allgemein diese geile, gar nicht allzu oft gesehene Turniersituation machen den Rest. Das ist durchaus seichtes, aber super kurzweiliges Spektakel. 

Fazit: Tag der Toten. High Noon hoch 12. Sam Raimis comichafter Neo-Western ist hart, köstlich, kurzweilig. Und sollte schnellstens neu bewertet, nochmal geguckt und nicht mehr unterschätzt werden! 

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