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Men on a Mission. Eine kleine Spezialeinheit, bestehend aus fünf harten Kerlen sowie deren Kommandanten, Captain Franklin B. Kohler. Eigentlich hatte Kohler sechs Männer angefordert, aber der unvorsichtige Private Jimmy Johnson, der im Vorspann noch so schön besungen wurde, segnet nach einer Konfrontation mit dem Feind unvermutet das Zeitliche. Dieses halbe Dutzend soll nun den verhaßten Deutschen im Zweiten Weltkrieg einen empfindlichen Schlag versetzen. Läuft alles nach Plan, könnte diese Aktion das Ende des Krieges in absehbarer Zeit bedeuten. Ziel dieser amerikanischen Draufgänger ist ein abgelegenes Landhäuschen, in dem wichtige Nazioffiziere geheime Pläne aushecken, um die Gegner vielleicht doch noch zu übertölpeln. Der Auftrag lautet, diese Pläne zu klauen und dabei jeden Nazi, der sich ihnen in den Weg stellt, zu eliminieren. Gefangene werden keine gemacht: "Every German son of a bitch soldier is to be killed!" Daß der Captain eigene und ausgesprochen egoistische Ziele verfolgt, können seine Männer nicht ahnen.

Women with a Mission. Auch zahlreiche Frauen werden benötigt, um während des Krieges Dienst zu tun. Sie kämpfen zwar (meist) nicht an der Front, aber ihre Arbeit ist fast ebenso wichtig. Die Moral der im Krieg dienenden Männer muß hoch gehalten, das Leben abseits des Kampfgeschehens ihnen versüßt werden. Die ständige Anspannung muß gelockert, die tagtäglichen Gräuel vergessen gemacht werden. Ablenkung ist der Auftrag, Sex ist das Mittel, Nachdenken ist die Krankheit, Huren sind die Medizin. So sorgen diese pflichtbewußten Frauen nicht nur für Speis und Trank, sondern spielen auch Theater oder tanzen ausgelassen auf einer provisorischen Bühne. Und natürlich führen sie ihre Brüste spazieren, entblößen ihre Hinterteile, wiegen sich aufreizend im Takt der Musik vor dem gaffenden Volk. Sie kneten lüstern ihre Brüste oder lutschen enthusiastisch an geilen Nazizehen. Allzeit bereit sein, heißt das Motto, schließlich weiß man nie, wann man(n) gerade Lust hat. Und wie er's denn gerne hätte.

Die Mission der Amerikaner klappt wie am Schnürchen. Die Hütte ist im Nu eingenommen, Verluste gibt es nur auf Seiten der Nazis. Doch dann, Überraschung! Sie entdecken die Dirnen, welche sich bislang um die Offiziere gekümmert haben. Die Mädchen stellen sich rasch auf die neue Situation ein und schreiten mit Elan zur Tat. Darüber hinaus ist da im Gebäude noch eine Kiste, in der sich kostbare Juwelen befinden sollen. Regie bei diesem kaum bekannten Naziploitation-Streifen führte kein Geringerer als John Hayes (1930 – 2000), in dessen Filmographie sich Werke wie The Grass Eater, The Farmer's Other Daughter (aka Haystack Hooker), Sweet Trash, Dream No Evil, Garden of the Dead (ein herrlich schräges Zombie-Movie!), Grave of the Vampire (sein wohl bekanntester Film), Heterosexualis, Baby Rosemary, Jailbait Babysitter, Hot Lunch und Up Yours finden. Seine letzte Regiearbeit war die Episode The Madness Room aus der TV-Serie Tales from the Darkside (Geschichten aus der Schattenwelt). Das Drehbuch zu The Cut-Throats stammt ebenfalls von Hayes.

Vor der Kamera tummeln sich, neben zahlreichen unbekannten und mittlerweile längst wieder vergessenen Schauspielern, auch zwei bekannte Gesichter. Als deutscher Soldat ist der Charakterdarsteller Michael Pataki zu sehen, der nicht nur in Dead & Buried, Rocky IV und Halloween 4: The Return of Michael Myers mitspielte, sondern auch selbst den Mini-Klassiker Mansion of the Doomed (Das Haus mit dem Folterkeller) inszenierte. Und in der Rolle der willigen Sekretärin eines Nazigenerals glänzt die gut gebaute Schwedin Uschi Digard, die es später ins Land der großen Glocken des Kult-Filmemachers Russ Meyer (u. a. Supervixens und Beneath the Valley of the Ultra-Vixens) verschlug. Während Pataki eine Sexszene absolviert, Jimmy Johnson erschießt und dann selbst den Filmtod stirbt, sorgt Uschi für eine der denkwürdigsten Sequenzen des Streifens. Im Freudentaumel entledigt sie sich ihrer Kleider und überschüttet sich mit leckerem Rotwein, welchen ein deutscher Soldat danach erst von ihren großen Titten lecken und anschließend aus ihrer heißen Arschspalte schlürfen darf. Na dann Prost!

The Cut-Throats ist einer jener spottbilligen, auf die Schnelle heruntergekurbelten Exploitationstreifen, wie sie in den USA in den Sechzigern und Siebzigern zuhauf entstanden sind. Im Grunde bietet der Film nicht mehr (aber auch nicht weniger) als knackig-unterhaltsame Sexploitation, verpackt in eine grimmige Kriegsgeschichte, die - vor allem gegen Ende - einige böse Wendungen nimmt. Im Vergleich zu gewissen italienischen Vertretern aus der Naziploitation-Ecke ist John Hayes' Beitrag recht harmlos. Gestorben wird zwar viel, aber eher zurückhaltend. Ein platzender Blutbeutel hier, etwas Blut aus einer durchtrennten Kehle da, und die Detonation einer Handgranate, die mehrere Körper zerfetzt, erfolgt praktischerweise hinter einer kleinen Mauer. Dafür schöpft The Cut-Throats anderweitig aus dem Vollen. Es gibt Unmengen an T & A zu bestaunen, und auch an simuliertem Sex herrscht kein Mangel (irre: die heiße Sexszene zu deutscher Propagandamusik in einem Raum voller Hakenkreuze). Und etwas Schmiere ist bei dieser Thematik ebenfalls nicht zu vermeiden.

Erwähnen möchte ich noch, daß Hayes mit dem Western-Genre kokettiert und ein paar entsprechende Motive in die krude Handlung integriert, die dem trotz aller Billigkeit ordentlich inszenierten Streifen gut zu Gesicht stehen. Spannend oder gar packend ist der Film zwar zu keiner Zeit, aber bei einer Lauflänge von knapp fünfundsiebzig Minuten kommt auch keine große Langeweile auf. Für Schmunzeln sollten die diversen in Deutsch gesprochenen Sätze der Nazis sorgen, die den Zuschauer aus der ernsten Stimmung doch etwas rausreißen. Nicht, daß man generell viel Wert auf Realismus gelegt hätte, aber dieses Kauderwelsch (hin und wieder mit dem Befehlswort "Achtung!" kombiniert) verblüfft doch etwas. Gut gelungen ist hingegen die Clown-Szene, die ziemlich traurig daherkommt. The Cut-Throats eignet sich somit ausschließlich für hartgesottene Exploitation-Aficionados, denen der Sinn nach etwas grenzwertiger aber nicht zu unangenehmer Unterhaltung steht. Denn gute Action, interessante Figuren und eine mitreißende Handlung findet man hier garantiert nicht.

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