Quizfrage: Wie vertreiben sich die Insassen eines abgeschiedenen Gefangenenlagers irgendwo in der amerikanischen Einöde die Zeit, wenn sie nicht gerade schwere Arbeiten verrichten oder vor Erschöpfung tief schlafen? Richtig, sie schnüffeln Formaldehyd!
Jede Gelegenheit nutzen die verschlagenen Junkies, um sich die Dämpfe reinzuziehen, damit sie die grausame Realität für einige Zeit vergessen. Ganz funktioniert das jedoch nicht, und so wagen ein paar Häftlinge einen Ausbruchsversuch, der jedoch - dank der Tollpatschigkeit eines der Männer - fehlschlägt. Die Flüchtigen werden nahe dem Gefängnisfriedhof gestellt, erbarmungslos über den Haufen geschossen und sogleich ohne großen Aufwand verscharrt. Das schreit natürlich nach Rache. Und da Formaldehyd, wie wir alle wissen, nicht nur high macht, sondern auch Tote in Untote verwandelt, krabbeln die nach Vergeltung dürstenden Zombies wenig später aus ihren Gräbern, bewaffnen sich mit Äxten, Schaufeln, Rechen und Spitzhacken und lassen an ihrem Vorhaben keinen Zweifel aufkommen: "We will destroy the living."
Mit Garden of the Dead lieferte Regisseur John Hayes (Grave of the Vampire) einen gar nicht mal so unoriginellen Genrebeitrag ab. Hayes bzw. seine Autoren Daniel Cady und Jack Matcha ignorieren im großen und ganzen die Zombiefilmrevolution, die George A. Romero mit Night of the Living Dead 1968 angezettelt hat, und setzen stattdessen auf stimmungsvolle Bilder in Kombination mit der allseits beliebten Rachethematik. Selten waren die Worte "bei Nacht und Nebel" so zutreffend wie in diesem spottbilligen, innerhalb von zehn Tagen heruntergekurbelten Streifen... das Geschehen findet fast zur Gänze Nachts statt, und die Nebelmaschine läuft dabei fortwährend auf Hochtouren. Das ergibt eine wunderbar altmodische Atmosphäre des sanften Schauders, welche bisweilen an die Genrefilme der britischen Hammer-Studios erinnert.
Die Momente, in denen sich die Zombies langsam und bedrohlich aus dem Nebel schälen bzw. sich Fulci-like aus ihren Gräbern erheben, zählen zu den unumstrittenen Höhepunkten des Filmes. Apropos Zombies. Das einfache aber gelungene Make-Up der Kreaturen läßt sich am besten mit dem schönen Wort creepy umschreiben. Die sehen mit ihrer bleichen Hautfarbe, ihren eingefallenen Gesichtern und den schwarzumrandeten Augen tatsächlich ziemlich tot aus, da hat Make-Up-Legende Joe Blasco tolle Arbeit geleistet. Der 1947 geborene Blasco wird drei Jahre später die Untaten von Ilsa: She Wolf of the SS drastisch veranschaulichen und in David Cronenbergs Shivers mit dem sogenannten Bladder-Effekt nachhaltig beeindrucken.
Ansonsten sind die Untoten ein seltsamer, unberechenbarer Haufen. Manchmal schlurfen sie dahin, als hätten sie alle Zeit der Welt, dann wiederum preschen sie aus dem Nichts hervor, rammen ihren unglücklichen Opfern die Spitzhacken/Äxte/etc. in den Bauch und verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind. Formaldehyd schnüffeln sie auch in zombiefiziertem Zustand sehr gerne, und auf Licht reagieren sie ausgesprochen allergisch, da dies einen spontanen Zerfall des Körpers auslöst (scheinbar eine weitere Nebenwirkung des übermäßigen Formaldehydmißbrauchs). Der Blutfluß hält sich stark in Grenzen und beschränkt sich - den schießwütigen Wärtern sei's gedankt - auf einige durch Kugeln bzw. Schrot verursachte Wunden. Und dann haben die Zombies noch eine Schwäche für... nein, das wird an dieser Stelle nicht verraten, schließlich wird ihnen ebendiese zum Verhängnis.
Obwohl Hayes das bizarre Szenario ernst durchzieht, kann er nicht verhindern, daß sich hin und wieder unfreiwilliger Humor in den Vordergrund zwängt. Alleine die Sequenz, in der die Untoten gierig nach Formaldehyd lechzen und dabei lustige Grimassen schneiden, ist diesbezüglich ein echter Brüller. Garden of the Dead läuft eine knappe Stunde und wurde wohl nur produziert, um als zweite Hälfte eines Double Features zu fungieren. Bei der Kürze der Laufzeit ist es kein Wunder, daß Figurencharakterisierung, Spannung und Dramaturgie auf der Strecke bleiben. Trotzdem hat mir diese absurde und stimmungsvolle Stunde Film gut gemundet. Garden of the Dead mag kein glitzernder Fixstern am Zombiefilmfirmament sein, aber er ist zumindest eine klitzekleine Sternschnuppe. Und wenn man sie erblickt, wünscht man sich, daß es mehr B-Movies wie dieses gäbe.