Wie schrieb letztens jemand so schön?
Er wäre nicht mehr sicher, warum er Strom Raiders gemocht hatte...
Das war auch exakt die Frage, die sich mir förmlich aufdrängte, als ich Strom Warriors nach einem Blindkauf kürzlich sichtete. Grundsätzlich erwarte ich immer, dass ein Sequel deutlich schlechter ausfällt als sein Vorgänger - doch da ich diesen nur noch dunkel in Erinnerung hatte, ging ich diesmal vergleichsweise vorurteilsfrei an den Film heran.
Die Besetzung jedenfalls versprach mit Simon Yam, Ekin Cheng, Aaaron Kwok, Nicholas Tse und Kenny Ho doch einiges... leider weit gefehlt!
Trotzdem sein extrem statischer Gesichtsausdruck wenig Begeisterung für die Rolle des Lord Godless implizierte, war Simon Yam dennoch der einzige, der ansatzweise in seiner Rolle überzeugen konnte - vielleicht passt ja so ein unbewegliches Gesicht auch einfach zu einem Schurken.
Alle anderen Charaktere jedenfalls blieben durchgehend blass und durch ihre unglaubliche Oberflächlichkeit unsympathisch und langweilig.
Es wurden unendlich viele Randfiguren vorgestellt, die dann entweder einfach nicht mehr auftauchten oder letztlich keinerlei Bedeutung für die Entwicklung des Films hatten - dies ging immer zu Lasten der Hauptfiguren, denen man mehr Zeit hätte widmen können und müssen.
Der Plot war unglaublich schlecht. Nicht, dass man heutzutage noch neuartige Geschichten erwarten würde... selbstredend ist alles schon einmal da gewesen - doch dies ist in einem guten Film natürlich kein Mangel, denn auch eine alte Geschichte kann immer wieder spannend sein, allein auf die Erzählkunst kommt es an. Von "Kunst" kann hier jedenfalls keine Rede sein.
Den Inhalt in eine verständliche Form zu schreiben kam mir weitaus kunstvoller vor als die Handlung an sich, besonders nachdem es schon unglaublich mühsam war, den wirren Ereignissen im Film überhaupt zu folgen.
Da finden wild durcheinander irgendwelche Kämpfe statt, Erklärungen für Unverständliches fließen zwischendurch mal ein (immerhin!), die Schauplätze wechseln wahllos durcheinander, Figuren tauchen auf und haben irgendwie keine Bedeutung und inhaltlich ist eigentlich alles absolut uninteressant. Nur ein Beispiel... Wind und Cloud scheinen beide irgendwelche Mädels als Geliebte (oder was auch immer) zu haben, die zwischendurch mal auf der Bildfläche erscheinen. Da wird dann kurz einträchtig rumgesessen, aber es kommt nichts rüber, nichtmal welche Verbindung nun konkret besteht. Scheint auch nicht wichtig zu sein, denn später tauchen die Damen eh nicht mehr auf. Aber da fragt man sich doch, was das Ganze soll...
Gut, lassen wir das. Was bietet der Film nun abgesehen von schlechten schauspielerischen Leistungen und wirren Handlungen?
Eigentlich nicht viel... man kann eine seltsam anmutende Kunstwelt bestaunen, in der sich der Film abspielt und überhaupt scheint CGI den größten Teil des Filmbudgets verschlungen zu haben. Muss ja kein Nachteil sein, aber hier war es so übertrieben, dass man schon ein echter "unechter Film"-Fan sein muss, um das noch strahlend ertragen zu können. Ich fand es schade, denn eigentlich waren die Ansätze unglaublich gut. Tolle mystisch anmutende Wellen- und Lichtbewegungen, krasse Schwertszenen, herumfliegendes Zeug und all sowas... wirklich toll gemacht und sicher gehört diese Art von computeranimierten Gegenständen und Kampfszenen auch in einen solchen Film - aber man muss ja nicht schon bei der Landschaft das Gefühl bekommen, sie wäre am Computer entstanden, das ist mir einfach zu viel, selbst für einen phantastischen Film.
Nun wären wir schon bei den Kampfszenen, die in Abenteuer-Action-Fantasy-Kampfsport-Filmen ja durchaus ein Highlight sein sollten. Genau dieser Bereich hat den Film dann auch aus einer 3er-Bewertung herausgerissen... zwar auch hier keine überwältigenden Großtaten, aber doch alles solide und gut gemacht (ähm, animiert, wollte ich sagen). Simon Yam schien in seinem Element zu sein, es ging meist ganz gut zur Sache und selbst die Trainingssequenzen von Cloud (Aaron Kwok) waren prima inszeniert. In hervorragender Erinnerung ist mir vor allem der anfängliche Kampf zwischen Lord Godless und Nameless (Kenny Ho) geblieben, bei dem eine geballte Macht an Schwertern auf den gefesselten Godless zuflog und nur durch die Kraft seiner Gedanken (oder sowas) aufgehalten wurde. Da dachte ich auch noch, wow, das wird was...
Fazit? Muss man wirklich nicht gesehen haben - außer man hat halt schon so lang gewartet und schaut sich sowieso immer zwanghaft alle "Reihen" komplett an.
Grade noch 6/10