Gruselspuk aus dem Hause Disney.
Entsprechend harmlos ist „Schreie der Verlorenen“ eher auf ein unbedarftes Publikum zugeschnitten, dennoch sorgen die recht altbackenen und oft gesehenen Gruseleffekte für eine angenehme Atmosphäre.
Familie Curtis bezieht ein im Wald gelegenes Anwesen. Ihre Vermieterin, die etwa 70jährige Mrs.Aylwood, musste vor rund 30 Jahren das Verschwinden ihrer Tochter Karen beklagen.
Schon bald nehmen die Töchter der Curtis, Jan und Ellie, rätselhafte Erscheinungen wahr. Offenbar ist der Geist der verschwundenen Karen aufgetaucht, um ihnen etwas Wichtiges mitzuteilen…
Das isser, der klassische Grusler aus England, der nicht von ungefähr ein wenig an „Bis das Blut gefriert“ erinnert, da das Anwesen zumindest äußerlich stark an das Gebäude von damals erinnert.. Der Spuk spielt sich hier aber mehr außerhalb des Hauses im Wald und einer leerstehenden Kapelle ab.
Gelungene Windeffekte mit aufwirbelndem Laub, dichter Nebel und eine ansprechende Ausleuchtung der Kulissen schaffen eine stimmungsvolle, dichte Atmosphäre. Auf heftigere Schockeffekte wurde in Anbetracht der eher jüngeren Zielgruppe verzichtet, da muß es schon mal ein fehlendes Spiegelbild tun oder die Erscheinung eines Geisterkindes mit Augenbinde.
Auch die Story bietet keine allzu großen Überraschungen. Geist Karen verschwand damals in einer alten Kapelle während eines Aufnahmerituals von drei Freunden. Zufällig herrschte zu dieser Zeit eine Sonnenfinsternis, welche nun, nach 30 Jahren wieder ansteht. Jan ist also bemüht, die Leute von damals wieder zusammenzutrommeln (die leben natürlich allesamt noch unmittelbar in der Nähe…), um das Ritual von damals zu wiederholen…
Mit ein paar unlogischen und nicht näher erläuterten Gegebenheiten kann man aber leben, da der Streifen insgesamt ein erfreulich flottes Tempo hinlegt und sich nicht mit Belanglosigkeiten aufhält.
Klassisch geht es auch bei der Musik zu, die in Teilen stark an den streicherbetonten Score aus dem Hause Hammer erinnert und die Atmosphäre gelungen anfeuert.
Darstellerisch gibt es fast keine Ausfälle zu beklagen: Bette Davis ist als schrullige Vermieterin die optimale Besetzung, mit ihrem garstigen Vogelscheuchblick reicht das für sich stehend bereits für Gänsehaut. Die „Töchter“ agieren ebenfalls solide, nur der Freund von Jan wirkt in jeder Szene so, als wüsste er nicht, wie man aus einer stehenden Straßenbahn aussteigt.
Wer sich also beim altmodischen Gruselfilm heimisch fühlt und die schnörkellose Spukgeschichte ohne doppelten Boden bevorzugt, ist mit „Schreie der Verlorenen“ gut bedient.
7 von 10 Punkten