Review

Simplifizierte Story, Stoizismus, Schläge, Steven Seagal - daraus ist seit einigen Jahren ein markantes Gesamtpaket im B-Action Bereich entsprungen, welches hin und wieder auch mal so richtig unterhaltsame Streifen hervorbringt.
Und je besser der Regisseur die Erwartungen des entsprechenden Publikums einzuschätzen weiß, umso eher scheint der alte Haudegen bereit zu sein, noch ein paar Pfunde für das Projekt abzuspecken, was ihm zurecht den Titel „A Dangerous Man“ beschert.

Natürlich bekleidet Seagal in der Rolle des Shane Daniels eine Figur mit kampferprobtem Hintergrund, denn er war bei den Special Forces und schlägt fürs Intro mal eben den Angreifer seiner Frau in die Flucht. Dummerweise wird der Kerl anschließend gekillt, woraufhin Daniels sechs Jahre lang unschuldig im Gefängnis verweilt. Nach seiner Entlassung will er sich eigentlich ins Ausland absetzen, doch prompt wird er Zeuge einer Entführung durch chinesische Opium-Händler…

Daniels ist so einer, der den Ärger förmlich anzieht und bei Konfrontationen nicht lange fackelt. Da will er sich einfach nur eine Flasche Schnappes aus dem Store besorgen, schon wird er draußen von zwei dubiosen Autohändlern angepöbelt.
Der Ankündigung „I'll fuck you up ugly“ lässt er natürlich Taten folgen und prompt landet die entnommene Knarre zigfach im Gesicht des Angreifers, während Daniels seelenruhig das Band der Überwachungskamera entnimmt und seiner Wege geht.
Solche Szenen etablieren durchaus einen Sympathieträger, denn wer unschuldig im Knast verweilt, zwischenzeitlich von der auffallend jüngeren Frau verlassen wird (die Daniels in seinen Erinnerungen nackt um sich herum schlawenzelnd sieht), muss auch mal seinen Frust abbauen dürfen.

Die Handlung nimmt natürlich einen weitaus spektakuläreren Verlauf, als sich Daniels inmitten der organisierten Kriminalität zwischen rivalisierenden Chinesen, korrupten Cops und größtenteils hilfreichen Russen bewegt.
Der chinesische Onkel der mittlerweile befreiten Tia ist ein Mittelsmann der auf der schwarzen Liste steht, man muss phasenweise untertauchen und diversen Angriffen entgegen wirken und am Ende kooperiert man mit denjenigen, die am ehesten Moral beweisen, was in diesem Fall auf den einflussreichen Russen Vlad zutrifft, dessen Sohn von Daniels in prekärer Situation gerettet wurde.
Werte wie Dankbarkeit und kompromisslose Unterstützung zählen hier zumindest noch, was das naiv eingestimmte Gemüt des männlichen Betrachters gewiss befriedigen dürfte.

Die Geschichte ist wahrlich simpel gestrickt und diverse Dialoge offenbaren in ihrer undurchdachten, teilweise fast schon lächerlich anmutenden Form, dass diese als vage zusammengeschustertes Konstrukt dient, um ein möglichst hohes Tempo mit ordentlichen Krawall-Szenen zu bieten.
Dabei wird ordentlich ausgeteilt, es kommt zu einigen Knochenbrüchen, vielen blutigen Einschüssen und selbst Splatterfreunde bekommen ihren Gehalt durch kleine überraschende Einlagen eingefahren, wobei Kamera und Schnitt durchaus effektiv arbeiten.
Man konzentriert sich auf das Wesentliche mit jenen Zutaten, die das Herz des Actionfans höher schlagen lassen und in dieser Hinsicht passen der halbwegs agil wirkende Seagal (fast ohne Body Double), die überzeichneten Schwarzweiß-Figuren und die größtenteils sympathisch wirkenden Helfer des Helden hervorragend zusammen.

„A Dangerous Man“ verkörpert einen jener Streifen, der mit wenig Inhalt aber solider Inszenierung beim Zielpublikum landen kann.
Als Freund etwas härterer Action erwartet man auch nicht unbedingt eine Geschichte mit doppeltem Boden, sondern ordentlich Krawumms, gute und böse Jungs, eine Spur Selbstironie, etwas nackte Haut und markante Gesichter.
All das ist gegeben und man darf gespannt sein, ob die Zusammenarbeit mit Seagal und Regisseur Keoni Waxman noch weitere unterhaltsame Früchte tragen wird.
Knapp
7 von 10

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