Review

Nachdem ich lediglich eine Kurzkritik zu dem Film verfasst hatte, habe ich mich nun nach erneuter Sichtung des Films dazu entschlossen, eine etwas ausführliche Rezension zu verfassen.
"Animal Kingdom" erzählt die Geschichte von Josh Cody (James Frecheville), der bei seiner heroinabhängigen Mutter aufwächst. Als sie an einer Überdosis stirbt, zieht er zu seiner Großmutter Janine Smurf Cody (Jacki Weaver), die in einer nahezu inzestuösen Beziehung mit ihren vier Söhnen lebt. Alle ihre Söhne sind in irgendeiner Form kriminell oder gewalttätig. Am schlimmsten sind wohl der dauerhaft zugekokste Craig sowie Pope, den die Polizei in Melbourne auf dem Kieker hat. Gerade im Moment muss er sich oft verstecken, denn das Raubmorddezernat der Stadt wird umstrukturiert und erhöht den Druck auf die Brüder. In diese Welt gerät nun Josh und später auch seine Freundin Nicole.
Nach dem Mord an einem Polizisten, in den Pope verwickelt ist, gerät auch Josh in den Fokus eines Polizisten (Guy Pearce), der ahnt, dass Josh nicht in diese Umgebung gehört. Immer mehr wird das Leben für Josh zu einem Drahtseilakt zwischen Polizei und dem immer irrationaler werdenden Pope...

Ich hatte von "Animal Kingdom", dem Debütfilm von David Michod, erstmals in einer australischen Filmzeitschrift gehört (er wurde 2010 zum besten Film Australiens gewählt) und er kam mir wieder ins Bewusstsein, als ich neulich den australischen Film "Snowtown" auf dem Fantasyfilmfest gesehen. Es gibt tatsächlich ein paar Parallelen zwischen beiden Filmen: die Unterschichtenumgebung, ein Jugendlicher der in dieser Umgebung versinkt und in einen Strudel gerät, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Allerdings ist "Animal Kingdom" (Königreich des Verbrechens) nicht so ganz so plakativ hoffnungslos wie "Snowtown" und die Hauptfigur Josh ist ungleich zugänglicher.
Josh ahnt stets, wie kriminell seine Umgebung ist und dass die beiden Brüder Darren und Barry (im Gegensatz zu Craig und Pope) noch am ehesten zwischen Recht und Unrecht zumindest ansatzweise unterscheiden können. Seine Handlungen am Ende des Films entsprechen einem zumindest ansatzweise verständlichen Unrechtsbewusstsein, obwohl sie zunächst das Gegenteil zu verkörpern scheinen.
Hauptfigur dieser Verbrecherfamilie ist Janine "Smurf" Cody, brillant gespielt von Jacki Weaver. Wie sie ihre Söhne trotz allem mit allen Mitteln beschützt wie eine Löwenmutter, wie unfähig sie ist, deren Handlungen zu abstrahieren, das alles macht sie zum zweiten Zentrum des Films, neben Josh. Und auch ihre Söhne sind nicht nur fluchende Gangster, sondern z. T. liebende Familienväter, unsichere Charaktere, die in diese Familie geboren wurden und nun zu schwach sind, diese hinter sich zu lassen.
"Animal Kingdom" ist für mich definitiv einer der besten Filme der letzten Zeit, sein ruhiger, aber nie langweiliger oder träger Erzählfluss samt hervorragender Schauspieler und großartiger Musik, machen ihn zu einem Genuss. Sehr empfehlenswert!!

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