„What Price Hollywood?“ fragte der gleichnamige Film von 1932, dessen Geschichte in Grundzügen ein paar Jahre später nochmals in „A Star is Born“ (1937) aufgegriffen wurde. Die ebenso betitelte Verfilmung aus dem Jahre 1954 mit Judy Garland und James Mason in den Hauptrollen ist somit nicht die erste Version des Stoffs und auch nicht die letzte. Aber die mit Abstand längste.
Während der Stern des Schauspielers Norman Maine zu sinken beginnt, vorangetrieben durch seine Alkoholsucht, verhilft er der Sängerin Esther Blodgett zum Aufstieg in Hollywood. Diese Wechselbeziehung und die entgegengesetzte Entwicklung liefern der Kern der Erzählung. Ruhm und Niedergang, Hand in Hand und mit etwas Kritik an der Hollywood-Maschinerie sowie der öffentlichen Wahrnehmung gespickt.
Der dramatische Stoff, der hierin liegt, muss sich allerdings allerlei ausufernden Gesangseinlagen unterordnen. Und hat es Garland auch unbestreitbar drauf, so zieht sich die Chose dadurch doch, denn wirklich voran bringen diese noch so hübsch ausgestatteten Sequenzen die Geschichte kaum. Zumindest nicht in einem darauf einzahlenden Ausmaß. Es sind reine Showbühnen für Garland, die den Streifen mit seinen drei Stunden für mein Empfinden zu lang machen. Wenn man an solchen Nummern Freude hat, ist das sicherlich unterhaltsam. Mein Blick ging dann irgendwann mal zur Uhr.
Doch dann entwickelt sich in der letzten Stunde tatsächlich noch ein stellenweise rührendes und ergreifendes Drama aus der vorangegangenen Nummernrevue. Wenn sich „A Star is Born“ eben mal tatsächlich auf den Weg macht, die Figuren zu zerlegen, dabei Esthers unerschütterlichen Glauben an Norman zu beleuchten, während dieser sich unaufhaltsam in der Abwärtsspirale befindet. Hier kann der Film noch punkten, da entfaltet sich eine einnehmend gespielte Tragik. Natürlich musste das zuvor aufgebaut werden, was hier aber in viel zu ausgedehnter Weise geschieht.
Darstellerisch gibt sich „A Star ist Born“ keine Blöße. Garland steht im Mittelpunkt, den dramatischeren Part hat aber Mason inne, beide spielen ansprechend. Wie auch der Rest, nur dass alle gegen fast zwei Stunden pflichtvergessenes Skript anspielen, das sich viel zu lange vor den erst spät bebilderten Konsequenzen drückt und stattdessen lieber seine Hauptdarstellerin in Gesangseinlagen abfeiert.
Dies passiert allerdings visuell ansprechend. In Farbe und CinemaScope schwelgt die Kamera in sehenswerten Kulissen, wenn sie nicht ihren eigenen Schatten auf diese wirft. Fürs Auge bietet das von George Cukor inszenierte Werk immer wieder hübsch komponierte Bilder.
„Glad to have you with us.“
Diese Verfilmung des Stoffs geriet in erster Linie um einiges zu lang und erreicht dies auch durch selbstzweckhafte Gesangseinlagen. Sind diese auch ansprechend vorgetragen, steuern sie selbst nicht viel bei. Irgendwann, eigentlich schon zu spät, fängt sich der Streifen dann erzählerisch doch noch und kümmert sich um die immer in ihm schlummernde Tragödie. So bleibt „A Star is Born“ zwar ein stellenweise scharfer Blick auf Hollywood, meist aber ein seichter Unterhaltungsfilm mit einem gut aufspielenden Ensemble.
Verbrauchen und verbraucht werden. The show must go on.