In den letzten Jahren glänzte der ehemalige Action-Star Jean-Claude Van Damme (Timecop) außer "In Hell" nicht mehr mit 1A-Actionern wie noch in den 90ern. Wann gibt man dem Mann wieder mal ein ordentliches Drehbuch und einen erfahrenen Regisseur, um wieder Werke wie "Universal Soldier", "Maximum Risk" oder "Harte Ziele" auf die Beine zu stellen, damit er wenigstens seine baldige Rente aufbessern kann? Denn mit Produktionen wie "Derailed" wird das nichts!
Der NATO-Spezialagent Jacques Kristoff (Jean-Claude Van Damme) soll die international gesuchte Diebin Galina (Laura Harring) im Zug von Bratislava nach München bringen. Da stürmt eine Gruppe brutaler Terroristen den Zug. Ihr Anführer Mason Cole (Tomas Arana) hat es auf Galinas Gepäck abgesehen, in dem sich Ampullen mit tödlichen Pockenviren befinden!
Hier lässt Van Damme abermals mehr die Fäuste als sein Gehirn sprechen und prügelt sich so durch die Reihen der Gegner. Also nix Neues im Van Damme-Land, da er hier im Gegensatz zu "In Hell" nichtmal ansatzweise versucht zu Schauspielern. Laura Harring (The Punisher) sieht mit fast vierzig Jahren in diesem Streifen ziemlich gut aus und Schauspielerei ist bei ihr etwas vorhanden. Und von einem Film wie "Derailed" zu hochgarätigen Produktionen wie "Mulholland Drive" ist es immerhin ein weiter Sprung, den Van Damme mit fünfundvierzig Jahren immer noch nicht geschafft hat. Auch Tomas Arana (Die Bourne Verschwörung), der hier den lokalen Finsterling mimt, war schon öfters in größeren Werken wie "Gladiator" anzutreffen. Allerdings ist die von ihm gespielte Figur alles andere als ein Hans Gruber oder Castor Troy. Als Filmsohn ist dann noch Van Dammes richtiger Sohn Kristopher Van Varenberg (so Jean-Claudes wahrer Nachname) zu sehen, der Papi auch gleich ein paar Kicks demonstrieren darf. Ob er mal in Papis Fußstapfen treten wird und Actionfilme macht? Böse gucken wie Daddy kann er immerhin schon.
Das oben besagte Szenario kennt man schon aus unzähligen anderen Filmen und so gestaltet sich "Derailed" als ein Mix aus "Alarmstufe: Rot 2" (Terroristen im Zug) und "Mission: Impossible 2" (Schurke will Virus). Und ihr muss ich gestehen, dass mal ausnahmsweise Steven Seagal mit "Alarmstufe: Rot 2" die bessere "Stirb-langsam-im-Zug"-Variante abgeliefert hat. Regisseur Bob Misiorowski (Shark Attack), der mit "Air Panic" einen passablen Flugzeug-Thriller insziniert hat, macht hier jedoch absoluten Bockmist. Wie in "Air Panic" befindet sich auch hier unter den Passagieren eine hysterische Nervbacke, bei der man sich wünscht, dass sie bald von den Terroristen umgenietet wird. Auch was Effekte, Story und Action angeht, kann der Film nicht überzeugen. Da kracht ein Helikopter schlecht animiert gegen eine Felswand über 'nem Tunnel (gabs auch schon besser in "Broken Arrow") und die Story ist, wie gesagt, aus Elementen anderer Werke zusammen geklaut worden. Die Action wurde meistens stümperhaft in Szene gesetzt, wobei einzig und allein Van Damme mit seinen Kampfkünsten einiges retten kann. Es gibt sogar ein paar Knochenbrüche und andere harte Szenen. Dennoch rettet das nicht den gesamten Film.
Wer Action auf einem Zug sehen will, dem rate ich zu "Operation: Broken Arrow" oder "Alarmstufe: Rot 2", da beide Filme um einiges besser sind als dieses Machwerk. Und Jean-Claude sollte mal besser wieder sein Telefonbuch rausholen, und John Woo, Ringo Lam oder Peter Hyams anrufen. Mit denen würde er zumindest noch eine Chance auf einen Action-Hit haben. Ansonsten heißt es "Gute Nacht" für den kickboxenden Belgier.