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Spencer und Hill gaben in den 70ern dem Unterhaltungsfilm in Europa ein neues Gesicht, indem sie den „Prügelcomic“ salonfähig machten, eine Weiterentwicklung des alten Slapstickkinos, gewürzt mit simplen Gut-gegen-Böse-Plots. Bis heute ist diese Gattung fröhlich vor sich hin mutiert und treibt immer neue Blüten, meistens im TV, aber manchmal auch im Kino.

Einer der erfolgreichsten Produktionen der letzten Jahre war der Mumien-Spin-Off „The Scorpion King“, eigentlich nur ein Starvehikel für einen der dringend benötigten Schwarzenegger-Nachfolger, Dwayne „The Rock“ Johnson, der sich hiermit für größere Projekte empfahl.
Angesiedelt irgendwann in grauer Vorzeit nicht allzu lang vor Christi, hackt und schlägt sich der Muskelmann hier durch die diversen Armeen eines schier unbesiegbaren Finsterlings, nachdem er als der Letzte seines Stamms ordentlich Wut angesammelt hat. Ein Schelm, wer da nicht an den grimmigen „Conan“, den Barbaren denkt. So etwas geht heutzutage natürlich nicht mehr wie zu Arnies Zeiten, denn ohne die nötige Ironie bekommt man die Leute kaum noch ins Kino, vor allem wenn eine familienfreundliche Freigabe zu erreichen ist und die Kinder und Jugendlichen als eigentliche Zielgruppe erstmal definiert wurden.

Qualitätsmerkmal der Story sind dann auch ein schnelles Vorgehen, eine überschaubare Handlung und eine schier endlose Abfolge von Kämpfen, Prügeleien und wilden Turbulenzen, nach Möglichkeit immer mit einer entsprechenden Zerstörungsorgie gekoppelt.
Erfrischenderweise ist der Ton so zeitgemäß, daß die halbwegs gesichtslosen Schurken hier gleich dutzendweise gemeuchelt werden dürfen, zwar ohne explizite blutige Details, aber simples KO-Schlagen ist nun auch nicht mehr zeitgemäß.

Natürlich ist der Tyrann finster, die schöne Seherin will nur gerettet werden, ein Kind ist auch dabei, inclusive eines lustig-doofen Sidekicks, der für den wortkargen Helden die Dauersabbeleien erledigt. Ach ja, und „Theoden“-Darsteller Bernard Lee gibt den erfindungsreichen Mummelgreis, der sich schlußendlich erfolgreich am Schießpulver versucht. Dazu Explosionen galore und diverse CGI-Tricks extra und fertig ist die Befeuerung aller Sinne.
Am positivsten ist zu vermerken, daß Johnson relativ gut in dieser Kinderplotte abschneidet, denn ihm ist im Gegensatz zu Vin Diesel durchaus die Gottesgabe der mimischen Veränderung gegeben. Mit dem Wort Selbstironie kann er durchaus was anfangen und so fällt das Urteil für ihn auch weniger stupide aus.

Was natürlich nicht darüber hinwegtäuschen kann, daß es sich um eine expandierte und aufgeblasene Fassung einer beliebigen Hercules- oder Xena-Folge handelt, ein wenig drastischer, schneller, gekonnter und mit wesentlich größerem Budget. Die 13-Jährigen dieser Welt (biologisch oder im Geiste) werden es den Machern dankbar gewesen sein, denn die Kasse klingelte reichlich.
Ich will nicht verhehlen, daß der Film auch mir überraschend sympathisch war, aber zum Geniestreich will ich ihn nicht erheben. Aber unserem Felsbrocken alles Gute für die Zukunft wünschen kann man ja mal. (6/10)

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