The Scorpion King ist als Vorgeschichte des in dem Film *Die Mumie 2* erwähnten Skorpion-Königs (dort von "The Rock" als Cameo-Auftritt dargestellt) eine Spin-off-Produktion, die sich anbietet bzw. vielleicht sogar bewusst in dem erwähnten Mumien-Film eingebaut wurde. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, diesen Stoff noch weiter auszuwalzen als nur auf eine pure Aneinanderreihung von Nachfolgern zu setzen. Finanziell scheint sich dieser Clou wohl gelohnt zu haben, bei den Ratings jedoch weniger.
Dennoch wurde nicht einfach nur Müll produziert, gegenüber der Mumien-Reihe müssen qualitativ eigentlich keine Abstriche gemacht werden. Die schlechten Ratings basieren meiner Meinung nach eher auf den "Nörgel-Effekt" bei Konsumenten; d.h.: der Film wird mit Vorurteilen angesehen, wodurch sich vornehmlich auf Dinge konzentriert wird, die eine negative Kritik ermöglichen. Auch von mir bekam er nach der ersten Ansicht eine deutlich schlechtere Bewertung ab (4+, jetzt 3+).
Zudem kommt noch der "Videogame"-Beigeschmack dazu, was bei den meisten Cineasten schon pauschal für eine Abwertung ausschlaggebend ist. Ich kenne das "Spiel-zum-Film" nicht und es interessiert mich auch nicht.
The Scorpion King ist auch aus meiner Sicht nicht gerade anspruchsvolle Filmkunst, aber durchaus gelungene Unterhaltung. Die oberflächliche Story ist natürlich kein Highlight und hat auch keinen wesentlichen Bezug zu der "Mumien"-Reihe, aber sie ist zumindest, für sich gesehen, einigermaßen nachvollziehbar. Geschichtsunterricht ist trotz Anlehnungen an antiker Historie dabei nicht angesagt, sondern wird allenfalls auf den Kopf gestellt. So wird beispielsweise durch den Alchemisten Philos in der Endszene der Chemiker Alfred Nobel persifliert, der ja bekanntlich ebenso "durch Zufall" das Dynamit erfunden hat.
Wie auch in den "Mumien"-Filmen werden einem hier gelungene mittelalterliche Szenenbilder geboten, die sich hinter den Originalen nicht zu verstecken brauchen. Wüstenkulisse, Bauten und Requisiten wurden optisch reizvoll arrangiert, sodass man zumindest hier von einer angemessenen Qualität sprechen kann.
Die in der Anfangs-Sequenz absolut übertriebene Action mäßigt sich glücklicherweise im weiteren Verlauf. Zwar sind die Kampf-Szenen durchgehend nicht besonders innovativ, doch zeigen sie eine gewisse Selbst-Ironie, welche sich letztendlich durch den gesamten Film hindurch zieht und stellenweise zum Schmunzeln anregt. Mit ebenfalls eher "humorigen" Einlagen versehen ist der "Kampf der Giganten" (hört sich jetzt gewaltiger an, als er tatsächlich ist) zwischen Mathayus und Balthazar.
Bei den Effekten geht es mittelmäßig zu, was aber nicht weiter stört, wenn man z.B. über die wechselnden Proportionen bei der Ameisen-Darstellung in der "Ant-Pit"-Szene hinwegsehen kann.
Wrestling-Star DWAYNE "The Rock" JOHNSON verkörpert den Mathayus the Scorpion King passend, ist symphatisch und im Gegensatz zu anderen aus seiner Brache auch ein wenig zu darstellerischen Leistungen fähig.
In den Nebenrollen kann STEVEN BRAND als Bösewicht Memnon ebenso überzeugen wie die Anmut von KELLY HU, die eine "Seherin" verkörpert. Für den amüsanten Part ist der zweifach OSCAR-nominierte GRANT HESLOV verantwortlich und wurde dafür gut ausgewählt.
BERNHARD HILL (*Herr der Ringe 2+3*) hat einen Auftritt als der oben erwähnte Alchimist und ist wegen seines Vollbartes auf Anhieb nicht gleich zu erkennen. Auch hinter einem Bart versteckt sich "Arnold"-Ersatz RALF MOELLER als Soldatenoberst von Memnon.
MICHAEL CLARKE DUNCAN als Balthazar ist natürlich für sich genommen schon ein Casting-Pluspunkt; bei ihm stört lediglich das verhunzte Narben-MakeUp.
Negativ ist die absolut unpassende Heavy-Metal-Mucke am Anfang und im Abspann, mit der man wohl den Game-Playern einen Gefallen tun wollte. Der Film selbst wurde von JOHN DEBNEY wesentlich angenehmer und vorteilhafter beschallt.
Die Altersfreigabe von 16 Jahren ist total übertrieben, besonders in Bezug auf die geringe FSK-12-Einstufung des Nachfolgers. Während in dem neueren Produkt durchaus schauderige Szenen vorhanden sind, geht es in dem vorliegenden Fall vergleichsweise harmlos zu.
Fazit: Für einen günstig hergestellten Barbaren-Film durchaus in Ordnung. Wer mit der "Mumien"-Serie zufrieden war, sollte von diesem Film eigentlich nicht gerade enttäuscht werden.
Gleiches gilt auch für den 2. Teil.
Trivia:
Es wurden Szenen nachgedreht, weil der Original-Cut nur 65 Minuten lang war. * "The Rock" erhielt einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde für das höchste Gehalt der ersten Hauptrolle in einer Karriere; er bekam $ 5,5 Mio. * Wrestling-Promoter Vince McMahon ist nur deshalb "Executiv-Produzent", weil er die Rechte am Namen "The Rock" hält.