1954 - Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) und sein neuer Partner Chuck Aule (Mark Ruffalo) werden als US-Marshalls zu einer Nervenheilanstalt gerufen, um das Verschwinden einer Patientin aufzuklären. Die Klinik liegt auf "Shutter Island", einer hochgesicherten Insel mit nur einer Anlegestelle, da die sonstige Küste nur von hohen Felsen gesäumt wird. Unter der Leitung von Dr.Cawley (Ben Kingsley) werden dort besonders gefährliche Straftäter behandelt, die fast ausnahmslos zu Mördern wurden. Das gilt auch für die entkommene Rachel, die ihre drei Kinder ertränkte und sie danach wie Puppen am Esstisch versammelte. Eine Tat, an die sie sich selbst nicht mehr erinnern kann.
Der Film beginnt geradlinig mit dem Übersetzen der beiden US-Marshalls, beschreibt die genauen Kontrollen, um in das Innere der Anlage zu gelangen und zeigt die Polizisten bei ihren Ermittlungsarbeiten. Dort ergeben sich erste Rätsel, denn das Verschwinden aus der Zelle lässt sich nicht logisch nachvollziehen, da diese abgeschlossen war. Zudem befanden sich einige Mitglieder des Personals im Gebäude, an denen die Fliehende hätte vorbei kommen müssen, die zudem weder Schuhe noch passende Kleidung angezogen hatte, um sich auf der Insel länger fortbewegen zu können. Auch die Befragung der Mitarbeiter bringt die beiden Marshalls nicht weiter, weshalb es für Teddy Daniels immer wahrscheinlicher wird, dass Einige von ihnen lügen, denn ohne Hilfe hätte Rachel nicht entkommen können...
So linear die Story einerseits erzählt wird, so stark wird sie gleichzeitig gebrochen. Schon die ersten Szenen auf dem Schiff, mit dem die beiden Polizisten zu der Insel gelangen, wird von Daniels Seekrankheit bestimmt, die ihn in das Innere des Schiffs zwingt, wo er sich übergeben muss. Dieses latente Unwohlsein verlässt ihn auch im weiteren Verlauf nicht, denn ganz offensichtlich löst die gespenstische, schwer bewachte Anlage in ihm Erinnerungen an den 2.Weltkrieg aus, in dem er als Soldat zu der Einheit gehörte, die das Konzentrationslager Dachau befreite. Zunehmend wird Daniels von Träumen geplagt, die die schrecklichen Ereignisse wieder hervorrufen, denn die Parallelen zwischen den ausgemergelten Menschen in dem KZ und den Patienten in der Klinik sind offensichtlich.
Als Daniels bei einem abendlichen Treffen mit dem Führungspersonal der Klinik auf den deutschen Arzt Dr.Naehring (Max von Sydow) trifft, glaubt er in ihm ein bekanntes Gesicht aus Dachau wieder zu erkennen. Damals wurden dort Experimente an den Gehirnen der Gefangenen vorgenommen, eine Methode, die auch im Rahmen der Behandlung von Geisteskranken in Erwägung gezogen wird, selbst wenn Dr. Cawley diese nur als letzten Schritt anwenden würde, weil sie die Patienten zu Zombies werden lässt. Da Daniels wichtige Unterlagen verweigert werden, glaubt er, dass die Klinikleitung kein wirkliches Interesse an einer Aufklärung des Falls hat, weshalb er mit seinem Partner die Untersuchungen auf eigene Faust weiter führt. Ein schwerer Sturm, der die elektrische Sicherungsanlage ausser Betrieb setzt, gibt ihnen die Möglichkeit, in den Block C vorzudringen, in dem sich die gefährlichsten Patienten befinden. Beide Männer begeben sich in die Zentrale der Klinik, aber Daniels beginnt langsam auch seinem Partner zu misstrauen, der ihm erstmals für diesen Fall zur Seite gestellt wurde.
Wer von "Shutter Island" einen klassischen Thriller erwartet - was durch das Marketing leider betont wird - wird enttäuscht werden. Typische Schreckensmomente gibt es kaum, die zudem in der klaustrophobischen Dichte der Gefängnisanlage ihre Bedeutung verlieren, weil die gesamte Atmosphäre von einem Gefühl des Ausgeliefertseins geprägt ist. Ausserdem verliert der Film ab der Mitte der Laufzeit seine Geradlinigkeit, wird immer rätselhafter und widersprüchlicher.
"Shutter Island" ist ein Film über subjektive Empfindungen und auch wenn das Ende im Detail noch Überraschungen bietet, wird deutlich, dass Scorsese den Betrachter hier nicht billig aufs Glatteis führen wollte, um ihm am Ende eine überraschende Auflösung zu bieten, sondern ihn im Gegenteil, intensiv an dem Empfinden des großartig von DiCaprio gespielten Marshalls teilnehmen lässt, um dessen Entwicklung nachempfinden zu können. Um so verwirrender dessen Erleben wird, desto mehr Distanz versucht der Betrachter aufzubauen, um dem Geschehen die eigene Logik aufzudrängen, die sich am Ende als richtig zu erweisen scheint.
Doch was ist richtig? - Welche Motive verfolgen Dr. Cawley und seine Mitarbeiter wirklich ? - Jeder Betrachter wird am Ende selbst entscheiden, was Wahnsinn und was Realität ist, aber Scorsese gibt keine klare Antwort (8,5/10).