Review

Guy Pearce spielt einen jungen Wissenschaftler, der nach dem tragischen Tod seiner Geliebten in die Vergangenheit reist, um sie zu retten. Als dieser Versuch jedoch scheitert, reist er in die Zukunft, um dort Antworten für sein Versagen zu finden. 800.000 Jahre in der Zukunft findet er komplett neue Zivilisationen von Menschen vor, die von furchterregenden, unter der Erde lebenden Bestien bedroht und verschleppt werden.

Bei "The Time Machine" handelt es sich um ein Remake des 1960 erschienenen Sci-fi-Films "Die Zeitmaschine" nach dem Roman von H. G. Wells. Während sich beim Remake natürlich wesentlich mehr Möglichkeiten bei Effekten, Kulissen und Musik ergeben, bleibt die Story leider hinter dem Original zurück. Während Zeitreise-Thriller wie "12 Monkeys" durch eine ausgeklügelte und komplexe, aber eben logische Story beeindrucken können, konzentriert sich "The Time Machine" eher darauf, die Action-Szenen und Spezial-Effekte einigermaßen sinnstiftend miteinander zu verknüpfen und kann somit leider keinen Ansatz von Tiefe aufbauen. Darüber hinaus erhofft man sich von Mystery- und Sci-fi-Thrillern dieser Art eine finale Überraschung die einen als Zuschauer förmlich aus dem Kinosessel hebt, aber auch diese bleibt leider aus. Es gibt die eine oder andere gelungene Wendung und ein solides Grundgerüst, womit die Story immerhin genug Komplexität hat, um die Laufzeit auszufüllen, aber mehr wurde aus dem visionären Roman und dem guten Original leider nicht herausgeholt, zumal der sozialkritische Aspekt des Originals komplett ausgelassen wurde.

Nachdem er sich vor allem mit diversen Zeichentrickfilmen wie "4 Dinos in New York", "Balto" und "Feivel, der Mauswanderer im Wilden Westen" einen Namen machen konnte, übernahm Simon Wells, ein Urenkel das Autoren H. G. Wells die Regie. Auch wenn es mir persönlich immer noch ein Rätsel ist, wie Wells das Werk seines Urgroßvaters beim Drehbuch so beschneiden und verunglimpfen konnte, leistet er bei der Regie jedoch gute Arbeit. Die Kulissen sind sehr gut gewählt. Anfangs gibt es erst einmal ein paar nostalgische Bilder aus dem Ende des 18. Jahrhunderts, dann gibt es eine optisch sehr gelungene und futuristische Kulisse im Jahr 2030 zu sehen und zuletzt dann noch ein paar überaus malerische Bilder und Landschaften im Jahr 800.000. Die Spezial-Effekte sind sehr gut und liebevoll gemacht und lassen die Schwächen des Drehbuchs in den Hintergrund treten. Die Filmmusik besteht aus perfekter, gewaltiger Spannungsmusik, die den Film kombiniert mit der hervorragenden Kulisse gleich viel monumentaler wirken lässt. Die Maske ist ebenfalls perfekt gelungen und lässt die Morlocks, die sich von Menschen ernähren, gleich viel furchterregender wirken. Da Wells das Tempo relativ hoch hält, stellenweise ein paar Emotionen zulässt und zum Ende hin eine relativ dichte Atmosphäre aufbaut kann der Film gut unterhalten und mit der einen oder anderen amüsanten Stelle funktioniert "The Time Machine" als Blockbuster ziemlich gut.

Guy Pearce läuft nach seinen starken Leistungen in "L.A. Confidential" und "Memento" erneut zu alter Hochform auf und spielt seine Rolle des zeitreisenden Wissenschaftlers ordentlich. Er kann in den Action- und Liebes-Szenen gleichermaßen überzeugen und liefert neben seiner relativ ernsten Darstellung auch den einen oder anderen Lacher. Schade, dass er trotz regelmäßiger guter Leistungen seinen endgültigen Durchbruch noch nicht geschafft hat. Auch wenn sie schauspielerisch nicht sonderlich überzeugend ist, passt Sängerin Samantha Mumba mit ihrem umwerfenden Lächeln und ihrer charmanten Art sehr gut in den Film und hat darüber hinaus auch optisch einiges zu bieten. Oscar-Preisträger Jeremy Irons ist mit seiner Maske in der Rolle des Ober-Morlocks kaum zu erkennen, spielt aber gut.

Fazit:
Die Defizite beim schwachen Drehbuch können durch eine gelungene Inszenierung mit hervorragend fotografierten Kulissen, guten Spezialeffekten und mit ein paar soliden Gags ausgeglichen werden, womit "The Time Machine" als Blockbuster ganz gut funktioniert. Vor allem für Fans des Popcorn-Kinos empfehlenswert.

74%

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