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Eigentlich ist Grimms „Hänsel und Gretel“ ein richtiges Horrormärchen: Von den Eltern im Wald zurückgelassen, fast verhungernd und dann auch noch die Gefangenschaft bei der Hexe.
Da liegt es fast schon nahe, die Sache einmal umgekehrt zu betrachten und die Kinder die bösen Fallen stellen zu lassen. Leider kommt nicht mehr als ein belangloser Wald- und- Hütten- Slasher dabei heraus.

Die Filmcrew um Regisseur Eddie (Mike Nichols, gleichzeitig Macher dieses Werkes) will in der abgelegenen Hütte im Wald einen Porno drehen, doch zwei umherstreunende Kinder verderben ihnen den Spaß rasch, denn schon bald hängt der erste an einer Kette am Baum…

Es ist mal wieder recht dreist, uns zwei junge Erwachsene als Kinder verkaufen zu wollen, - scheinbar gab es für den Regisseur keine Jungdarsteller, die diesen anspruchsvollen Job erfüllen konnten. Einige in der Filmtruppe sind kaum älter, bis auf die moralisch gefestigte Angie, die man sich fürs Finale vormerken kann.
Bis es so einigermaßen rund läuft, vergeht eine halbe Stunde mit Labereien, Eitelkeiten und Feiern am Lagerfeuer. Keine Figur fällt sonderlich aus dem Rahmen und böse Vorzeichen zeichnen sich nur vage mit Erscheinen der stillen Kinder und des Summens einer Kindermelodie ab.

Mit dem ersten Einschreiten der jungen Rüpel offenbart sich allerdings auch der grobschlächtige Cut der deutschen Fassung, denn bis auf Treffer von Pfeilen und einem Aufgespießten in einer Grube bekommt man nichts Explizites zu Gesicht, - vor einigen Ableben wird gar komplett geschnitten, so dass der Verbleib bis zum Schluss ungewiss ist und nur auffällt, dass erneut jemand aus der Gruppe fehlt.

Handwerklich kann man der Sache noch nicht einmal allzu viel ankreiden, da die Kamera ein paar originelle Perspektiven liefert und der Score phasenweise einigermaßen ambitioniert klingt. Auch die Darsteller sind nicht so furchtbar, - Amy Crowdis macht als hinterhältige Patti sogar eine gute Figur und zeigt einige Facetten von der eingeschüchterten Schwester bis hin zum durchtriebenen Biest.

Storytechnisch hinkt die Erzählung hingegen einige Male ganz gewaltig. Anstatt die Schwester als Köder zu benutzen, kümmert man sich um ein Telefon und bewegt sich auf dem Präsentierteller, anstatt mit geballten Kräften auf Angriff zu gehen laufen die Überlebenden wie Küchenschaben durch die Gegend und anstatt langsam mit vier Platten zu fahren, bevorzugt man den Lauf durch den lichten Wald, den die Kinder aus dem FF kennen.
Folgerichtig bieten die Figuren ein leichtes Ziel und dabei fehlt noch nicht einmal der Tritt in die obligate Bärenfalle.

Bis final nur noch eine Person übrig ist, wird zwar das Tempo gesteigert, aber ein Mitfiebern findet aufgrund mangelnden Peps und wirklich bedrohlich erscheinender Kinder aus.
Hinzu kommen fehlende Beweggründe und zu oberflächliche Hintergründe der Waldbewohner, die offenbar wie im Märchen von ihren Eltern verstoßen wurden.
Wo auch immer die jetzt leben und woher ihre Kleidung beziehen, sich offenbar regelmäßig waschen und auch nicht wirklich dumm auftreten, leuchtet nicht so ganz ein.

Insgesamt findet sich bei diesem Slasher kein Argument, um ihn Genrefans ans Herz zu legen: Austauschbare Kulissen, phantasielose (und arg gekürzte) Morde, nicht allzu viel Bewegung und oberflächliche Figuren führen zu totaler Beliebigkeit und das ist nur jenen vorsichtig zu empfehlen, die rein gar keinen Genrebeitrag auslassen.
Inspirationslose Abläufe und ausbleibende Überraschungen sind da vorprogrammiert, - da fährt man mit einer herzlichen Märchenverfilmung allemal besser…
3,5 von 10

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