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Der Hobbit Frodo soll im Auftrag des Zauberers Gandalf Saurons Ring, dessen Zerstörung das Ende des dunklen Herrschers bedeuten würde, an den Ort seiner Schmiede, den Schicksalsberg, bringen und ihn dort vernichten. Begleitet wird er von drei seiner Freunde, Gandalf selbst, einem Zwerg, zwei Menschen und einem Elb. Indes machen sich die Heere Saurons und des dunklen Zauberers Saruman kampfbereit, um Mittelerde zu erobern. 

Obwohl bereits Stanley Kubrick Tolkiens Fantasy-Epos "Herr der Ringe" zu verfilmen plante, wurde die als unverfilmbar geltende Romanvorlage erst 2000 durch Peter Jackson adaptiert, der mit "Die Gefährten", "Die zwei Türme" und "Die Rückkehr des Königs" gleich drei Meisterwerke ablieferte, die mit Oscars überhäuft wurden und an den Kinokassen ungeahnte Erfolge verbuchten. Praktisch in Vergessenheit geraten ist, dass "Herr der Ringe" bereits 1978 als Trickfilm adaptiert wurde und im Grunde ist dies auch besser so.

Dabei muss man Regisseur Ralph Bakshi zunächst einmal zu Gute halten, dass es eine enorm schwierige, wenn nicht sogar unmögliche, Aufgabe ist, Tolkiens Werk in nicht einmal 150 Minuten zu adaptieren und daran scheitert der Film dann im Endeffekt auch schon. Durch den Inhalt des ersten Buchs "Die Gefährten" hastet Bakshi in der Eile der Zeit, wobei die Charaktere im Grunde überhaupt nicht konstruiert werden und der Plot mehr oder weniger skizziert wird. "Die zwei Türme" sind anschließend stark unterrepräsentiert, manche Figuren und Stränge fehlen gänzlich, andere werden schnell abgehandelt, während "Die Rückkehr des Königs" im Grunde nicht einmal tangiert wird, sodass der Film grob die Hälfte des Inhalts der Bücher und der Jackson-Werke wiedergibt, wobei das, was vorhanden ist, zu allem Überfluss auch noch vollkommen überhastet wirkt.

Und damit funktioniert "Herr der Ringe" einfach zu keinem Zeitpunkt. Die Kenner der Vorlage und der Jackson-Filme werden enttäuscht, da einfach zu viel fehlt und nur punktuell mal ein bisschen was nacherzählt wird. Den Nicht-Kennern des Stoffs wiederum wird hier nicht einmal ein flüchtiger Einblick in Tolkiens Fantasy-Epos ermöglicht, da der Zugang durch das zügige Tempo erschwert wird und sich die Größe des Entwurfs zu keinem Zeitpunkt auch nur andeutet. Vielmehr ist das Geschehen kaum von einem zweitklassigen Fantasy-Trickfilm zu unterscheiden und dies ist im Grunde schon ein Verbrechen an der Vorlage. 

Und auch die sonstige Inszenierung lässt klar zu Wünschen übrig. Die Bilder wirken zu keinem Zeitpunkt opulent oder eindrucksvoll, wie man es bei einem monumentalen Fantasyfilm im Grunde erwarten kann, da zeichnerisch miese Arbeit geleistet wird. Die Bewegungen wirken, als habe man sich auf drei bis fünf Bilder pro Sekunde beschränkt, während in machen Szenen alles etwas schatten- und schemenhaft wirkt, was mitunter auch Absicht sein mag, auf Dauer jedoch sehr nervig gerät. Da auch die musikalische Untermalung, die solide aber nicht mehr ist, keinen Hauch einer gewissen Größe oder Gewalt aufkommen lässt, enttäuscht der Film unterm Strich nahezu auf ganzer Linie, während er für die ganz kleinen Zuschauer vielleicht ein wenig zu düster ausfällt. 

Fazit:
Der "Herr der Ringe"-Trickfilm hastet 132 Minuten lang durch die Roman-Vorlage, wobei rund die Hälfte des Inhalts entfällt und die andere Hälfte auf flüchtige Handlungsfragmente reduziert wird. So wird der Kenner der Vorlage bitter enttäuscht, während sich dem Nicht-Kenner das Tolkien-Universum kaum erschließen wird. Damit ist der Film, der auch zeichnerisch zu Wünschen übrig lässt, überflüssig und mit Jacksons Trilogie vollkommen überholt. 

28%

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