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"Die Mächte des Ringes ergriffen von ihm Besitz und verwandelten ihn in ein abscheuerregendes Wesen."

Der Hobbit Frodo Beutlin gerät in den Besitz eines magischen Rings, der seinen Träger unsichtbar machen kann. Er wird von dem Zauberer Gandalf  dazu aufgefordert mit einer kleinen Gefolgschaft, bestehend aus den Hobbits Sam, Merry und Pippin, zur Elbenzuflucht Bruchtal zu reisen, denn der Ring bildet die Macht des dunklen Sauron, dessen Einfluss sich immer weiter auf die freien Länder ausbreitet. Mit der Zerstörung des Rings endet aber auch die Herrschaft Saurons. Jedoch kann er nur in den Schicksalsbergen, weit im Einflussbereich Saurons, zerstört werden.
Während der Reise werden die Hobbits von den Dienern Saurons verfolgt und finden durch den Waldläufer Aragorn Unterstützung. In Bruchtal angekommen beraten Menschen, Elben und Zwerge wer den Ring in die lebensgefährlichen Länder tragen und im Feuer der Schicksalsberge zerstören soll. Die Wahl fällt auf den bisherigen Ringträger Frodo. Hilfe erhält er durch den Zwerg Gimli, den Elben Legolas, Boromir, Gandalf sowie seiner bisherigen Begleitung. So macht sich die neunköpfige Gruppe bereit für die Reise, den entscheidenden Sieg des Guten über das Böse mit sich tragend.

Bevor Peter Jackson mit seiner "Herr der Ringe"-Trilogie bewies, dass die enorm umfangreichen Romane durchaus gekonnt und erfolgreich auf die Leinwand zu bringen sind, versuchte sich bereits Ralph Bakshi ("Feuer und Eis") an dem als unverfilmbar geltenden Stoff. Durch den Zwang in einem abendfüllenden Film soviel wie möglich zu erzählen wurden nur die ersten beiden Bände "Die Gefährten“ sowie "Die zwei Türme“ in Bakshi's "Der Herr der Ringe" zusammengefasst und sinnvoll komprimiert, ohne dass dabei der rote Faden oder wesentliche Handlungsstränge verloren gingen. Trotz allem wirkt die Zeichentrickvariante der Bibel aller Fantasy-Jünger unvollendet, gerade da sie an den Kinokassen scheiterte und die Verfilmung von "Die Rückkehr des Königs" somit ausblieb.

Dabei ist der Zeichentrickfilm aus optischer Sicht äußerst gelungen. Bakshi's Stil ist höchst kreativ und charmant, sodass seine bewegten Bilder mehr an Holzschnitte, denn an einen Trickfilm denken lassen. Die beeindruckenden, farbenfrohen, zum Teil auch düsteren, statischen Hintergründe zeugen von großem Talent und viel Liebe zum Detail, während die Designs, die Gesichter und Bewegungen der Figuren an "Das letzte Einhorn“ erinnern.
Bakshi nutzt für die Animation der Figuren zu einem großen Teil das Rotoskopie-Verfahren, was den Film von anderen Zeichentrickfilmen abhebt. Zunächst noch mit echten Schauspielern gedrehte Szenen wurden dabei nachträglich überzeichnet. Das Ergebnis sind butterweiche Bewegungen der gemalten Figuren, die zeichnerisch in der verwendeten Anzahl sonst kaum möglich gewesen wären. Eine echte Innovation, denn selbst Disney nutzte erst Jahre später computerunterstützte Animation, um handgezeichnete Massenszenen und deren hohen Kostenfaktor zu vermeiden.

Die Problematik an Bakshi's "Der Herr der Ringe" liegt jedoch in seiner belanglosen Inszenierung. Trotz temporeicher und sehr eindringlicher Sequenzen gelingt es ihm nicht den Zuschauer durchgehend zu fesseln. Durch die verhältnismäßige sehr kurze Laufzeit wirkt sein Film stattdessen eher gehetzt und atemlos, was insbesonders plötzliche Handlungssprünge verursachen.
Erschwerend hinzu kommt die Emotionslosigkeit der Charaktere oder deren Bedeutungslosigkeit. Nur wer die Romane kennt wird mit einigen nur am Rande erwähnten Figuren etwas anfangen können oder nicht verwendete vermissen.

Sowohl an Spannung wie auch an epischer Größe lässt es "Der Herr der Ringe" missen. Bakshi's Zeichentrickfilm enthält zwar überwältigende Bilder und eine äußerst flüssige Animation der Charaktere, schwächelt jedoch in der Inszenierung. Zu schnell und emotionslos reist der Film die wichtigsten Ereignisse der ersten beiden Romane an. So wirkt diese Umsetzung leider nur wie eine unvollendete Zusammenfassung der bekannten Fantasy-Literatur mit prächtiger Optik.

6 / 10

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