Es hat diesmal nicht allzu lange gedauert, bis Ralf Möllenhoff, Independent-Filmer aus Lünen, seine drittes, für den Amateur-Bereich eher untypisches Werk vorlegt.
Im Gegensatz zu klischeebeladenen Zombiegeschichten oder vorhersehbaren Slashern versucht er es nun mit einem fast surreal anmutenden Interieur eines verlassenen Krankenhauses und einer Menge Visions im bizarren Bereich.
Drei Stadtplaner treffen in einer Geisterstadt um Weihnachten ein, um Abweichungen verschiedener Karten zu überprüfen. Doch kurz nach ihrer Ankunft wird der erste ermordet, Leo verschwindet spurlos und Jan (Michael Möllenhoff) ist auf sich allein gestellt, - umgeben von maskierten Figuren in Weihnachtsmann-Kostümen und dem Geheimnis eines Arztes, der an Heiligabend eine schwerwiegende Entscheidung traf…
Sehr frei nach einer Kurzgeschichte von E.A. Poe taucht man hier rasch in die Gefilde einer gepeinigten Seele ein. Der Ort erscheint hingegen wie das Spiegelbild seines Innenlebens, - ungeordnet, unerfüllt und teilweise sich selbst etwas vormachend.
Immer wieder wird Jan von Frau und Sohn angesprochen, nicht schon wieder vorzeitig aufzugeben, endlich ein Ziel zu verfolgen und sich auf die Zukunft zu konzentrieren, wobei nie sicher ist, inwieweit alles nur Einbildung oder eine Melange zwischen Gegenwart und Vergangenheit darstellt.
Verstärkt wird die alptraumhafte Szenerie durch einige handgemache Splattereffekte wie abgetrennter Hand, offenem Bauch und zertrümmerten Schädeln, als auch durch die merkwürdigen Gestalten, die wie Weihnachtsmann-Zombies in der Gegend herumstehen oder sich nur langsam fortbewegen. Hinzu kommen auffällig viele Bilder mit Spiralen und von der Decke baumelnde Weihnachtsfiguren aus Porzellan.
Erstaunlich effektiv, wenn auch zuweilen etwas übertrieben ist die Soundkulisse ausgefallen, die einige Schockmomente bewirkt und selbst mit so simplen Mitteln wie Loops aus Windgeräuschen Stimmung verbreitet. Auch das leere, zum Teil verwahrlost anmutende Hospital sorgt für eine angemessen düstere Atmosphäre.
So treten ab und an kleine Randfiguren in Erscheinung, es gilt das Geheimnis von Weihnachten 1982 zu entschlüsseln und dem Kollegen zu helfen, der mit einer schweren Wunde nicht mehr allzu viel ausrichten kann.
Leider tritt die Szenerie manchmal ein wenig auf der Stelle und Vorgänge wiederholen sich, - da hätte ein wenig mehr Einfallsreichtum gut getan und auch einige Figuren mehr wären der Abwechslung dienlich gewesen.
Dass die Geschichte wiederum nicht primär auf eine Pointe hinarbeitet, unterstreicht das nicht unspannende, im Endeffekt aber zu vorhersehbare Finale mit kleinem Twist.
Letztlich ist Möllenhoff mit seinem dritten Streifen ein interessanter und handwerklich ordentlicher Beitrag mit einer angemessenen Laufzeit von rund 76 Minuten gelungen.
Darstellerisch nicht übel, kameratechnisch sogar szenenweise recht ambitioniert, ist das Werk am ehesten etwas für Freunde experimenteller Horrortrips.
Weniger spannend, dafür jedoch mit einer ordentlich morbiden Atmosphäre ausgestattet, bietet er innerhalb zahlreicher Slasher und Zombiefilme auf Amateurniveau willkommene Abwechslung, nur fehlt der Geschichte an sich eine Portion Raffinesse und etwas mehr Tempo.
Freunde von Independent-Streifen sollten mal einen vorsichtigen Blick riskieren…
5,5 von 10