Wieder ein recht unheimlicher Film, bei dem man sich in die Situation in ein fremdes Dorf zu kommen und erst zu spät zu merken, daß die Menschen in Bestien verwandelt wurden, wunderbar hineinversetzen kann. Wenn die Leute dann fast regungslos um das Haus herum warten, so erinnert dies an "Die Fürsten der Dunkelheit", aber man glaube es oder nicht, der deutsche Amateurfilm "Nerves" gefällt mir insgesamt besser als der gute Carpenter "Fürsten der Dunkelheit", weil die Handlung in gewisser Weise offener ist und mit mehr optischen Details gearbeitet wird.
Irgendwie hat das Team trotz SEHR beschränkter Mittel, den Dreh raus, wie man winzige Sequenzen, wie das Durchgehen durch eine Tür, so stilvoll in Szene setzt, daß Atmosphäre entsteht. Auch ohne ständig etwas passieren zu lassen, schafft es der Film, daß gerade die ruhigen, ereignisarmen Passagen äußerst spannend werden. Wenn der Hauptdarsteller z.B. durch das fremde Haus oder den Garten geht und einige kleinere Spuren merkwürdiger Dinge findet, dann sind es entweder recht leise Schritte oder Windgeräusche, die sehr geschickt zur Erzeugung unheimlicher Stimmung eingesetzt werden, oder es sind verschiedene Arten von Musik. Manchmal ist es leise, unterschwellig Musik, manchmal herausfordernd intensive, und manchmal pochende, welche dann die Dramatik fast unerträglich steigert.
--Es gibt nur sehr wenige Filme, die Szenen ohne Ereignisse nur durch die Musik so spannend machen können - und da schließe ich den Hollywood-Profi-Bereich mit ein.--
Die gewagten und ungewöhnlichen Kamerapositionen verstärken dabei den unheimlichen Eindruck. Später kommt für kurze Phasen noch ein raffiniert-verwirrender Schnitt dazu.
Ich bin mit den Leuten weder persönlich befreundet noch habe ich Geschäftskontakte, also auch keinen Grund überhöhtes Lob zu geben, aber in finde innerhalb des deutschen Amateursektors die beiden Filme des Möllenhoff-Teams aus Lünen ("Dead Eyes Open", "Nerves") außergewöhnlich spannend und ich habe mich wirklich streckenweise gegruselt...sagt einer, der bei "Conjuring" Gähnanfälle bekommt, und bei "Zimmer 1408" eingeschlafen ist.
Auch brutale Bluteffekte gibt es, aber es baut nicht vorrangig darauf auf. Die stimmungsvolle Erzeugung schauriger Szenen steht im Vordergrund. Die blutigen Effekte werden so selten eingesetzt, daß es immer noch ein stilvoller Gruselfilm bleibt und nicht zu einem Effektspektakel verkommt. Sehr hart sind sie aber doch.
Natürlich wirken etliche Darsteller sehr amateurhaft, aber dies hält sich in erträglichen Grenzen und sie bringen ihre Dialoge gut genug herüber. Die blutigen Effekte sind so selten gesetzt, daß es immer noch ein stilvoller Gruselfilm bleibt und nicht zu einem Effektspektakel verkommt. Sehr hart sind sie aber doch.
Die beiden Filme sind zwei Highlights, über die viel zu wenig gesprochen wird.
Einer der zehn besten deutschen Amateurfilme !