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Rich and Famous entstand im gleichen Jahr wie der propagierte Urvater des Heroic Bloodshed Genres A Better Tomorrow, und setzt auch die gleichen Themen Ehre, Freundschaft, Bruderschaft und Familienbande und seine Kontraste Verrat, Betrug und Feigheit als Rahmen für ein mehrere Jahrzehnte umspannende Familen- und gleichzeitig Gangstergeschichte, ohne aber die gleiche emotionale und kinetische Wirkung zu erzielen.
Dabei ist der Film wahrlich kein schlechter, was er vor allem der souveränen Regie Taylor Wong’s und seiner Starbesetzung verdankt, die der eher ruhigen Erzählweise den nötigen Halt verschaffen und in etwas gemächlicher, aber sorgfältiger Art und Weise die Geschichte aufbauen lässt. Wem das Ganze etwas zu lange dauert und die bisher wenigen Actioneinwürfe zwischendurch nicht wirklich auslasten kann sich damit trösten, dass am Ende der direkten Fortsetzung Tragic Hero alles harmonisch zusammengefügt ist und dort dann auch wirklich die Hölle losbricht.

Der Film beginnt 1953 und zeigt kurz die Herkunft von Yung [ Alex Man ] und seinem adoptierten Bruder Kwok [ Andy Lau ], um sich dann schnell ins Jahr 1969 zu begeben, als Kwok wie anscheinend häufiger Yung raushauen muss und dies auch mit Leib und Seele versucht. Diesmal reicht es aber nicht, Yung soll soll innerhalb von 10 Tagen eine höhere Summe abliefern, ansonsten ist er dran; Shutter Mak [ Alan Tam ] gibt den beiden den Tipp, eine Drogenlieferung an der Grenze abzufangen.
Dies gelingt zwar, danach wird aber ihre Schwester Chui [ Pauline Wong ] verletzt und Kwok vom bestohlenen Gangboss Chu Lo Tai [ O Chun Hung ] entführt und gefoltert. Als letzte Hoffnung wendet man sich an den etwas vornehmeren Triadenführer Li Ah Chai [ Chow Yun Fat ] und bittet ihn um Hilfe. Nachdem die Rettung durch Verhandlungen geglückt ist, wird Chui als Haushälterin bei Chai angestellt; Kwok und Yung arbeiten sich als Schuldeneintreiber für ihn hoch.
Der Rest des Filmes konzentriert sich dann auf 1973, die Feindschaft zwischen Chu und Chai hat sich verstärkt, ausserdem muss sich Kwok zwischen seinen abtrünnigen Bruder und Chai entscheiden.

Die Ereignisse sind mit genügend griffigen Personenkonstellationen gewürzt, fokussieren sich aber über die Laufzeit eindeutig auf die Dreierbeziehung Chai, Kwok und Yung, die am Ende auch den brachialen Showdown austragen. Dabei steht Chai als Konstante fest, während sich alles um ihn herum dreht und ändert; die Figuren kommen und gehen und das Geschehen zirkuliert sich. Dafür greift er selber auch relativ wenig direkt ins Handlungsgefüge ein und bleibt trotz der Besetzung Chow Yun Fat`s eher blass und statisch; als er zwischendurch während einer Belagerungsaktion mal etwas agiler wird, wirkt das schon wieder fast überinszeniert und kommt über Prätentiösität nicht hinaus.
Die anderen Charaktere sind auch etwas zu einseitig und vor allem stereotyp gezeichnet, was sich zwar erst bei der späteren Herauskristallisierung von Kain und Abel bemerkbar macht, dann allerdings auch richtig derb. Wobei das aber auch an dem strammen Typcasting von Man und Lau liegt; einen Waise Lee sah man die Schandtaten anfangs nie an, bei Man strahlt das diabolische Grinsen ab der ersten Sekunde.
Das Auseinanderbrechen der Familienbande ist zudem schon recht früh sichtbar und eigentlich dann auch nachvollziehbar, der weiteren Fortgang der Handlung sollte die Beteiligten am wenigsten überraschen, ist zumindest für den Kundigen wenig erstaunlich.

Ein leichtes Abgleiten in Soap – Elemente bringt etwas Romantik und Menschlichkeit ins ansonsten geschäftliche Geschehen, Chui ist heimlich in Chai verliebt, Yung hat auch augenscheinlich ein zweiten Blick auf Mak’s Schwester Po Yee [ Carina Lau ] geworfen, verkuppelt sie aber vor seinem Rausschmiss noch mit Chai.
Treten hierbei auch mal Szenen mit verletzten Hündchen im Regen auf, so wird dennoch nicht das eigentliche Thema aus den Augen verloren, die Action hält sich aber im Gegensatz zum chronologischen nachfolgenden, aber vorher veröffentlichten Tragic Hero in Grenzen: Die erwähnte Belagerungsaktion, ein kurzer Anschlag auf offener Strasse und ein relativ ruppiges Hochzeitsmassaker am Ende, wobei die Inszenierung nicht so sehr dem stilisierten Vorgehen eines John Woo entspricht, aber auch ohne dessen Effektivität zu erreichen soweit gelungen ist. Nur halt zu wenig; aufgrund des dann offenen Endes ist ein alleiniges Ansehen nur diesen Teils auch eher unbefriedigend.

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