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Es gibt einen Tag im Jahr, an dem vor allem die Männer der kapitalistischen Welt wie ein Heuschreckenschwarm in nahegelegene Blumenläden einfallen. Neben den klar in Führung liegenden Floristen dürften sich auch Anbieter von Herzmotivkärtchen, Plüschtieren oder allerlei anderem Kitsch über den Umsatzstärksten Tag der Saison freuen. Erraten, es geht um den vor allem beim weiblichen Geschlecht überaus populären Valentinstag.

In Hollywood war man immer schon in erster Linie geschäftstüchtig. Warum sollte man also an einem solchen Goldgräbertag dem Einzelhandel die ganze Sahne abschöpfen lassen? Schließlich versteht man es doch selbst mit am besten gewinnbringend auf der romantischen Klaviatur zu spielen.
Also gibt es jetzt den Film zum Tag. Und damit blos keine Missverständnisse aufkommen und insbesondere jederfrau gleich weiß was Sache ist, hat man sich beim Titel auf keinerlei Experimente eingelassen. Der Film heißt wie der Tag und er fühlt sich auch so an. Die meisten Frauen werden ihn lieben, die meisten männlichen Partner werden ihn zumindest an dem besagten Tag akzeptieren, ihr zuliebe.

Neben der zuckersüßen romantischen Botschaft heißt die Devise bei Valentinstag vor allem "klotzen statt kleckern". Mit einem schier unglaublichen Staraufgebot will man offensichtlich möglichst viele Geschmäcker ins Kino locken. Die Besetzungsliste liest sich dann auch wie das "who is who" der romantischen Komödie.
Angeführt von Genre-Veteranin Julia Roberts geben sich unter anderem Jessica Alba, Jennifer Garner, Jessica Biehl und Anne Hathaway die plüschige Klinke in die Hand. Reese Witherspoon war wohl verhindert und Sandra Bullock hat es im Moment definitiv nicht nötig, sich in ein Ensemble einzufügen. Ach ja, für die älteren Semester hat man Shirley MacLaine ausgegraben und für den etwas derberen Humor darf mal wieder Queen Latifah ran.
Auch auf er männlichen Besetzungscouch drängen sich allerlei Thema-erprobte Hochkaräter. Ashton Kutcher, Patrick Dempsey und Topher Grace haben gefühlt sämtliche RomComs der letzten 5 Jahre bevölkert. Hangover-Star Bradley Cooper hat da noch etwas Nachholbedarf, holt aber mit Riesenschritten auf. Die einzige sanfte Überraschung in der Männerriege ist Jamie Foxx, aber der spielt ja bekanntermaßen überall mit.

Eine solch namhafte Mammutbesetzung ist natürlich nur in einem Episodenfilm unterzubringen, schließlich will keiner nur Support für die Konkurrenz sein. Zudem hat ein ähnliches Konzept vor ein paar Jahren ja schon bei Tatsächlich Liebe wunderbar funktioniert. Auch dort gaben sich an einem Festtag der Liebe (in diesem Fall Weihnachten) vornehmlich britische Stars ein romantisches Stelldichein. Auch dort wurden die Irrungen und Wirrungen der Liebe durch geschickt miteinander verwobene Episoden auf anrührend-charmante Art aufbereitet. Was sollte also noch schief gehen?

Rein wirtschaftlich gesehen offenbar nichts. Valentinstag spülte am ersten Wochenende über 60 Millionen $ in die US-amerikanischen Kinokassen. Ein für dieses Genre sicher eindrucksvolles Ergebnis. Dass finanzieller Erfolg aber noch lange keinen guten Film ausmacht, ist nun wirklich kein Branchengeheimnis. Zwar ist Valentinstag kein qualitativer Reinfall, im Vergleich zu Tatsächlich Liebe offenbart er allerdings deutliche Schwächen.
Anders als beim britischen Vorbild sind viele Episoden einfach zu belanglos und klischeehaft. Da gibt es die hundertfach gesehene junge Highschool-Liebe kurz vor dem ersten Sex. Da gibt es den fremdgehenden Ehemann, der am Ende beide Frauen vergrault. Natürlich darf auch die Sandkasten und Rentner-Liebe nicht fehlen.
Obgleich es in Tatsächlich Liebe ähnliche Konstellationen gab, fehlen der US-Variante Charme, Bitterkeit und zu Herzen gehende Romantik. Alles wirkt oberflächlicher, kitschiger und letztlich unglaubwürdiger als beim englischen Pendant. Das liegt neben dem deutlich schwächeren Drehbuch auch an der Besetzung. Während Mimen wie Alan Rickman, Emma Thompson, Bill Nighy und auch Hugh Grant allesamt auch schon in Charakterrollen überzeugten, hat man in Valentinstag hauptsächlich Vertreter der leichten Unterhaltung rekrutiert. Dazu kommt, dass die Querverbindungen zwischen den vielen Paarungen teilweise arg konstruiert und an den Haaren herbeigezogen wirken. Dass Patrick Dempsey ausgerechnet im Blumenladen des besten Freundes seiner neuen Eroberung zwei Blumensträuße ordert (für Ehefrau und Geliebte), ist in einer Stadt wie Los Angeles mit einem 6er im Lotto vergleichbar.

Trotz aller Kritik gibt es aber doch ein paar anrührende Momente und ein bis zwei wunderbar gespielte Episoden. Vor allem Bradley Cooper und Julia Roberts versprühen als zwei zufällig nebeneinander sitzende Fluggäste etwas von der romantischen Magie, die man sich für den gesamten Film gewünscht hätte. Hier ahnt man auch nicht wie die Sache ausgehen wird und ist am Ende zu gleichen Teilen überrascht und gerührt. Ansonsten herrscht weitestgehend Mittelmäßigkeit, gegen die lediglich vom ungemein sympathischen Ashton Kutcher und der mit einer wirklich witzigen Rolle gesegneten Anne Hathaway beherzt angespielt wird.

So ist Valentinstag größtenteils leider ein Film der verpassten Möglichkeiten. Beim Versuch den britischen Hit Tatsächlich Liebe auf amerikanische Verhältnisse zu übertragen, ging eine ordentliche Portion Tiefsinnigkeit, Charme und Herzenswärme verloren. Trotz Genre-Profi Garry Marshall auf dem Regiestuhl (Pretty Woman, Die Braut, die sich nicht traut) und einem eindrucksvollen Starauftrieb berührt der Film nur selten. Zu oberflächlich sind die meisten Charaktere, zu klischeehaft viele Situationen und zu unglaubwürdig die Verwobenheit der einzelnen Episoden. Aber das dürfte die Macher nicht allzu sehr betrüben. Schließlich funktioniert Valentinstag zumindest kommerziell ausgezeichnet. Und das hat bei diesem Fest ja gewissermaßen Tradition.

(5,5/10 Punkten)

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