Review

Hinter dem knalligen, im Zusatz mit Regisseur Herman Yau noch auflagenstärkeren Titel verbirgt sich alles andere als die rein von seinem Thema und deren Verstrickung ausgehende Gebundenheit. Das Interesse löst hier weder Yau als Genrefilmer noch sein aus den frühen Neunzigern erschaffener Ruf als Category III Spezialist aus, dessen Akzeptanz sich in den zwei Jahrzehnten seitdem allgemein und in den letzten Jahren speziell sowieso stark gewandelt hat, sondern alleinig die Herangehensweise der Ab- und Ansage an die junge Generation in Form einer Schwarzen Komödie über oft völlig gleichgültige Dinge. Diesmal wird sich nicht auf Zeiten und Welten besonnen, die fern der Realität und/oder weit zurück in der Vergangenheit liegen, sondern die Wege des Irrens moderner Menschen in der Gegenwart und die Auswege aus dieser ständigen labyrinthischen Verstrickung zum Anlass genommen.

Dabei stehen die Widrigkeiten des Alltags im Hintergrund des unzählig verzweigten, zusätzlich darin noch weiterhin aufgespaltenen und so ein nahezu unüberschaubaren Mikrokosmos ergebenen Gedankenaura, in der der Mensch entweder von sich selbst oder seiner Umgebung gerettet werden muss. Von aktuellen Tendenzen inspiriert und von lauter Anarchie und ebenso kreischender Disharmonie in ihrer gewissen Anstrengung entstanden sind die einzelnen Bereiche und ihre generellen Leitworte. Mann und Frau, Leben, Liebe und Tod, Geld und Glück, Zufall und Schicksal. Das Ganze als bewußt expressionistisches, zwischen Auslöung und Auflösung und Lust und Überdruß der Sinnesreize gehaltenes Symbol. Im vollen Bezug zur begrenzten Lokalität Hong Kongs, in dessen vier Ecken der Bürger in seiner Abhängigkeit in den gesamten Sozial-, einschliesslich natürlich der Berufsbeziehungen gefangen ist und ständig Leib und Leben bedrohende Risiken eingeht:

Der aufstrebende Comicautor Luk [ Luk Wing-kuen ] sieht sich kurz vor der Vollendung seines Werkes, daß er ebenso begierig veröffentlicht sehen und an den Mann bringen will. Auf der Suche nach dem geeigneten Verleger vernachlässigt er prompt seine Freundin Julia [ Charmaine Fong ], die ständig sitzen und alleingelassen mitten in der Nacht die Wohnung verlässt und sich eine eigene Bleibe sucht. Während Luk des Tags darauf noch überlegt, wie er seine Beziehung zu retten hat, und er sich gleichsam auf dem Weg zum ominösen, aber wohl das nötige Kleingeld und Interesse an seinem Werk besitzenden Triadenfürsten Don Guo [ Fan Siu-wong ] und dessen konkurrierender Gangster-Exfreundin Sister Dragon[ Maggie Siu ] macht, erlebt er allerhand merkwürdige Abenteuer, die die Mitmenschen um ihn herum schneller in das Jenseits bringen, als die Schlagzeilen hinterher kommen.

Eingeleitet wird diese durchbrochene Illusionsbühne prophetischer Zwischenspiele durch den "Angel of Death" [ Chet Lam ] höchstpersönlich, der mit Federkiel und Tinte am Schreiben des Buches des Todes, und sich bei dieser Tagesaufgabe am Wundern ist, wieso ausgerechnet Heute soviele das Zeitliche segnen. Die eingekreisten 24h stellen dadurch neben der gewissen sozialkritischen Karikatur, in der vor allem auch Sensations- und Streitlust auf die Schippe genommen werden, ein Aufbegehren gegen übermenschliche Kräfte und das Gefangensein in den lächerlichen Schranken der Gesellschaft, die ihm aufgebürdet wurden.

Im Grunde genommen nimmt sich dies als ein gewissermaßen schon hektisches, da in der Kürze der Zeit übervolles und atemloses Treiben aus, in dem man jede Sekunden Bekanntschaften schliessen und wieder beenden und die Hirngespinste formen und weiterleiten und auch wieder zurücknehmen kann. Offensichtlich angesprochen werden dabei auch nur Diejenigen, die in der Lage sind, die zahlreichen, allerdings von außerhalb der Stadtgrenze nahezu komplett unbekannten Gastauftritte so eben nur örtlich prominenter Personen, meist Sänger und angehende Schauspieler auch zu erkennen. Vorzugsweise und nahezu komplett ähnlich wie auch bei den von Oxide und Danny Pang produzierten, ebenfalls außerhalb der in-group nahezu unbekannten See You in You Tube, Trick or Cheat und Seven 2 One die jüngere Klientel, welche mit interaktiven Massenmedien und dem Klatsch und Tratsch darum aufgezogen auch das nötige Wissen und den Drang und Zwang zum Aufnehmen ständig einströmender Informationen, so nichtig sie auch sein mögen, besitzen. Die Geschichte des Luk teilt sich dabei von Beginn an in unterschiedliche Unterpunkte, die zuweilen scheinbar überhaupt nichts mit ihm zu tun und schaffen haben, außer eben durch eine Art Link irgendwann mal miteinander verbunden gewesen zu sein.

Quasi eine oft komplizierte, zuweilen auch faszinierende Form des Six Degress of Separation, mit einer Biographie verschiedener Lesweisen; der des Schriftstellers im Film und der Autorin des Filmes, der des Regisseurs, der des Addressaten, und der des imaginären oder fiktiven Kontextes. Aneinandergereihte Bilder verzerrter Steigerung. Entfesselndes Herumtreiben durch die Stadt und ihre Zeitungsschlagzeilen. Volles Personenverzeichnis oft ohne erklärende Angaben über Name, Stand oder gar Herkunft und Charakter des Betreffenden.

In seiner Ausgestaltung eigener kosmischer Mythologie frei ist somit auch schnell die Form der Erzählung[en], die schon zumeist routiniert bis seicht filmisch behandelt werden, aber ebenso Einfügungen in Form aus dieser Erstarrung entbrechender Stilblüten aufweisen. Luks Comicwerk selber bekommt seine eigene Zwischenepisode präsentiert, eine Dichtung über zwei Schwestern, die während des Neujahrsabends im Kreise ihrer jeweiligen Ehemännern erst gegenüber dem einen Angeheirateten in Rage geraten und sich schliesslich gemeinsam zu Dritt gegen den anderen verbünden.

Da dieser Abschluss voll Beleidigung, Sachbeschädigung und Trenung allein nicht kommerziell genug sein soll und der eventuelle Verleger auf mehr Mord und Totschlag pocht, werden die folgenden Verkettungen und auch die Zersplitterungen der Kausalkette mit einigem Bodycount, wenn auch nur als selbst aktiviertes, vom Comic-Produzenten extra gewünschtes Potential angereichert. Gedankenspiele oder Tagträumerein vollziehen sich in eingeschobenen Kurzsketchen, die gleichzeitig digital veraltet, minimal beschleunigt und mit seltsamen Farbanstrichen bzw. dem leichten Entzug dieser in eine jeweils einzelne Kunstgattung montiert werden. Die Möglichkeiten künftiger Entwicklungen, oder wie sich das Hier und Jetzt geändert hätte, wenn Zurückliegendes anders verlaufen wäre, als grafische Neubildungen, ähnlich einer verschollenen Werbeaufnahme aus den Sechzigern.

Details
Ähnliche Filme