Review

Selten
greife ich zur Vorspultaste. Aber JJ war nur mit ihrer Hilfe zu
ertragen: gleichermaßen rassistisch, männer-, frauen- und
publikumsfeindlich. Lachen musste ich nur angesichts der
haarsträubenden, unglaublichen Unverfrorenheit, mit der der Film
Motivationen ignorierte, schwache Gags auswalzte, sich mit endlosen
Renn-, Latsch- und Autoszenen streckte und zwischendurch schlechte
Stunts als Prügelszenen verkaufen wollte. Dazu noch schlechtes
Timing und gräßliche Synchro: Mit JJ wurden sowohl die Figuren als
auch die Zuschauer beleidigt.




Die
Frauenrollen, mit immerhin hübschen, wohl nach Süßigkeitsfaktor
ausgewählten Damen besetzt, sind erstaunlich – weil sie für das
Jahr 2000 so unglaublich passiv, desinteressiert und
schicksalsergeben gezeichnet werden. Und, noch schlimmer, sie laufen
Kerlen nach, die den Laurel & Hardy-Preis für Dummheit und
Selbstmissachtung verdient hätten – wobei uns in Laurel &
Hardy-Filmen klar ist, nicht zuletzt wegen ihres Alters, dass wir uns
in einer komödiantischen Parallelwelt befinden, während JJ immer
wieder versucht, den Versuch des Komischen in der gegenwärtigen
Realität einzuordnen, wobei beides verfehlt wird: Realität und
Komik. "Real" sollen z.B. wohl die ausländischen
MitbürgerInnen sein, die JJ aber mit übelsten Klischees (d.h.:
Beleidigungen) präsentiert: Zwangsheirat, Männergewalt, Choleriker,
schielende Großmutter, dickbäuchiger Vater (mit gräßlichem
Overacting), Kinder so ignorierend, dass es an Misshandlung grenzt.



Trotzdem
noch unerträglicher werden aber die zwei Hauptfiguren behandelt, die
grundsätzlich immer das Dümmste tun, was sich erfinden lässt –
was aber völlig ernstgemeint wirkt. Sie sollen wohl Sympathieträger
sein, sind dafür aber zu unglaubwürdig. Sie werden sogar
tatsächlich als Scheißesammler eingeführt, kein Witz. Doch nicht
mal das wird für Witze genützt, oder gar visualisiert, sondern
findet nur im Dialog statt. Eingeführt, und gleich wieder
verschenkt! Worüber ich allerdings froh bin...



So
was wie Handlung ist: Scheißesammler 1 (der mit Glatze und dem einen
Gesichtsausdruck) ist impotent: JJ präsentiert als seine Lösung: Er
lässt sich masomäßig auspeitschen, weil ja "manche mögen's
hart". Ob er selbst das mag, diese Frage kommt seiner Figur gar
nicht in den Sinn. Wegen seiner Impotenz rät man ihm: Geh zum Arzt!
Geniale Antwort: "Nein, da kann ich ja gleich in Krankenhaus
gehen." Oder: "Nein, der steckt mir bloss einen Holzstab in
die Eichel." Oder: "Statt Sex können wir doch ins Kino
gehen."



Ein
ungehobelter, übergriffiger Fremder packt ihm, als er gerade durch
die Gegend latscht (wieder so einne unmotivierte Latschszene!) seinen
häßlichen Riesenhund auf die Arme ("Hier, pass mal auf ihn
auf!"): Lösung: er stimmt nicht nur zu, sondern lässt die Töle
vor lauter Ungeschick sogleich laufen, statt ihn einfach am Halsband
festzuhalten. Er stemmt zwar Hanteln im Schlafzimmer und trägt
enorme Muckis spazieren, lässt sich aber nicht nur von Hund und
Herrchen, sondern von Jedermann rumschubsen und zusammentreten. Aber
leider nicht von christlichen Werten inspiriert (Bergpredigt, andere
Wange und so), das würde ja Reflexion voraussetzen, sondern: einfach
so, ohne Begründung. Er wird halt verprügelt. Sich wehren, d.h.
schlagen tut er nur einen schwächeren Kerl, einen Mr. Harmlos, mit
dem seine Gefährtin Kaffee trinkt. Diese Gefährtin, deren Hilfe er
ablehnt, mit der er nicht spricht, die ihn verlässt, weil er ein
Idiot ist. Auch dem Film ist sie egal: Die Geschichte mit ihr
verschwindet, sobald Glatzkopf eine andere trifft. Auch bleibt die
Frage offen, was beide an ihm fanden/finden...



Handlung
2: Kerl 2 (der mit Migrationshintergrund) soll von Oma und Vater
verheiratet werden. Seine (wie gesagt, die dümmste) Lösung: Er
verheimlicht das seiner festen Freundin, belügt sie, lässt sie
stehen, redet lieber Vater und Oma nach dem Mund, labert denen aber
zugleich von "wahrer Liebe" die Ohren voll (natürlich hört
da keiner zu – siehe Rassismen oben), er verschweigt hartnäckig
seine Freundin, verbringt seine Zeit mit (Zwangs-)Schwager und
(Zwangs-)Braut, trotz Unwillen. Seine Lösung ist Nichtstun. Wenn's
dann nach ihm geht, so soll lieber die Braut die Arbeit machen, die
Situation klären, ihren Eltern die Heirat ausreden, damit er nichts
tun muss – obwohl ihr in dem Fall die Zwangsverschickung in den
Libanon droht, während ihm: Gar nichts droht. Natürlich beschwert
sie sich nicht, sondern scheint irgendwie zuzustimmen – der Film
lässt sie letztlich aber gar nicht reagieren.



Die
Beziehung gehört zu JJ's Konzept, dass die zwei Kerle, trotz oder
wegen Einfalt, nie davon abzubringen sind, alles besser zu wissen.
Ungehemmt von Selbstzweifeln stolpern sie durch die Geschichte.
Selbst den zwei süßen Frauen, wird, trotz ihrer Schwächen, noch
mehr gesunder Menschenverstand zugeschrieben, was den Film aber nicht
dran hindert, die klügeren Frauen stets dem Willen der Männchen
unterzuordnen, klaglos Lug, Betrug und Schwäche zu verzeihen: ihr
Daseinszweck in JJ ist: süß aussehen, dumme Kerle anhimmeln. Auch
sie: unglaubwürdig.



Zaudern,
Apathie, Tölpelhaftigkeit und unfähige Schauspieler, selbst wenn
sie in Büsche geschubst werden, sind weder sympathisch, noch lustig.
Großaufnahmen zu Musik machen noch keine Liebe. All das macht keinen
Spaß.

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