Review

"Amer" ist aufgrund seines durchgängigen roten Fadens und dem Verzicht auf das klassische Storytelling, in vielerlei Hinsicht ein Wagnis, was vor allem von seinen Bildern und der daraus entstehenden visuellen Sprache lebt. Dialoge gibt es wenige und der Film zerfällt in 3 Episoden, die sich mit dem Heranwachsen von Ana und ihren Ängsten vor dem Tod, dem eigenen Körper und der daraus ausbrechenden Sexualität beschäftigen und diese mit einigen Elementen des Giallo würzen. Überhaupt ist "Amer" eine Hommage an den Giallo, die viel Platz und Raum für eigene Interpretationen schafft und aufgrund ihrer vielen Umschnitte und Stilmittel wie der Farbdramaturgie nicht nur zum Schwelgen auch zum Nachdenken einlädt. Sicherlich ist dies kein Film für Jedermann, der schnell mal den Kick im Metier des Giallo sucht oder eine allzu ausgeklügelte Story erwartet, denn diese gibt es hier nicht, nur eine Aneinanderreihung von teils lyrischen und poetischen Bildern, die verklärenderweise in experimenteller Hinsicht aus der weiblichen Titelfigur ein Sinnbild für die dargestellte Männerwelt abgibt und eine voyeuristische Duftnote verteilt, wie man sie aus den 70er und 80er Beiträgen dieses Italo - Subgenres nur zu Genüge kennt. Dabei verstellt sich der Film gekonnterweise nicht und schreckt auch nicht davor zurück, die innere Logik zu verlassen und Bilder abzufeuern die Jenseits von dieser sind. Forzani und Cattet waren mutig genug, dies nicht nur als reinen Film zu sehen, sondern auch als Experiment was in einigen Momenten gekonnt die Sinne austrickst und daher so einige Vermutungen zuläßt. Kein reiner Giallo oder Euro - Horror, sondern die Reise in die tiefsten Urängste eines jeden Menschen.

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