Review

Die schönste Einschlafhilfe aller Zeiten?

"Amer" ist ein experimenteller Neo-Giallo, der nahezu ohne Dialoge auskommt und oft eher wie ein Rausch, ein Traum, eine Parfumwerbung als ein ausgewachsener Film daherkommt. Es geht um drei Episoden aus dem Leben einer Frau - als Kind, Jugendliche und Erwachsene - die geprägt sind von Angst, Sexualität und Fragezeichen. Als Spielfilm kann man "Amer" kaum bezeichnen, dafür spielt sich einfach zu wenig ab. Handlung, Figurenzeichnung oder ein cleveres Script sucht man vergebens. Vielmehr definiert sich dieses interessante Regiedebüt über seinen audiovisuellen Reiz. Technisch schnalzt man hier mit der Zunge. Durchgängig. 

"Amer" kann langweilen, nerven, Unverständnis auslösen. Doch er kann ebenso faszinieren, gefangen nehmen und noch längere Zeit unterschwellig beschäftigen. Er stimuliert die Sinne und spült über einen hinweg wie eine feuerrote Meeresbrandung. Audiovisuell ist das ein Erlebnis der Extraklasse. Wer jedoch, und das ist die Mehrheit, eine Geschichte oder greifbare Figuren braucht, für den ist dieser sexy Farbenrausch schneller eine Eintrittskarte in die Welt der Träume als ihm lieb ist. Zwischen Langeweile und Kunstausstellung. 

Fazit: visuell einer der schönsten Giallos aller Zeiten, ach was, einer der schönsten Filme. Doch inhaltlich war mir das zu magere Kost. Trotzdem: allein stilistisch ein Fest. Ein Augenweide von Visitenkarte. Erotisch, atmosphärisch, fragmentarisch. Mal Alptraum und mal feuchter Traum. Äußerst polarisierend und fordernd. Vor allem die Sinne. 

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