LETHAL LADY
In seinem modernen Klassiker LETHAL LADY (1990) schickt die HKer Legende Corey Yuen „Miss Hong Kong 1986“ und Samo Hung-Gattin Joyce Mina Godenzi auf einen blutigen und gnadenlosen Rachefeldzug. „Eine Polizistin zwischen den Fronten! Ihre Bestimmung ist Rache!“ schreit uns schließlich schon das VHS-Cover entgegen…
Polizist Albert (Tony Leung Ka Fei) - letzter männlicher Nachkomme der Huang-Familie - heiratet seine Kollegin Mina (Joyce Mina Godenzi), worauf seine ebenfalls im Polizeidienst stehenden Schwestern - insbesondere Ellen (Carina Lau) - rasend eifersüchtig werden. Mutter Huang (Tang Pik Wan) hingegen hegt letzte Hoffnungen auf einen männlichen Nachkommen. Als Mina und ihre Kolleginnen den Raubzug einer Gangsterbande vereiteln, sinnt diese auf Rache und vergreift sich an der Huang-Familie. Nach einem tragischen Todesfall vergessen Mina und Ellen ihre Dienstvorschriften und nehmen das Gesetz selbst in die Hand …
Multitalent Corey Yuen - Sohn des legendären Simon Yuen - zeichnet für eine große Anzahl Hong Kong-Klassiker (Karate Tiger 1 & 2, Tage des Terrors, Ultra Force 2) verantwortlich und ist schon seit mehreren Jahren erfolgreich als Regisseur (DOA: Dead or Alive) oder aber Action Director (Lethal Weapon 4, Kiss of the Dragon, The Transporter) in den USA tätig.
Mit seiner LETHAL LADY liefert er „femme fatale-modern day action“ in Reinform, wobei die Actionpalette natürlich im Mittelpunkt des Interesses steht. Nach einem Shoot-Out und einer Verfolgungsjagd zu Beginn, einem bleihaltigen Kennerlernen mit den Gangstern (u. a. Yuen Wah) und einem spektakulären Shoot-Out in einem Nachtclub hat Corey Yuen den Actionfan schon fest in seiner Hand: Autos explodieren und überschlagen sich, Gweilos wie Bruce Fontaine und Kenneth Goodman springen durchs Bild, eine Bande von Waffenhändlern geht im Pistolen- und MG-Gewitter unter und es werden im verdunkelten Club mit Blick durch Nachtsichtgeräte Gangster und Polizisten erschossen, welche daraufhin schon mal klirrend durch Fensterscheiben oder gleich ein Stockwerk in die Tiefe stürzen…
Mit einer ziemlich harten Schlacht in den Gängen und Kesselräumen eines Schiffs geht es weiter: Spaß ist garantiert, wenn zu fesselnder Musikuntermalung riesige Hämmer und Schraubenschlüssel geschwungen werden, Macheten zu Einsatz kommen und Kenner bekannte Gesichter wie das von Chung Fat, James Ha oder Deon Lam erspähen können. Ein besonders heftiger Motorradstunt könnte glatt aus einem Panna Rittikrai-Actioner stammen und die finale Auseinandersetzung zwischen Joyce Mina Godenzi und Agnes Aurelio auf einem Fabrikgelände bildet den krönenden Abschluss des Films. Witziger Fakt am Rande: einige Kampfszenen aus dem Finale hat Corey Yuen später 1:1 in DOA: DEAD OR ALIVE (2006) nachgestellt, nur sind sie hier noch handgemacht und sehen deutlich besser aus…
Obwohl LETHAL LADY im Allgemeinen nicht unter Längen oder unnötigen Nebenplots zu leiden hat, so hatte ich doch gewisse Probleme mit den etwas dramatischeren Szenen: einige Momente gehen tatsächlich ans Herz, doch leider verfallen die Darsteller teilweise dem „overacting“. Mit den in Zeitlupe gezeigten Gefühlsausbrüchen schießt man oftmals über das Ziel hinaus: sie wirken einfach „too much“ und teilweise sogar lächerlich. Doch Schluss mit der Kritik: HK-Action wie diese hier ist heutzutage leider ausgestorben und wächst mir gerade deshalb immer mehr ans Herz! Außerdem sollte die ungeschnittene LETHAL LADY nicht allzu schwer zu ergattern sein und zu allem Überfluss bekommt man sogar noch einen Gastauftritt vom großartigen Samo Hung geboten! So lasse ich mir Selbstjustiz schmecken…
7/10 Punkten, diBu!