Corey Yuen ist eine Ikone des gepflegten HK-Action-Kinos und wohl vor allem als Initiator der "Karate Tiger"-Streifen bekannt. Mit "Lethal Lady" legt er einen sehr auf amerikanisch getrimmten Action-Reißer hin. Die Namensbekanntschaft rührt nicht von Ungefähr, schließlich waren die frühen Neunziger eine der Hochphasen des Hollywood-Producers Joel Silver. Und auf dessen Konto geht aus dieser Zeit unter anderem eben auch die "Lethal Weapon"-Reihe.
Dieser Kracher hier wurde in erster Linie dazu gemacht, um Hauptdarstellerin Joyce Godenzi zum Star aufzubauen, doch in meinen Augen hat sie leider nicht ganz das Charisma bzw. den Sex-Appeal einer Amy Yip oder Maggie Cheung. "Lethal Ladys" hingegen ist rein inhaltlich ein typisches Buddy Movie von der Stange: zwei charakterlich völlig unterschiedliche Mädels tun sich zusammen, um es den Triaden heimzuzahlen...
Eines gleich vorneweg: der Film atmet den typischen Anfang-Neunziger-Spirit - sei es nun an den Klamotten, den Frisuren oder aufgesetzten stylischen Flair dieses Streifens. Natürlich hat sich Regisseur Yuen wieder alle Mühen gegeben, ein möglichst abwechslungsreiches Potpourri an spektakulären Martial Arts-Kämpfen und Gunfights zusammen zu stellen. Besonders der finale Schlagabtausch zwischen Godenzi und der athletischen Agnes Aurelio ist sehenswert. Auch wechseln die Locations möglichst häufig: Vom Frachtschiff übers Kieswerk bis hin zum Casino wird alles zerlegt bzw. als Kulisse verwendet. In erstklassiger Choreographie übrigens...
Was das Vergnügen leider ein wenig schmältert ist neben dem dünnen Plot auch die aufgesetzte Melodramatik. Das hätte nun wirlklich nicht sein müssen. So wirkt "Lethal Lady" nicht selten wie eine Seifenoper aus dem Nachmittags-TV, völlig übertriebenes Overacting inbegriffen. Dennoch ist der Film unterhaltsam, wenngleich auch keine intellektuelle Herausforderung.
Fazit: Für damalige Zeiten sicher ein Fernost-Kracher, heutzutage eher leicht altmodisch. Dennoch sympathisch und unterhaltsam. Dafür solide 7 von 10 Punkten.