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Ashley Judd scheint in Rollen emanzipierter Frauen gefallen gefunden zu haben. „High Crimes“ führt sie erneut mit Morgan Freeman zusammen, mit dem sie schon in „Denn zum Küssen sind sie da“ vor der Kamera stand. Als Claire Kubik lebt sie scheinbar den amerikanischen Traum. Als erfolgreiche Anwältin steht sie im Mittelpunkt der Öffentlichkeit, ihr Chef bietet ihr eine Partnerschaft an und in der heimischen Idylle wartet jeden Abend ihr liebevoller Ehemann Tom (James Caviezel), welcher als ehemaliger Marine inzwischen seinem Handwerksberuf nachgeht und nebenher mit seiner Frau fleißig am familiären Nachwuchs arbeitet. Doch als sie während eines Weihnachtsbummels plötzlich von einer Polizeieinheit verhaftet werden, da diese versehentlich die Fingerabdrücke des Ehepaares mit denen von Eindringlingen (bei Kubiks wurde eingebrochen) verwechselt, gerät die heile Welt der Kubiks aus den Fugen. Plötzlich steht Tom vor einem Militärgericht und wird in 9 Fällen des Mordes bezichtigt.

Auf Grund der hochwertigen Besetzung darf man einen spannenden Gerichtsthriller Marke „Eine Frage der Ehre“ erwarten, doch „High Crimes“ verfällt leider ziemlich schnell in Klischees und eine arg konstruierten Handlung: Dem Ehemann wird ein Frischling von Verteidiger gestellt, der noch grün hinter den Ohren ist, so dass Claire gleich selbst die Verteidigung übernimmt. Durch das Auftauchen ihrer Schwester wird noch eine kleine Liebelei mit dem Junganwalt verknüpft und als Krönung darf der völlig unterforderte aber stets souveräne Morgen Freeman den ehemaligen Alkoholiker und heruntergekommenen Anwalt Charlie Grimes geben, welcher die besten Tage auch schon hinter sich hat.

Während Claire bald spüren muss, dass das Militärgericht etwas anders als das zivile funktioniert und erfährt, dass ihr Mann eine geheime Identität besitzt, muss Charlie tief in seine Ideenkiste greifen, um Tom vor der Todesstrafe zu bewahren. Ohne dass es überrascht greifen die dunklen Hintermänner des Militärs zu den üblichen Einschüchterungstaktiken, um weitere Ermittlungen zu verhindern. Wie bekommt man ihn also frei, wenn die meisten Beweise auf Grund von geheimen Fakten dieser Militäroperation nicht zugelassen werden?
Genau, Alkohol ist die Lösung. Wie sich herausstellt hat der alte Charlie so seine Ideen…

Das große Problem ist die beeindruckende Vorhersehbarkeit des Films, der bis auf das gelungene Ende nun wirklich keine Überraschung zu bieten hat. Die Charaktere bleiben größtenteils durchsichtig und die gezwungenen Wendungen frei nach dem Motto „Hey, ich hab’s dir doch gesagt!“ vorhersehbar wie offensichtlich. Man wird während der imposanten, aber zu langen Laufzeit von 2 Stunden nie das Gefühl los, die Elemente dieses Films in den letzten Jahren alle schon mal zumindest ähnlich in anderen Filmen gesehen zu haben, so dass weder Tempo noch Spannung erzeugt werden kann. Da können auch die wenigen Flashbacks Marke „Rashomon“ nicht mehr helfen, denn was bei diesem Militäreinsatz wirklich geschah ist, wie ein geheimnisvoller Fremder richtig anmerkt inzwischen scheißegal. Who cares?

Sicher versprüht Morgan Freeman sehr viel Charme und Humor, was dem Film vor dem totalen Untergang rettet und Amanda Peet sieht in einer Nebenrolle verboten gut aus, aber das reicht nun mal leider nicht. Ashley Judd kämpft verzweifelt gegen sämtliche Klischees die Militärthriller zu bieten haben, was mit Abhörung und Verfolgungswahn beginnt und einem Mordanschlag auf sie aufhört. Ihr persönliches Schicksal nach einem Autounfall kann da auch nicht mehr viel retten, denn ihre seelische Erholung geht doch überraschend schnell von statten.

Fazit:
Langweiliger, vorhersehbarer Gerichtsfilm, der so ziemlich jedes Klischee amerikanischer Militärthriller bedient und nebenher einen uninteressanten, oft ähnlich verfilmten Plot bietet. Morgan Freeman ist zwar sichtlich unterfordert, hat aber Spaß an seiner Rolle. Ashley Judd kann man noch eine ordentliche Leistung bescheinigen, während John Caviezel mit ewigem Unschuldsblick sehr einsilbig bleibt. Der überraschende Schluss kann da auch nichts mehr retten.

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