Review

Ein Episodenfilm bringt meistens Abwechslung, man denke nur an die ollen „Masters of Horror“ – Teile. Wenn es auch zwischendurch ein paar schwächere Kurzgeschichten gab, so war der jeweilige Durchhänger doch nach etwa 30 Minuten überstanden.
Daniel Boyd hingegen schafft es, mit fünf Episoden etwas richtig Einfallsloses auf den Zuschauer loszulassen, so dass man sich über knapp 90 Minuten schlicht langweilt.

Angelehnt an „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ erzählen hier fünf Personen während ihres Aufenthalts in einer Busstation ihre Alpträume:

Beitrag 1: In einem Hallenbad lernt eine Frau einen Taucher kennen. Wie sich herausstellt, ist der Kerl aber bereits seit fünf Jahren tot. Der untote Taucher und andere ertrunkene Geister jagen der Frau eine Heidenangst ein.
Beitrag 2: Camp-Daddy ist mit einige Pfadfinderjungen im Wald, ein Fremder will die Gruppe warnen, doch Camp-Daddy lässt seinen bösen Trieben freien Lauf und hält sich für einen Werwolf.
Beitrag 3: Eine Frau ist in einen Nachrichtensprecher verliebt, der plötzlich vor ihrer Haustür steht. Pech: Der Typ ist ein Vampir.
Beitrag 4: Ein sensibler Mann liest Todesanzeigen, wünscht sich daraufhin einen verstorbenen Neunjährigen zurück, - es funktioniert. Wünscht sich seinen verstorbenen Bruder zurück, - es funktioniert. Wünscht sich versehentlich einen Axt-Mörder zurück, - es funktioniert…
Beitrag 5: Ein Dozent hält einen anthropologischen Vortag über Ixpe, irgendeine mächtige Gottheit. Zwei seiner Schüler besuchen einen Grabhügel, woraufhin eine vom bösen Dämonen besessen zurückkehrt und den Dozenten tyrannisiert.

Kommen eigentlich viele bekannte Figuren des klassischen Horrors zusammen und doch ist „Chillers“ ein einziges Kasperltheater.
Boyd hat ein dermaßen schlechtes Gefühl für Timing und Dramaturgie, da ist jedes Elfmeterschießen der Schweizer Fußballnationalmannschaft zielsicherer.
Das wird direkt bei der ersten Episode deutlich: Minutenlang muss man dem alltäglichem Treiben der Badegäste beiwohnen, Schabernack durch Halbstarke erdulden und ein fast schon widerliches Petting zwischen der Frau und dem Taucher unter der Dusche hinnehmen. Dem Erscheinen der Untoten wird dann allenfalls drei Minuten gewährt und bevor es überhaupt zu Spannung oder gar Blutvergießen kommt, wird die Episode jäh beendet.

Bei den übrigen Kurzfilmchen ist es kein Stück besser: Lange Vorgeschichte, knapper, blutleerer Einsatz der Horrorfigur und Zack-Ende.
Für Troma-Verhältnisse ist dieser Beitrag ohnehin eher untypisch: Es fehlt komplett an humorigen Einlagen, schrägen Vögeln und zumindest einer gutaussehenden Frau – nicht eine zu sehen!
Die Darsteller sind auch nicht auf Troma-Niveau, sondern darunter und das will schon etwas heißen. Hier hat Boyd offensichtlich seine Bekannten und Nachbarn für´n halbes Schwein mit Senf zum Mitspielen überreden können, denn nicht der Ansatz von Ausdruck ist bei einem der Akteure zu erkennen
Musikalische Untermalung natürlich auf ähnlich niedriger Stufe, nur ein Korg-Synthesizer, der vergessenswerte Tingel-Tangel-Kaufhausmusik wiedergibt.

Die Grundidee ist nicht wirklich schlecht und „Chillers“ ist auch gerade noch zu ertragen, da man sich nach ein paar Minuten eine neue doofe Geschichte reinziehen kann.
Aber Dr. Schrecks Todeskarten kann er in keiner Weise das Wasser reichen. Dafür ist das Ganze zu farblos, zu blutleer (bis auf einen abgetrennten Kopf keine einzige Splatterszene) und grundlegend unspektakulär. Dazu Darsteller, die keine sind und Geschichten, die wenig Anlass zur Freude geben.
Hoffte ich zumindest noch auf eine angenehme Schlusspointe, hat man auch diese versäumt und bringt alle fünf Episoden in einem Wirrwarr von Andeutungen noch einmal zusammen.
Ehrenpunkt für die gut(geklaute) Grundidee, ansonsten zum Einstauben in der Ecke stehen lassen.
2 von 10 Punkten

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