16,6% beträgt die Wahrscheinlichkeit, bei nur einer Patrone im sechsschüssigen Revolver beim Russisch Roulette getötet zu werden. „So, just pull the trigger“ endet der gleichnamige Song von Rihanna und auch die Soldaten in „Die durch die Hölle gehen“ mussten erfahren, wie das tödliche Glücksspiel seinen Lauf nimmt. Der Georgier Babluani setzte seinen Stoff bereits 2005 um, bevor er ihn nochmals mit mehr Budget und bekannteren Gesichtern auffrischen konnte, - spannungsgeladen, aber nicht so mitreißend wie erhofft.
Ein Alptraum ist die Situation für den jungen Elektriker Vince (Sam Riley), der durch Zufall mitbekommt, wie jemand innerhalb eines Tages „mit viel Glück“ eine Menge Geld scheffeln kann. Über Umwege schleust er sich in einen Ring ein, nichts ahnend, dass verschiedene Teilnehmer unter den Augen Wetteifriger Russisch Roulette spielen. Doch nun gibt es für Vince kein zurück mehr…
Der Vorlauf wird nicht unbedingt genutzt, um ordentliche Figurenzeichnungen zu schaffen, auch wenn Vince` Motiv des schwerkranken Vaters löblich ist, so entpuppt sich der Knabe doch als eher schüchtern und seine Entwicklung hin zu einem abgeklärt auftretenden Teilnehmer binnen kurzer Zeit scheint kaum nachvollziehbar.
Daneben gibt es noch kleinere Handlungsstränge wie etwa Jasper (Jason Statham), der seinen geistig kranken Bruder Ronald (Ray Winstone) für seine finanziellen Zwecke beim Turnier einsetzt, oder Jefferson (Mickey Rourke), der vom mexikanischen Knast dorthin verschleppt wurde und von daher eher widerwillig teilnimmt.
Die vielen bekannten Gesichter, unter anderem noch Ben Gazzara als Wettpate, Michael Shannon als Spielleiter und 50 Cent als zwielichtiger Gast, bringen allesamt wenig Profil mit, um das Geschehen maßgeblich zu garnieren, sie fungieren eher als Stichwortgeber oder kleine Lückenfüller zwischen den Runden.
Nun ist Russisch Roulette ein verteufelt perfides Spiel um Tod und Überleben und als da zu Beginn mehr als ein Dutzend Teilnehmer im Kreis stehen, sich reihum den Revolver an den Hinterkopf halten und beim Einschalten der Lampe abdrücken, ist schon eine Menge Adrenalin spürbar. Dabei geht es weniger um die Szenen rascher Ableben, sondern um die Momente davor und danach, die sich nicht nur auf das Publikum im Saal übertragen.
Ein Raunen, teils besorgte Blicke und leise Flüche sind zu vernehmen, sobald die Runde vorüber ist, denn für die feinen Herrschaften geht es meistens um Millionenbeträge.
Derweil zittert sich Vince von einer Runde zur nächsten, bis es am Ende zu ausgelosten Duellen kommt.
Allerdings ist die Show am Ende des Turniers noch nicht vorüber und da schleichen sich letztlich doch einige Unwahrscheinlichkeiten ein. Sei es, in einer amerikanischen Großstadt im Getümmel eine ganz bestimmte Person zu entdecken oder einen Beutel mit gewissem Inhalt wieder zu finden. Auch die Polizei, die von vornherein ihre Finger im Spiel hat, lässt sich einerseits leicht ablenken und andererseits mit simplen Mitteln zufrieden stellen, obgleich sie bereits einer heißen Spur auf den Versen waren.
Der Ausgang stimmt zwar nicht komplett zufrieden, zumal die Story nicht vollends zu Ende geführt wird, hinterlässt aber zumindest kleine Hoffnungsschimmer.
Zweifelsohne bietet „13“ (Vince hat diese Nummer während des Turniers) recht aufwühlende Momente und grundsolide Schauspielkunst, doch in Sachen Tiefgang wären etwas mehr als nur ein paar Flashbacks angebracht gewesen, um einige Randfiguren besser zur Geltung zu bringen.
Vielleicht beruht das letzte Quäntchen ausbleibender Spannung ja auf der Tatsache, dass hier niemand so wirklich gezwungen wird, andere zu erschießen oder sich töten zu lassen und dadurch weniger Mitgefühl aufkommt.
Wem das Szenario hingegen von der Grundidee her zusagt, sollte dem Streifen eine Chance geben, - schließlich erschien Russisch Roulette selten so salonfähig und gleichermaßen dekadent wie hier.
Knapp
7 von 10