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Ein wahrhafter Hollywoodklassiker mit wahrhaft göttlicher Hauptdarstellerin - was könnte der geneigte Filmliebhaber mehr verlangen? Eigentlich müßte er hier gar nichts kommentieren oder gar kritisieren, sondern könnte sich einfach entspannt zurücklehnen und genießen, wenn es nicht dieses moderne Hollywood mit seinen immer neuen filmischen Bankrotterklärungen voller klischeehafter Abziehbildchen und toller Spezialeffekte gäbe... Doch ist selbst dieser Dekadenzprozeß dem geneigten Filmliebhaber natürlich bekannt und bedürfte keiner weiteren Kommentierung. Was zum nachdenken anregt, sind vielmehr die zahlreichen Momente der Kontinuität innerhalb dieses Prozesses, dasjenige, was den Hollywoodfilm zu einem solchen macht - damals wie heute. Vielleicht könnte man dieses Moment am besten als eine Art Streben nach urständlicher Unschuld beschreiben, welches sich äußert in den unterschiedlichsten Arten und Stufen von Naivität, Prüderie und heiliger Scheu vor dem Tabu. So ist Königin Christine aus einem gewissen Blickwinkel genauso naiv und politisch korrekt wie E.T. oder The Day after tomorrow, doch auf eine frische und authentische Art und Weise, die die Unmittelbarkeit und Unschuld des Urmenschen tatsächlich zu einem gewissen Grade vergegenwärtigen kann, wogegen sie bei Spielberg und Emmerich dieses Ziel längst aus den Augen verloren und zur populistischen Anbiederung ans amerikanische (und leider ja auch europäische) Spießerpublikum verkommen ist.
So ist die früh verwaiste Königstochter, die in herausragender Form ihren Mann steht und dabei aus religiöser Toleranz und Einsicht ganz Europa befriedet für sich betrachtet ein PC-Klischee ersten Ranges, das in den Fingern eines der modernen Hollywood-Gutmenschen sicherlich eine Brechreizprovokation vom Range Amistadt oder Schindlers Liste verursacht hätte. Ebenfalls liebreizend naiv und dabei fast etwas politisch inkorrekt: Die Garbo wird von ihrem spanischen Verehrer in ausführlichsten Gesprächen über spanische Kultur nicht als Frau erkannt (klar, hat ja auch was im Kopf), sondern erst, als sie im erzwungermaßen gemeinsamen Sc hlafzimmer ihr Wams ablegt...
Wenn also Greta Garbo die staatsmännischen Pflichten zwar voll ausfüllt, die von diesen erforderte Selbstaufgabe jedoch schließlich zugunsten ihrer Weiblichkeit, ihrer Liebe zum spanischen Botschafter, und - mit Schiller gesprochen - der Männlichkeit ihres Geistes im Streben nach Bildung abstößt, ist es doch nur oberflächlich gesehen derselbe Konsenskitsch, der heutzutage die Kinos von Übersee überflutet. In Wirklichkeit unterliegt er einer klassischen Brechung und Verklärung, welche man bei all den Epigonen, wie sie auch immer heißen und woher sie auch immer kommen mögen, vergeblich sucht: 8 von 10.

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