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Breck Eisners Remake aus dem Jahre 2010 des George-Romero-Klassikers aus den Siebzigern kann als geglückt bezeichnet werden. Hatte Romeros Original meines Erachtens doch ziemlich mit Dramaturgie und Erzähltempo zu kämpfen, inszeniert Eisner das Szenario einer von bakteriologischem Kampfstoff verseuchten Kleinstadt flotter und insgesamt ausgewogener, wobei er dennoch nicht auf einen stimmigen, langsameren Prolog verzichtet. Die Neuverfilmung ist actionreicher und rasanter, wofür die emotionalen, traurig-melancholischen Momente des Originals aber zurückstecken müssen. Dafür setzte man mehr auf grafische Härte inklusive überzeugender Masken und blutiger Effekte, die sich mitsamt spannender Ideen auf höherem Horrorniveau bewegen. Die bei Romero noch allgegenwärtige Militärkritik wurde hier in ihrer Unmissverständlichkeit für den bösartigen Schluss aufgespart. Das mag von Kritikern als Abschwächung der Aussage gewertet werden, kann aber im Prinzip durch seine Schockwirkung ebenfalls den gewünschten Effekt erzielen. Eine im wahrsten Sinne des Wortes „bombastische“ Szene drückt den Zuschauer förmlich in den Kinosessel. Die Schauspieler wurden gut gewählt, wobei der Fokus auf dem Trio Timothy Olyphant, Radha Mitchell und Joe Anderson liegt, das sich ab einem gewissen Zeitpunkt fast schon in Endzeit-Road-Movie-Manier durchschlägt. Zwar ist „The Crazies“ heutzutage in Anbetracht von modernen Kinoerfolgen wie „28 Days Later“ und Co. nun wirklich auch für Nicht-Kenner des Originals keine hochinteressante Neuinterpretation des Stoffes mehr, krankt aber glücklicherweise auch nicht an zeitgemäßen, aber immer wieder ärgerlichen Elementen wie übertrieben unruhiger Kameraführung bei Actionsequenzen oder unauthentischen Effekten aus dem CGI-Setzbaukasten. Dass George Romero höchstpersönlich als ausführender Produzent fungierte, scheint sich bezahlt gemacht zu haben. Dessen Original mag atmosphärischer und düsterer gewesen sein, in Sachen Unterhaltungswert hat das Remake aber die Nase vorn, ohne das Niveau dabei aus den Augen zu verlieren.

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