Aaron Johnson spielt einen Teeanger, der sich die meiste Zeit mit seinem PC und diversen Comic-Heften beschäftigt, bis der Inbegriff eines Losers schließlich den Entschluss fasst, ein peinliches Kostüm anzuziehen und als "Kick-Ass" den Menschen zu helfen und dem Verbrechen den Kampf anzusagen. Da er über keine nennenswerten Superkräfte verfügt, kann er jedoch kaum Erfolge verzeichnen, rückt aber dennoch in das Fadenkreuz eines Gangsterbosses, gespielt von Mark Strong, da er den Weg mit einem weiteren maskierten Rächer, gespielt von Nicolas Cage, und dessen Tochter kreuzt, für deren Taten er nun verantwortlich gemacht wird.
Nach seinem Regie-Debüt "Layer Cake" gelang Matthew Vaughn mit "Der Sternwanderer" einer der besten Fantasyfilme der letzten Jahre. Dazu benötigte er weder ein vollkommen überhöhtes Monsterbudget, noch die neusten Innovationen aus Hollywoods Trickschmiede, sondern lediglich ein paar gelungene Grundideen und ein einfallsreiches Grundkonzept, was im Endeffekt dazu führte, dass sich seine sympathische Fantasy-Komödie erst gar nicht mit den anderen Genrevertretern messen musste, weil sie einfach anders war, die meisten Stereotypen umkurvte und die, die Verwendung fanden eher als Parodie anlegte. Sehr erfreulich, dass Vaughn dies mit seinem Superheldenfilm "Kick-Ass" erneut gelingt.
Erneut liefert Vaughn einen Film der etwas anderen Art, einen Superheldenfilm, der trotz seines bescheidenen Budgets besser ausfällt als ein Großteil der Konkurrenz, sofern man ihn überhaupt mit dieser vergleichen kann. So fällt bereits die Einordnung des Films schwer, einerseits sind durchaus Elemente einer Parodie auf diverse Superheldenfilme vorhanden, so erinnert Big Daddy optisch sehr stark an eine gewisse Fledermaus aus Gotham und nicht selten fallen Parallelen zwischen der Hauptfigur und Peter Parker auf, andererseits ist "Kick-Ass" aber auch ein eigenständiger Superheldenfilm, der zudem Ausflüge in den satirischen Bereich unternimmt.
"Kick-Ass" stellt den klassischen Wandel des Superlosers zum Superhelden, der mit "Spider-Man" zum Kult wurde, dar; nur, dass diesmal ein gewisser Realismus, ein amüsantes, aber doch recht hintergründiges hinterfragen Bestandteil dieses Wandels ist. So ist "Kick-Ass" kein Held, der es nach drei Kniebeugen, mit einem lächerlichen Kostüm und zwei Knüppel bewaffnet gleich mit zehn Gangstern aufnehmen kann, er ist auch weiterhin ein Versager, der schnell im Krankenhaus und auf dem Boden der Tatsachen landet, letztlich nur durch ein Internet-Video den Status einer kleinen Sensation erlangt.
Und auch die restliche Story kann sich sehen lassen. Angefangen bei Hit Girl, die gleich dutzende Gegner im Kampf brutal tötet, obwohl sie eigentlich noch in die Grundschule gehen sollte. Gerade hier wird die, in der Mehrzahl aller Comic-Verfilmungen verwendete Gewalt, kritisch reflektiert, denn richtig gefallen will die Vorstellung einer 11jährigen Killerin, die lieber mit einem Butterfly-Messer als einer Puppe spielt, nicht wirklich. Der Plot bietet dabei einige gelungene Überraschungen und meistert den schmalen Grat zwischen Komödie/Parodie und unterhaltsamem Superheldenfilm (im Rahmen des halbwegs Denkbaren) ausgezeichnet.
Auch inszenatorisch leistet Vaughn hervorragende Arbeit. Der Soundtrack ist so stilsicher ausgewählt, wie bei kaum einem anderen Film in den letzten Jahren, während auch visuell einiges geboten wird, da die Action-Szenen durchaus zu überzeugen wissen. Über die zahlreichen Gags, die meist zu zünden wissen, verliert Vaughn dabei nicht seine eigentliche Geschichte aus den Augen, treibt seinen Plot immer weiter voran, wobei er durchaus Spannung erzeugt, woraufhin er seinen Film in einem klassischen, aber vollkommen überzeugenden Showdown gipfeln lässt, sodass "Kick-Ass" kaum unterhaltsamer sein könnte, auch wenn sich kleinere Längen nicht ganz leugnen lassen. Und dann wären da noch die zahlreichen überraschenden Gewalt-Eruptionen, die immer wieder absolut plötzlich eingestreut werden und tatsächlich mitunter zu Denken geben.
Und auch darstellerisch weiß "Kick-Ass" auf ganzer Linie zu überzeugen. So ist Aaron Johnson in der Hauptrolle absolut glaubhaft, bringt den Part des sympathischen Losers authentisch auf die Leinwand und leistet sich darüber hinaus keinerlei Fehler. Daneben sind auch Chloe Moretz als Hit Girl und Christopher Mintz-Plasse als Red Mist überraschend gut besetzt und zeigen Darbietungen, die definitiv keinen Grund zur Beschwerde hinterlassen. Die besten Leistungen gehen jedoch ganz klar auf die Konten der beiden Routiniers im Cast, so ist Mark Strong mit gewohnt unterkühltem Charisma als Gangsterboss ausgezeichnet besetzt, während der spielfreudige Nicolas Cage seine Rolle perfekt meistert, wobei er seinen cartoonesk konzipierten Charakter nicht zu einer Karikatur verkommen lässt.
Fazit:
"Kick-Ass" ist einerseits eine Parodie auf das Superhelden-Genre und spielt gekonnt mit diversen Klischees, die immer wieder ironisch und satirisch hinterfragt werden, steht aber als eigenständiges Werk durchgehend auf eigenen Beinen. So liefert Matthew Vaughn einen, auch in den restlichen Belangen überaus gelungenen Genrefilm ab, der überaus unterhaltsam ausfällt und jedem ans Herz gelegt sei, der einfach noch mal etwas vollkommen anderes, einzigartiges, innovatives sehen möchte.
86%